Spontane Idee
Brückenbauer mit Sprachunterricht erhalten Integrationspreis der Stadt Gronau

Gronau -

Das Projekt „Sprache ist eine Brücke zur Integration – Deutschunterricht für geflüchtete Menschen“ wurde vom Integrationsrat der Stadt Gronau mit dem Integrationspreis „Gronau verbindet“ ausgezeichnet. Der Preis wurde jetzt in einer Feierstunde im Haus der Begegnung übergeben.

Donnerstag, 08.02.2018, 13:02 Uhr

Für ihr Engagement bei der Unterrichtung von Flüchtlingen wurden (v.l.) Rudolf Nacke, Elisabeth Baudry sowie Ursula Könemann-Krabbe und Heinz Krabbe von Bürgermeisterin Sonja Jürgens (2.v.r.) mit dem Integrationspreis der Stadt geehrt.
Für ihr Engagement bei der Unterrichtung von Flüchtlingen wurden (v.l.) Rudolf Nacke, Elisabeth Baudry sowie Ursula Könemann-Krabbe und Heinz Krabbe von Bürgermeisterin Sonja Jürgens (2.v.r.) mit dem Integrationspreis der Stadt geehrt. Foto: Norbert Diekmann

Bürgermeisterin Sonja Jürgens hob in der Laudatio die Spontaneität von Rudolf Nacke und seinen Mitstreitern hervor, als es im Jahr 2015 darum gegangen sei, etwas für die Bürgerkriegsflüchtlinge in Gronau zu tun. Es sei wichtig gewesen, Kenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln. Sprache verbinde und sei Brücke zur Integration. Die Anmeldelisten für die Sprachkurse seien in den ersten Tagen nach der Ankunft der Flüchtlinge schnell voll geworden, so die Bürgermeisterin. Und das sei vor allem ein Verdienst von Rudolf Nacke gewesen. Mit der Überreichung des Preises verbinde die Stadt Gronau Wertschätzung, Anerkennung und Dank.

Packend berichtete Nacke von dem inneren Monolog, der sich in seinem Kopf abspielte, als er nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge einen Blick in die Notunterkunft geworfen habe. „Du musst helfen“, so der erste Gedanke des pensionierten Realschullehrers. „Aber wie?“ Und dann, typisch deutsch, wie Nacke meint: „Wer ist zuständig?“ Aber dann drängt der erste Gedanke nach vorne: „Du musst helfen, jetzt helfen, Du musst Feuerwehr spielen.“ Am nächsten Tag habe er Anmeldelisten für Sprachkurse ausgehängt und die Bürgermeisterin gebeten, weitere Lehrkräfte zu gewinnen. Nach wenigen Tagen hatten sich etwa 15 ehemalige Lehrer gemeldet, die mithelfen wollten. Und diese fingen an mit nichts. Nacke: „Ich hatte keine Ausbildung für das Fach ‚Deutsch als Fremdsprache‘. Die habe ich bis heute nicht. Wir hatten keine Unterrichtsräume, kein Unterrichtsmaterial.“

Es gab dieses entschlossene „Wir schaffen das“ in Gronau und Epe schon 14 Tage, bevor die Kanzlerin mit diesem Satz Schlagzeilen machte. Da gab es schon 14 Lerngruppen mit Flüchtlingen, die hochmotiviert waren, die deutsche Sprache zu erlernen. Unter ihnen Frauen aus Afghanistan, die noch nie eine Schule von innen gesehen hatten, Menschen, die bis dahin nur in anderen Schriften zu Hause waren. Nacke: „Nach wenigen Tagen hatten wir 100 Anmeldungen von Flüchtlingen aus 20 verschiedenen Ländern.“

Heute lernen die Migranten die deutsche Sprache in regulären Kursen mit ausgebildeten Lehrkräften, die eine Vergütung erhalten. Die Initiative ist nicht mehr in ihrer Feuerwehrfunktion gefragt. Sie wird aber weiterhin gebraucht, um in Sonderfällen die vorbereitende Qualifikation für eine Teilnahme an Sprachkursen zu schaffen. Bei den Gruppen der Initiative steht heute oft die soziale Funktion der Treffen im Vordergrund.

Nach dem Bericht von Rudolf Nacke unterzeichnete Sonja Jürgens den Scheck über 900 Euro, mit dem der Preis dotiert ist und überreichte Urkunden und Scheck an Elisabeth Baudry, Ursula Könemann-Krabbe, Heinz Krabbe und Rudolf Nacke. Bereits im Vorfeld hatten diese sich auf eine Verwendung für den Betrag geeinigt: Der Scheck wurde umgehend weitergegeben an die Initiative „Schulgeld Uganda“. Damit könne, so Nacke, für 16 Schüler in Uganda das Schulgeld für ein ganzes Jahr gesichert werden – ein Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch drei Schülerinnen der Musikschule. Rachel Bozkurt (Klarinette) sowie Carla Volmer und Maike Hofsommer (Saxofon), unterstützt durch ihre Musiklehrerin Iris Gruber.

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