Sommerkrimi, Teil sechs
Eine geheime Abmachung

Stadtbaurat Dicker überlegt scharf. Pfeifers Tod bringt ihn die Bredouille. Was soll nun aus dem Deal werden, den er mit ihm geschlossen hat? Pfeifer sollte dafür sorgen, dass der Heimatverein Epe den Antrag zurückzieht, das Haus an der Oststraße unter Denkmalschutz zu stellen. „Sonst kann Rosskamp seinen Parkplatz zwar anlegen, aber nicht nutzen“, hat Dicker Pfeifer bei einem konspirativen Treffen am kleinen Deutschen Eck im Eper Park klargemacht. „Die geplante Zufahrt verläuft genau über das Grundstück von Nummer 21. Das Gebäude muss weg.“ – „Warum lassen Sie nicht einfach die Politik Druck auf das Denkmalamt ausüben“, hatte Pfeifer gefragt, während die beiden gemeinsam zum x-ten Mal den Findling am Zusammenfluss von Umflut und Dinkel umrunden. – „Herr Pfeifer, Sie kennen das doch aus eigener Erfahrung. Wenn ich das Problem in den Fachausschuss bringe, dauert das Monate, bis es einen Beschluss gibt. Das kostet zu viel Zeit. Die Stadt müsste einen enorm hohen Betrag als Schadensersatz zahlen. Wenn Sie aber belegen können, dass das Gebäude eigentlich gar nicht denkmalwert ist und den Antrag zurückziehen, kann es abgerissen werden. Damit wäre das Rosskamp-Projekt gerettet.“ – „Und wie soll ich das belegen?“ – „Ich kann Ihnen entsprechende Unterlagen beschaffen. Dass der Bauzustand völlig marode ist, dass es später gebaut ist als die anderen Häuser aus dem Ensemble – was immer Sie benötigen.“ – „Ja, wenn das so ist“, hatte Pfeifer gesagt, „bin ich dabei. Ich werde den Vorstand schon dazu bringen, den Antrag zurückzuziehen. Aber dafür müssen Sie mir auch etwas versprechen. Eine Hand wäscht die andere.“ Dicker hatte sich den Vorschlag Pfeifers angehört. Ja, das könnte klappen. Es wäre zwar nicht einfach, aber einfacher, als in Verhandlungen mit Rosskamp zu treten oder gar Schadensersatzforderungen zu zahlen. „Okay, schlagen Sie ein“, hatte er Pfeifer seine Hand hingehalten. „Aber es ist klar, dass unser Gespräch offiziell nie stattgefunden hat, nicht wahr?“

Freitag, 10.08.2018, 20:00 Uhr

Stadtbaurat Dicker und Josef Pfeifer hatten eine Abmachung. Doch als Dicker die Geheimnotiz hervorkramen will, ist sie aus seinem Schreibtisch verschwunden. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Dicker hatte am selben Abend, nachdem Sabine Domestos ihren Arbeitsplatz verlassen hatte, eine Gesprächsnotiz („Geheime Absprachen mit Josef Pfeifer“) an seinem Computer getippt, sie ausgedruckt, in die Schublade seines Schreibtischs gelegt, die Datei auf dem Computer sofort wieder gelöscht und den Schreibtisch abgeschlossen. Nun kramt er die Notiz wieder hervor. Das heißt: Er will sie hervorkramen. Doch der Ausdruck ist nicht an seinem Platz. Hektisch wühlt Dicker die Schubladen durch. Doch es hilft nichts: Das Schriftstück ist verschwunden . . .

Blösing und Frühling vernehmen Neenochma und seinen Azubi. „Und ihr habt nichts berührt?“, fragt Blösing streng. – „Natürlich nicht“, sagen die beiden wie aus einem Mund. – „Und auch nichts dazugelegt?“, will Frühling wissen. „Auch nicht“, sagt Schmitz. „Wir sind der Blutspur gefolgt und haben den Mann hier gefunden. Ich habe nur geschaut, ob ich noch Erste Hilfe leisten kann. Doch da war schon kein Puls mehr zu fühlen. Trotzdem habe ich natürlich die Rettungswache und dann die Polizei angerufen.“ – „Okay. Haben Sie eine Ahnung, was Pfeifer hier wollte?“ – „Ich glaube nicht, dass er hierhin wollte“, sagt Neenochma. „Der war irgendwo anders hin unterwegs und ist nur zufällig vor der Baustelle überfallen worden.“ – „Aber wenn er sich hier mit jemandem verabredet hat?“ – „Hier? Unwahrscheinlich. Was soll man sich hier mitten in der Nacht treffen. Da gibt es doch angenehmere Orte.“

Der Mann, der Martin Burg vor Segelberts Metzgerei anrempelt, ist niemand anderes als Klaus Wiesel. „Ich hab dich ja auch vermisst“, sagt Burg. „Aber so stürmisch muss die Begrüßung ja auch nicht sein . . .“ – „Martin komm mit, ich habe Fotos gemacht, die musst du dir ansehen.“ Wiesel ist ganz aufgeregt. „Und ich weiß, wer das Opfer ist.“ – „Das kann ich dir auch sagen“, meint Burg trocken: „Josef Pfeifer.“ – „Woher weißt du das denn?“, ist Wiesel verblüfft. – „Kleine Gespräche unter Freunden können manchmal ganz erhellend sein.“ – „Egal, auf jeden Fall haben wir Fotos, mit denen wir den Artikel bebildern können. Blösing wollte meinen Chip konfiszieren. Ich habe ihm einfach den aus dem zweiten Slot gegeben“, kichert Wiesel. „Der hat ja keine Ahnung, dass meine neue Kamera zwei hat . . .“ – „Und was war auf dem Chip drauf, den du Blösing gegeben hast?“, fragt Burg. – „Oh Mist“, fällt es Wiesel wie Schuppen von den Augen. „Die Fotos von den Gregori-Schützen von gestern Abend! Die brauchen wir ja unbedingt für die morgige Ausgabe.“ – „Dann sieh mal schnell zu, das du den Chip wiederbekommst. Ich fahr schnell zu meiner Schwester, die soll fix die Dateien von den Tatortfotos kopieren. Dann kannst du bei Blösing den anderen Chip eintauschen. Kannst ihm ja sagen, dass du dich vertan hast.“ – „Das glaubt er mir nie! Trotzdem danke, Martin.“ – „Guck, dann hab ich als alter Pfadfinder meine gute Tat für heute schon getan.“ – „Na“, meint Wiesel, „wenn du meinst, dass das reicht . . .“

 

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