Geschwister-Scholl-Straße
Anlieger dagegen – Politik dafür

Gronau -

Beide Seiten haben nachvollziehbare Gründe für ihre Position: Bürger wollen ein aus ihrer Sicht überdimensioniertes Bauvorhaben verhindern, der Investor verweist auf die baurechtliche Zulässigkeit. Der Streit ist also vorprogrammiert, auch wenn der Bauausschuss jetzt eine erste Entscheidung gefällt hat.

Freitag, 07.12.2018, 10:17 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 10:20 Uhr
So soll das geplante Bauvorhaben (neun Wohneinheiten) an der Geschwister-Scholl-Straße aussehen. Anlieger kritisieren, dass es sich nicht in die Umgebung des Baugebietes einfüge. Die Politik lehnt eine Änderungen des Bebauungsplanes zur Einschränkung der Wohneinheiten indes ab. Foto: Bauträger

Beide Seiten haben nachvollziehbare Gründe für ihre Position: Bürger wollen ein aus ihrer Sicht überdimensioniertes Bauvorhaben verhindern, der Investor verweist auf die baurechtliche Zulässigkeit. Der Streit ist also programmiert, auch wenn der Bauausschuss jetzt eine erste Entscheidung gefällt hat. Mit sechs Ja-Stimmen bei sieben Enthaltungen lehnte der Ausschuss einen Bürgerantrag auf Änderung eines Bebauungsplanes ab. Wenn der Rat sich anschließt, ist der Weg damit frei für den Bau eines Wohnhauses mit neun Wohneinheiten (zwei Garagen, sieben Stellplätze) an der Geschwister-Scholl-Straße.

Das strittige Objekt – für das ein Bauantrag erst nach dem Bürgerantrag der Nachbarn vorgelegt wurde – soll dort auf einem rund 1200 Quadratmeter großen Grundstück errichtet werden. Nachbarn lehnen das vehement ab. Das Bauvorhaben füge sich nicht in die Umgebung ein und widerspreche der Eigenart des Baugebietes. Die Anlieger fürchten erhebliche Einschränkungen ihrer Privatsphäre, Lärm- und Abgasimmissionen sowie ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Ihre Forderung: Den bestehenden Bebauungsplan zu ändern, um die Zahl der geplanten Wohnungen erheblich einzuschränken. Verwiesen wird dabei auf eine entsprechende Vorgehensweise des Rates „Beim Bungert“ in Epe.

Demgegenüber betont der Investor, dass sich seine Planung „sehr gut in die strukturelle Eigenart“ des Baugebietes einfüge, weil es dort ohnehin schon Mehrfamilien- und Reihenhäuser in ähnlicher und teilweise auch größerer Dimensionierung gebe. Auch gehe von dem geplanten Bau „keine erdrückende Wirkung“ auf die unmittelbar angrenzende Bebauung aus. Eine Beeinträchtigung der Privatsphäre sei nicht zu erkennen, und auch die kritisierte Zahl der Stellplätze entspreche den Vorschriften.

Grundsätzlich sah auch die Verwaltung das Bauvorhaben – vorbehaltlich einer Prüfung des Bauantrages – an dieser Stelle als zulässig an. Zumal es dort bereits Objekte mit vergleichbarer Kubatur gebe. Durch eine Beschränkung der Zahl der Wohneinheiten sei das Ziel der Anlieger – Verhinderung eines großen Bauvorhabens – im Übrigen nicht zu erreiche, da bei der Grundstücksgröße die Zahl der Wohnungen auch bei einer Bebauung mit mehreren Reihenhäusern möglich sei.

In seiner Fraktion sei die Thematik kontrovers diskutiert worden, so Werner Bajorath (SPD): „Die Befürchtungen und Vermutungen der Anlieger kann ich verstehen, dennoch ist das Vorhaben zulässig.“ Zudem gehe es hier um innenstädtische Wohnraumverdichtung und die Schaffung von Wohnraum für Senioren, die nicht am Stadtrand erfolgen sollte. Und schließlich ergebe es keinen Sinn, dass die Stadt B-Pläne aufstelle, um sie nachträglich mit Begrenzungen einzuschränken. Sein Kollege Chris Breuer sah das anders. „Das Objekt würde in dem Gebiet anders aussehen“, sah er die Maßstäblichkeit nicht gegeben und auch die Zahl der Stellplätze als problematisch an.

Von einer „schwierigen Entscheidung“ sprach auch UWG-Sprecher Jörg von Borczyskowski. Der Antrag der Nachbarn sei zwar legitim, aber: „In Anbetracht der Maßstäblichkeit und der Verdichtung kann ich das geplante Gebäude durchaus als verträglich ansehen.“ Aus seiner Sicht sei allenfalls ein Kompromiss (sechs Wohneinheiten) vorstellbar. Auch sollte an den Investor appelliert werden, in Sachen Stellplatzfrage „sensibler vorzugehen, als das Baurecht es zulässt“. Wenig Möglichkeiten gegen die Planung vorzugehen sah auch Markus Busen (FDP). Ähnlich war zudem die Einlassung von Martin Dust (CDU): „Die Planung entspricht geltendem Baurecht“, insofern sei der Bürgerantrag abzulehnen.

Robert Brandt (Die Linke) räumte ein, dass ihm das Vorhaben anfangs „schwer im Magen gelegen“ habe. Angesichts der Tatsache, dass hier Wohnungen für ältere Menschen und betreutes Wohnen geplant seien, sei ihm die Entscheidung leichter gefallen, für das Neubauvorhaben und gegen eine Änderung des B-Planes zu stimmen.

Herbert Krause betonte, dass das Neubauvorhaben dem Konzept von Pro Bürgerschaft/Piraten entspreche, eine Nachverdichtung nötig und an dieser Stelle interessant sei. Dem Hinweis, dass das Objekt nicht dem Charakter der Umgebung entspreche, hielt Krause entgegen, „dass das einheitliche Bild der Architektur des Gebietes schon lange verloren gegangen ist“. Er sah aber Möglichkeiten, das Objekt durch eine veränderte Planung noch zu optimieren.

Ob die Anlieger die Entscheidung akzeptieren, ist fraglich. Ein Sprecher machte deutlich, dass der Vorgang bereits beim Anwalt liege. Die Nachbarn sehen sich vor allem im Verhältnis zu Bewohnern anderer Wohngebiete (in denen B-Pläne geändert wurden) ungerecht behandelt. Kritik gab es auch daran, dass die jetzt beschlossene Entscheidung von Menschen getroffen worden sei, „die selbst solche Objekte bauen, wie das, was sie jetzt an der Geschwister-Scholl-Straße zulassen“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6240002?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Autofahrer rammt Kind und fährt weiter
Polizei sucht Zeugen: Autofahrer rammt Kind und fährt weiter
Nachrichten-Ticker