Prozess vor dem Landgericht beginnt
Vater muss sich wegen Baby-Tods verantworten

Gronau/Münster -

Nach dem gewaltsamen Tod eines zwei Monate alten Säuglings aus Gronau muss sich dessen Vater – ein 25-jähriger Gronauer – von Montag an in einem Prozess vor dem Landgericht Münster verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Juni seinen Sohn vorsätzlich durch heftiges Schütteln geschädigt und dadurch den Tod des Kindes verursacht zu haben.

Freitag, 16.11.2018, 09:00 Uhr
Foto: dpa (Symbolbild)

Konkret, so die Staatsanwaltschaft , soll der Angeklagte zunächst mit dem in der Kinderwippe liegenden Sohn gespielt haben, bis er sich entschlossen habe, das Spiel durch Schütteln fortzuführen. Dazu soll er den Säugling aus der Wippe genommen und den Körper des Kindes ohne ausreichende Unterstützung des Kopfes ruckartig mehrmals vor und zurück sowie von rechts nach links bewegt haben, wobei der Kopf des Kindes in die verschiedenen Richtungen geschlagen sein soll. Erst auf Aufforderung der hinzugekommenen Kindesmutter soll er das Schütteln beendet haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte bei den Schüttelbewegungen die Verletzungen des Sohnes zumindest billigend in Kauf genommen hat.

Der Zustand des Kindes sei in den ersten Tagen danach zunächst „verhaltensunauffällig“ gewesen, „sodass für einen Laien möglicherweise auch keine Veranlassung bestanden hat, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt im Sommer gegenüber den WN zu diesem Fall.

Als sich das Befinden des Kindes verschlechtert habe, hätten der Vater und die Familie die Rettungskräfte alarmiert. Der Säugling wurde daraufhin am 25. Juni zunächst in ins Medisch Spectrum nach Enschede und später in eine Klinik nach Groningen gebracht. Dort starb das Kind am 26. Juni an seinen schweren Gehirnverletzungen.

Die Klärung der genauen Tatumstände erfolgte durch eine Mordkommission des Polizeipräsidiums Münster.

Verhandelt wird der Fall vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster. Verhandlungsbeginn ist am 26. November um 9 Uhr mit geplanten Fortsetzungsterminen am 4. und 18. Dezember.

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