Brand eines Wohncontainers an der Wessumer Straße
Ahauser muss nicht dauerhaft in die Psychiatrie

Ahaus/Münster -

Der Mann aus Ahaus, der im Oktober einen Wohncontainer für Asylbewerber in Brand gesetzt hat, in dem er selbst lebte, wird nicht dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht. Der Mann war wegen seines jahrelangen Drogen- und Alkoholmissbrauchs nicht „steuerungsfähig“.

Donnerstag, 16.05.2019, 18:42 Uhr
Die Feuerwehr hatte den Brand gelöscht. Foto: Kip-Pic

Der Mann aus Ahaus, der im Oktober einen Wohncontainer für Asylbewerber in Brand gesetzt hat, in dem er selbst lebte, wird nicht dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht. Das entschied am Donnerstag das Landgericht in einem Sicherungsverfahren. Es liege keine „Gefahrenprognose“ für zukünftige Straftaten vor. Der 54-Jährige habe „fahrlässig“ eine Iso-Matte oder Bettzeug angezündet, sei zur Tatzeit aber schuldunfähig gewesen.

Der Mann war wegen seines jahrelangen Drogen- und Alkoholmissbrauchs nicht „steuerungsfähig“ und die „Einsichtsfähigkeit“ war möglicherweise aufgehoben, erklärte das Gericht zu seiner Entscheidung. Eine Psychiaterin hatte den 54-Jährigen als seit seiner Jugendzeit an Opiate, Cannabis und Alkohol gewöhnt beschrieben – er leide unter einer substanzbedingten Persönlichkeitsveränderung sowie Wahn und Halluzinationen.

Bei dem Brand war einer der rund 30 Container der kommunalen Einrichtung an der Wessumer Straße ausgebrannt, andere wurden in Mitleidenschaft gezogen. Ein Asylbewerber aus Guinea, der dem 54-Jährigen aus seinem Zimmer half, erlitt eine Rauchvergiftung und wurde im Krankenhaus behandelt. Eine Körperverletzung an dem Afrikaner indes stellte die Strafkammer nicht fest, weil das Bemühen, den Mann aus dem brennenden Raum zu ziehen „heldenhaft war, aber auch unvernünftig“, sagte der Vorsitzende Richter. Der Guineer ist schwer Asthma-krank.

Ein Bewohner der Anlage hatte ausgesagt, dass der 54-Jährige, der als Übergangslösung im Container lebte, von seinem bevorstehenden Selbstmord gesprochen habe und dass nun „alle sterben“ müssten. Das hielt das Gericht für unglaubwürdig. Am Tag der Zeugenbefragung stand der Syrer wegen einer Erkrankung selbst unter Medikamenten.

Der 54-Jährige wird in Zukunft – obwohl er „frei“ sei, wie der Richter erklärte – in einer betreuten Wohnunterkunft in Vreden leben. Die Möglichkeit war vor der Entscheidung der Kammer von den Richtern, der Anwältin des Ahausers und dessen Sozialarbeiter ausgelotet, aber nicht festgelegt worden. Der Mann war zur Zeit des Brandes schwer verwahrlost. Ohne „Essen, Trinken und Medikamente“, so der Richter, würde sich dies womöglich wiederholen.

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