Berliner Fluggesellschaft
Hoffnungsschimmer: Frisches Geld für Germania

Wieder ist eine Berliner Fluggesellschaft in Finanznot. Die Airline Germania versucht, kurzfristig die Liquidität zu sichern - und verbreitet Zuversicht, dass das gelingen kann.

Donnerstag, 10.01.2019, 13:06 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 18:13 Uhr
Die Germania betreibt 37 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs. Foto: Christoph Schmidt

Die wirtschaftlich strauchelnde Fluggesellschaft Germania hat offenbar kurzfristig einen Investor gefunden und erste Zusagen über eine Finanzspritze erhalten. Unternehmenssprecher Lars Wagner bestätigte am Donnerstag ge­genüber unserer Zeitung ei­nen Bericht des Touristik-Magazins „fvw“, wonach Germania-Geschäftsführer und -Alleingesellschafter Karsten Balke am Mittwochabend in einem internen Papier von positiven Entwicklungen berichtet hatte.

„Unsere Gespräche mit potenziellen Investoren, die uns finanziell unterstützen wollen, verlaufen positiv“, hatte Balke in einem Schreiben an die Mitarbeiter erklärt. Erste größere Beträge stünden schon an diesem Donnerstag bereit. Nähere Angaben zu möglichen Geldgebern machte er aber nicht. 

20 Flugziele vom FMO

Am Dienstagabend hatte die Airline Liquiditätspro­bleme öffentlich gemacht. Branchendienste berichteten, dem Unternehmen, das die mit Abstand wichtigste Airline in der Touristik-Sparte des Flughafen Münster/­Osnabrück (FMO) ist, fehlten am Ende des vergangenen Jahres 20 Millionen Eu­ro.

FMO-Chef Rainer Schwarz bestätigte am Donnerstag die Nachricht von einer positiven Entwicklung bei der Berliner Airline. Das habe ihm Balke in mehreren Telefonaten bestätigt. Die Berliner Airline bedient am Flughafen in Greven 20 der insgesamt 27 Ziele und beförderte dort 2018 rund 269.000 Passagiere. Der FMO ist für Germania laut Wagner „ein sehr wichtiger Flughafen“.

Alle Ziele ab FMO

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  • Mit dem Flugzeugs Münsters ungemütlichem Wetter entkommen: Im Winter 2017 / 2018 bietet der FMO 12 Ziele an.

    Mit dem Flugzeugs Münsters ungemütlichem Wetter entkommen: Im Winter 2018 / 2019 bietet der FMO 18 Ziele an.

    Foto: FMO
  • Agadir: Marokkanischen Minztee dürfen Germania-Passagiere mit Reiseziel Marokko nun am Stand von Agadir schlürfen.

    Foto: Manuel Meyer
  • Antalya: Mindestens einmal täglich geht es mit Sun Express in die Sonne der türkischen Stadt.

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Faro: Germania steuert die portugiesische Stadt donnerstags an.

    Foto: dpa
  • Frankfurt: Die Lufthansa fliegt viermal täglich (dreimal täglich samstags) zum Umsteigeklassiker Frankfurt.

    Foto: Boris Roessler/dpa
  • Fuerteventura: Zweimal die Woche - montags und samstags - fliegt Germania nach Fuerteventura.

    Foto: dpa
  • Madeira: Ein Mal in der Woche fliegt Germanwings seine Passagiere nun in Ronaldos schöne Heimat.

    Foto: dpa
  • Gran Canaria: Nach Gran Canaria geht es mittwochs und sonntags, auch mit Germania.

    Foto: dpa
  • Heraklion: Der Flughafen Heraklion auf Kreta wird Zwei Mal pro Woche von Germanwings angeflogen.

    Foto: dpa
  • Hurghada: Germania und Fly-Egypt fliegen jeweils einmal wöchentlich den ägyptischen Badeort Hurghada an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Istanbul: Auch neu auf dem Flugplan steht die türkische Metropole Istanbul mit der beeindruckenden Hagia Sophia.

    Foto: Philipp Laage
  • Lanzarote: Ab dem 7.11. fliegt Germania jeden Dienstag nach Lanzarote.

    Foto: dpa
  • Malaga: Die spanische Stadt wird regelmäßig von Germania angeflogen.

    Foto: dpa
  • München: Rund 30 Mal pro Woche steuert Lufthansa München an - mit mehreren Flügen täglich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mallorca: Gleich drei Fluganbieter sind auf der Strecke in den beliebten Urlaubsort Mallora unterwegs: Germania, Niki und Eurowings. Bis auf dienstags gibt es mindestens einen Flug täglich.

    Foto: dpa
  • Salzburg: Neu auf dem Flugplan steht die österreichische Stadt Salzburg: Seit 1997 ist der historische Kern der Stadt UNESCO Weltkulturerbe.

