Klaus Doldinger
Offenheit bestimmt sein Leben

Gronau -

Dankbarkeit ist der Begriff, der Klaus Doldingers dezeitige Gemütsverfassung wohl am besten widerspiegelt. Er ist dankbar für seine Gesundheit, für sein intaktes Familienleben, („seit 1960 bin ich mit meiner Frau verheiratet. Drei Kinder und fünf Enkel haben wir!“).

Montag, 08.05.2017, 08:05 Uhr

Klaus Doldinger bei der Eröffnung der neuen Ausstellung im Rockmuseum im Gespräch mit Thomas Albers (l.)
Klaus Doldinger bei der Eröffnung der neuen Ausstellung im Rockmuseum im Gespräch mit Thomas Albers (l.) Foto: Martin Borck

Dankbarkeit ist der Begriff, der Klaus Doldingers dezeitige Gemütsverfassung wohl am besten widerspiegelt. Er ist dankbar für seine Gesundheit, für sein intaktes Familienleben, („seit 1960 bin ich mit meiner Frau verheiratet. Drei Kinder und fünf Enkel haben wir!“). Dankbar dafür, dass er immer noch Musik machen kann und dabei mit Menschen zusammenkommt, die ihm was bedeuten. „An all die Orte, wo ich im Laufe der Jahre gespielt habe, kann ich mich natürlich nicht erinnern; aber an viele Begegnungen,“ sagt der gerade noch 80-Jährige am Rande der Ausstellungseröffnung im Rockmuseum.

Klar: Gronau kennt er, weil er mit dem Ort den Namen Udo Lindenberg verbindet. Udo, der in der ersten Besetzung Doldingers Band Passport Schlagzeuger war. „Die erste Platte war so erfolgreich, dass alle Mitglieder der Band sich ermutigt sahen, Soloprojekte zu starten“, sagt Doldinger. Wohin das bei Udo Lindenberg führte, ist hinlänglich bekannt. „Nach Passport 1 habe ich mit neuen Musikern weitergemacht. Darunter waren zwei Briten. Deren Frauen fühlten sich in München aber nicht wohl, so dass auch die Zusammensetzung nicht lange hielt. Die dritte Besetzung war dann lange und erfolgreich zusammen“, erinnert er sich. Und mit Mitgliedern dieser Besetzung gastierte er 1979 zum ersten Mal in der Stadt: in der Aula der Eper Realschule. Schlagzeuger Curt Cress und Keyboarder Hendrik Schaper gehörten damals dazu. Diesem ersten Konzert folgten im Laufe der Jahre acht weitere in Gronau.

Im Jazz und Jazzrock ist Klaus Doldinger zu Hause. Doch seine Ausbildung erfolgte ganz klassisch am Schumann-Konservatorium in Düsseldorf.

Was für Musik hört er denn privat? Klaus Doldinger zögert einen Moment: „Das kann ich so gar nicht sagen. Ich bin offen für vieles. In den 50er-Jahren habe ich mich zum Beispiel schon für elektronische Musik interessiert. Daraus resultierte, dass ich schon relativ früh Synthesizer eingesetzt habe. Die habe ich alle noch zu Hause, den ersten Mini-Moog und wie sie alle heißen.“ Einen allerdings nicht: Der steht derzeit in der Sonderausstellung im Rockmuseum . . .

Klaus Doldingers Offenheit für musikalische Einflüsse, die Neugier auf Neues ist ungebrochen. Das zeigt sich auch in den Kooperationen mit jungen Musikern wie dem Sänger Max Mutzke und dem Rapper Kollegah wie am Samstag in Gronau. Die Kooperation mit dem Rapper hatte viele Passport-Fans denn doch überrascht. Denn Kollegah gilt nicht gerade als zartbesaitet. Warum bietet Doldinger ihm eine Bühne? Der Musiker erinnert an die lange Tradition des rhythmischen Gesangs und der Stimme als Instrument im Jazz. Er zieht eine Linie vom Scatgesang Ella Fitzgeralds bis zum Rap. „Was die Texte Kollegahs mit Jazz zu tun hat, ist eine andere Frage“, gibt er zu. Und dass es durchaus in der Band Diskussionen gegeben hat.

Die Hintergründe für seine Experimentierfreude liegen schon weit zurück. „Offenheit hat mein ganzes Leben bestimmt“, sagt er. Seit er 1947 den Jazz kennenlernte und er sich immer stärker damit identifizierte. Es ist aber auch kein Wunder, dass er fasziniert war: „Ich habe noch Billie Holiday live erlebt und Lionel Hampton, als er zu seiner ersten Tournee nach Deutschland kam.“

Im Konservatorium dagegen war Jazz damals nicht nur verpönt, sondern sogar verboten. Was ihn aber nicht vom Jazzen abhielt. „Für mich war es ein unglaublich reizvolles Erlebnis, etwas Verbotenes zu tun, aber auf der andren Seite auch meinen Mozart zu spielen. Das hat für mich eine Vielschichtigkeit geweckt und pflegen lassen, die mir mein ganzes Leben viel bedeutet hat.“

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