Protest gegen Castor-Transport
Bürgerinitiative fordert Bundesregierung zum Handeln auf

Ahaus -

Einen Verzicht der angekündigten Castortransporte aus dem Forschungsreaktor FRM II in Garching nach Ahaus fordert die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“. Schon Mitte nächsten Jahres sollen die Brennelemente mit speziell gepanzerten Fahrzeugen ins Westmünsterland transportiert werden, wie die TU München jetzt der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigt hat. Das sei Teil der Betriebsgenehmigung von 2003.

Montag, 13.08.2018, 22:23 Uhr

Der Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität München steht in Garching bei München. Foto: dpa

Die Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll in Ahaus“ möchte einen Castor-Transport hierher verhindern. Nach Ansicht der Atomkraftgegner müssten die Betreiber des Forschungsreaktors in Garching für eine geeignete Zwischenlagerung und die Abreicherung des Brennstoffs sorgen. Dabei verweisen sie in ihrer Pressemitteilung auf die Empfehlung des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften von einer Abreicherung auf unter 20 Prozent. Die BI fordert, dass notfalls die Bundesregierung die zuvor genannten Punkte erzwingen müsse.

Brennelemente stammen aus Forschungsreaktoren

Doch die Technische Universität München als Betreiber des Forschungsreaktors und die Bundesregierung sehen das anders. Maren Klein, Pressesprecherin des Bundesumweltministeriums, teilte auf Anfrage mit, dass für Brennelemente aus Forschungsreaktoren, im Gegensatz zu solchen aus Atomkraftwerken, keine standortnahe Zwischenlagerung vorgeschrieben sei.

Auch zu einer Abreicherung der Brennelemente könne die TU München nicht gezwungen werden. „Der Betreiber kann daher von der zuständigen atomrechtlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde des Freistaats Bayern nicht zu solchen Maßnahmen verpflichtet werden“, so die Pressesprecherin.

Vermeintlich waffenfähigs Material

Die Atomkraftgegner zeigen sich besorgt, denn die Brennelemente aus FRM II seien auch nach der Entnahme aus dem Reaktor mit 87 Prozent noch hochangereichert und waffenfähig. „Das Material aus einem einzigen Castor-Behälter würde ausreichen, um mindestens eine, maximal sogar fünf Atombomben vom Hiroshima-Typ herzustellen“, meint Hartmut Liebermann von der BI. Aus diesem Grund fürchtet die BI, dass Ahaus zum Ziel terroristischer Diebesbanden werden könnte, sollten die Castoren kommen.

Ostermärsche: Protest gegen Uran

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    Mit einem Gang zur Uran-Anreicherungsanlage in Gronau sind am Karfreitag die diesjährigen Ostermärsche in Nordrhein-Westfalen gestartet.

    Foto: Caroline Seidel/dpa
  • Zum Auftakt protestierten nach Angaben des Veranstalters rund 250 Atomkraftgegner aus dem Münsterland vor dem Haupttor der Anlage.

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  • Ein Teilnehmer des Ostermarsches 2018 demonstriert mit dem Slogan "Stop Tihange und Doel".

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  • Eine Fahne mit einer Friedenstaube lehnt beim Ostermarsch 2018 vor der Uran-Anreicherungsanlage Urenco an einem Baum.

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  • Am Samstag folgen dann die Ostermärsche in größeren Städten wie Duisburg, Düsseldorf, Köln, Münster und Bonn.

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  • Zur Teilnahme rufen neben anderen Gruppen auch die Gewerkschaften Verdi und die IG Metall auf. Den Abschluss der Ostermärsche in NRW bildet am Montag die letzte Etappe von Bochum nach Dortmund.

    Foto: Caroline Seidel/dpa

Auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur betonten die Bundesregierung wie auch der Betreiber, dass es sich bei den Brennelementen um nicht direkt waffenfähiges Material handle. Um waffenfähig zu werden, müssten sie erst aufbereitet werden. Das könne in Deutschland nicht geschehen, weil es keine entsprechende Anlage gebe.

Mangel an Alternativen

Kritik an der Verwendung des hoch angereicherten Urans gab es schon seit der Inbetriebnahme des Garchinger Forschungsreaktors im Jahr 2004. Der FRM II sollte ursprünglich bis 2010 auf niedrig angereichertes Uran umgerüstet werden. Aus Mangel an Alternativen wurde die Frist um acht Jahre verlängert.

Bis jetzt hat sich die TU München noch nicht gekümmert. Sie behauptet, das hoch angereicherte Uran sei zum Beispiel für die Krebsforschung unverzichtbar und Forscher loben die Möglichkeiten für die Wissenschaft. Das Wissenschaftsministerium teilt laut Agenturmeldung mit, dass eine Umstellung auf niedrig angereichertes Uran „eine weltweit objektiv unmögliche Handlung“ sei.

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