Bündnis „Für ein besseres Leben im Alter“ plant Zusammenkunft mit Hausärzten
Probleme an den Schnittstellen

Gronau -

Es gibt Krankenhäuser in Gronau. Es gibt stationäre und mobile Pflegeeinrichtungen und -dienste. Es gibt Hausärzte, Reha-Einrichtungen und Krankenkassen. Die einzelnen, oft hoch spezialisierten Komponenten des Gesundheitssystems funktionieren sicherlich gut – doch an den Schnittstellen gibt es offensichtlich Reibungsverluste. Zu Lasten der Patienten, letztlich aber auch mit negativen Auswirkungen auf alle Beteiligten. Ein Arbeitskreis des Gronauer Bündnisses „Für ein besseres Leben im Alter“ will eine Verbesserung der Strukturen erreichen.

Montag, 21.08.2017, 07:08 Uhr

Die Versorgung von Patienten könnte durch ein ganzheitliches Verfahren verbessert werden. Dafür setzt sich das Gronauer „Bündnis für ein besseres Leben im Alter“ ein.
Die Versorgung von Patienten könnte durch ein ganzheitliches Verfahren verbessert werden. Dafür setzt sich das Gronauer „Bündnis für ein besseres Leben im Alter“ ein. Foto: Tobias Hase/dpa

Wo drückt der Schuh genau? „Es fehlt an einer ganzheitlichen Patientenversorgung“, stellt Edith Brefeld , Seniorenbeauftragte der Stadt Gronau, fest. Bei Überleitungen – sei es bei einer Aufnahme von Patienten mit Pflegebedarf ins Krankenhaus, bei der Entlassung und der anschließenden Inanspruchnahme von Pflegediensten – hakt es.

Einige Beispiele: Ambulante Pflegedienste werden oft viel zu kurzfristig darüber informiert, dass ihre Dienste poststationär benötigt werden. Folge: Die Patienten können nicht zeitnah versorgt werden.

Oder: Bei der Einweisung ins Krankenhaus fehlen Hinweise auf die Lebensumstände des Patienten. Lebt er alleine? Liegt eine Depression vor? Sollte ein Sozialarbeiter sich dafür einsetzen, dass sich nach der Entlassung jemand um ihn kümmert?

Oder: Der vom Krankenhaus mitgegebene Medikamentenplan muss im Pflegeheim umgesetzt werden. Was schwierig ist, wenn die Häuser unterschiedliche Präparate verwenden und erst eruiert werden muss, ob die Wirkstoffe der verschriebenen Arzneien mit denen vorhandener Medikamente identisch sind.

Die Verwendung einheitlicher Formulare könnte die Probleme entzerren. „Der Kreis Borken hat so ein Aufnahmeformular sogar entwickelt. Doch die hiesigen Ärzte, Krankenkassen und Heime wenden es nicht an“, klagt Edith Brefeld. „Sie nutzen ihre eigene Software.“

Dabei gibt es positive Vorbilder: In Essen haben alle Pflege-Beteiligten gute Erfahrungen mit einem Leitfaden zur Kommunikation und Kooperation an den Schnittstellen gemacht. Arztpraxen, Krankenhäuser, Rehaeinrichtungen, Pflegedienste und -heime haben gemeinsame Standards mit integriertem ärztlichem Kurzbericht entwickelt.

Mit einer Checkliste wird dabei der jeweilige Pflege- und Hilfsbedarf der Patienten ermittelt. Der Sozialdienst der Krankenhäuser leitet im Rahmen des Entlassungsmanagements gegebenenfalls Schritte in die Wege – und zwar frühzeitig.

Voraussetzung ist die Bereitschaft aller Beteiligten, an einer solchen Vernetzung mitzuwirken. Eine Einladung des Arbeitskreises an die Krankenkassen stieß bislang auf keine besonders hohe Resonanz. Als nächsten Schritt plant die Arbeitsgruppe, die Hausärzte im Stadtgebiet in den Prozess einzubeziehen. „Bei ihnen sollte die Resonanz doch deutlich größer sein, denn hier geht es im das Wohl ihrer älteren Patienten“, hofft Edith Brefeld, die mit Stefan Rittmeyer, Chefarzt am Lukas-Krankenhaus, federführend in der „Arbeitsgruppe Überleitung“ tätig ist.

Die Erfahrung in Essen habe jedenfalls gezeigt, dass die Zahl der Wiedereinweisungen bei einer optimalen Überleitung und Anschlussbehandlung gesunken ist – und damit auch die Folgekosten niedriger ausfielen.

Ende September will Bürgermeisterin Sonja Jürgens als Schirmherrin des Bündnisses „Für ein besseres leben im Alter“ die örtlichen Hausärzte zu der Veranstaltung einladen. „Wir hoffen auf eine gute Resonanz“, so Edith Brefeld. „Denn ohne die Hausärzte geht es nicht.“

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