    Foto: dpa
  • Stuttgart: AIS Airlines verbindet den FMO mit Stuttgart. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gibt es zwei Flüge, freitags einen.

    Foto: Christoph Schmidt/dpa
  • Teneriffa: Jeden Freitag fliegt Germania auf die Kanaren-Insel.

    Foto: Ina Brzoska/dpa
  • Thessaloniki: Germanwings bringt seine Passagiere jeden Freitag in die nordgriechische Stadt an der Küste.

    Foto: Anja und Andree Henschen

Airline-CEO Balke zeigte sich zuversichtlich, die noch ausstehenden Mittel in Kürze ebenfalls sichern zu können. „Das ernsthaft geäußerte Interesse der Investoren stimmt die Geschäftsführung optimistisch, dass Germania weiterhin als unabhängige Fluggesellschaft bestehen kann“, heißt es in dem Schreiben. Trotz akuter Krise gibt es beim Flugbetrieb keinerlei Einschränkungen. Aller Germania-Flüge finden regulär statt.

Dem Luftfahrt-Portal "aerotelegraph.com" (Dienstag) zufolge soll auch ein Verkauf der Gesellschaft erwogen worden sein. Offen ist, ob diese Frage vom Tisch ist. Dem Bericht zufolge brauchte Germania bereits kurz vor dem Jahreswechsel 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können. Germania-Sprecher wollten diese Informationen aber nicht kommentieren.

Potenzielle Investoren

Der Berliner Logistiker Zeitfracht stellte am Donnerstag klar, er habe an einem Einstieg bei Germania kein Interesse. Zu Zeitfracht gehört bereits die deutsche Charter-Fluggesellschaft WDL Aviation. Zeitfracht hatte sich 2017 aus der Insolvenzmasse der Air Berlin den Frachtplatzvermittler Leisure Cargo gesichert, zudem zusammen mit dem Käufer Nayak die Air-Berlin-Technik. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX hatte er 2018 auch ein Auge auf den insolventen Ferienflieger Small Planet geworfen, letztlich aber abgewinkt.

Als potenzielle Investoren für Germania kommen große europäische Luftfahrtkonzerne wie Lufthansa, Ryanair, Easyjet oder die British-Airways-Mutter IAG in Frage. Eine Easyjet-Sprecherin sagte, man wolle die Spekulationen um Germania zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Die Intro-Gruppe des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, die 2017 Interesse an Air Berlin hatte, wollte zum Thema Germania am Mittwoch "keine Auskunft geben".

Vier Millionen Passagiere jährlich

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie betreibt nach eigenen Angaben 37 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs. Außerdem hatte sich das Unternehmen mit Sitz in Berlin den Werksverkehr für den Flugzeugbauer Airbus gesichert. Jährlich fliegen demnach mehr als vier Millionen Passagiere mit Germania. 

Die Fluglinie gehört über eine zwischengeschaltete Beteiligungsgesellschaft komplett ihrem Chef Karsten Balke. Dieser startete Mitte 2016 eine Investitionsoffensive. So orderte Germania auf der Farnborough Airshow bei London 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie und sicherte sich Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe. Die Auslieferungen sollen nach bisherigen Angaben im Jahr 2020 beginnen. Künftig will Germania mit einer reinen Airbus-Flotte unterwegs sein.

Kleine Airlines mit Problemen

Dass das Geld bei der Airline knapp wurde, begründete das Management mit den stark gestiegenen Kerosinpreisen im vergangenen Sommer und der Abwertung des Euro zum US-Dollar. Zudem habe es «erhebliche Verzögerungen» bei der Aufnahme neuer Flugzeuge in die Flotte gegeben, und Germania habe außergewöhnlich viele technische Serviceleistungen bei ihren Flugzeugen in Anspruch nehmen müssen. Die Folge seien «große Belastungen» gewesen.

Den Problemen von Germania gingen in Europa zuletzt eine ganze Reihe von Airline-Pleiten voraus. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und der britischen Fluglinie Monarch 2017 waren im vergangenen Jahr gleich mehrere kleinere Gesellschaften wie Skyworks (Schweiz), VLM (Belgien), Small Planet und Azur Air (Deutschland), Cobalt (Zypern) und die skandinavische Primera Air kollabiert.

Neben gestiegenen Treibstoffkosten machte vielen Airlines 2018 das Flugchaos in Europa zu schaffen. Eine große Zahl von Verspätungen und Flugausfällen zogen Entschädigungen und Ersatzleistungen für die Passagiere nach sich. Der Weltluftfahrtverband IATA schätzt, dass Fluglinien für Entschädigungen europaweit rund zwei Milliarden US-Dollar (knapp 1,8 Mrd Euro) zahlen mussten. Zu den Ursachen zählten Streiks von Fluglotsen in Frankreich, Engpässe an deutschen Flughäfen und die Neusortierung der Luftfahrt-Branche nach der Air-Berlin-Pleite.

 

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