Landeswettbewerb „Jugend forscht“
„Ich glaube, dass es etwas bewirkt“

Leverkusen/Münsterland -

Irgendwann war es Felix Röwekämper einfach zu lästig. Immer, wenn er ein Werkstück im Bohrmaschinenschraubstock fixieren wollte, musste er umständlich an Schrauben drehen und millimeterweise die Position passend fummeln. Dann hat er sich etwas ausgedacht. Sein „Bohrmaschinenschraubstock mit integriertem Aufspannmechanismus“ macht den Arbeitsschritt zum sekundenkurzen Kinderspiel. 

Mittwoch, 21.03.2018, 18:30 Uhr

Wieso fliegen Plastikbecher Kurven, wenn man sie aneinander klebt und mit einem Gummiband durch den Raum flitscht? Simon Hillebrandt (Gymnasium St. Mauritz Münster) hat es rausgefunden. Oben rechts: Ein Feuerwehrhelm mit Sensoren und Wärmebildkamera. Foto: Gunnar A. Pier

Eine Idee, die begeistert: Am Mittwochabend gewann er beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ den ersten Preis in der Kategorie Arbeitswelt und dazu den „Sonderpreis Unternehmertum“.

46 Projekte, auf die Beine gestellt von 82 Menschen aus Nordrhein-Westfalen zwischen zwölf und 22 Jahren, hatten sich für den Landeswettbewerb „Jugend forscht“ qualifiziert. Von Montag bis Mittwoch präsentierten die Nachwuchs-Wissenschaftler ihre Arbeiten in Leverkusen, am Mittwochabend wurden die Besten ausgezeichnet.

Neue Idee für Rettungsgassen-Bildung

Die Beiträge waren denkbar unterschiedlich – und der Laie findet nicht zu allen direkt Zugang. Wenn Ngân-Hà Stella Lê (17) aus Münster erklärt, wie sie „die Einflüsse einer veränderten Magnesium- und Kaliumionenkonzentration im Gehirnliquor auf das Feldpotenzial im CA1-Bereich des Hippocampus mit Bezug auf die Epilepsie und Migräne“ untersucht hat, versteht mancher Nicht-Neurologe nur noch Bahnhof.

Preisträger aus dem Münsterland

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    Felix Röwekämper aus Ibbenbüren bekam gleich zwei Preise für seine Erfindung, die es erleichtert, Werkstücke mit einem Schraubstock unter einer Bohrmaschine zu fixieren. Sollte die Idee auf den Markt kommen, profitiert Röwekämper selbst: Er ist Industriemechaniker.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Simon Hillebrandt vom Gymnasium St. Mauritz in Münster ist einem kuriosen Phänomen  auf die Schliche gekommen: Er hat zwei Plastikbecher aneinander geklebt und mit einem Gummiband durch den Raum geflitscht. Warum die Becher komische Kurven fliegen, hat er untersucht – Sieger im Bereich Physik.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Beke Pierick (Reken), Timon Gronotte (Borken), Aron Haselhoff und Vicky Bietenbeck (Borken, von links), saßen zum Doppelkopf zusammen, als Haselhoff aufsprang und losmusste: ER ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, und es brannte. Als das Feuer gelöscht war, kam er wieder in die Runde und berichtete von den Problemen, sich im verrauchten Gebäude zu orientieren. Die Freunde beschlossen, technische Abhilfe zu entwickeln. Mit ihrem aufgemotzten Helm inklusive Wärmebildkamera, Sensoren und Head-up-Display gewannen sie beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" in Leverkusen des Sonderpreis in der Kategorie Elektrostatik, Elektrotechnik und Mikroelektronik.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mikis Wöhrmann legt drei Finger auf die Saiten seiner Gitarre und schlägt einen Akkord. "Dm" erscheint auf dem Monitor, richtig: "D-Moll". Den Akkord zu erkennen, hat sich der Computer selbst beigebracht - dank der Arbeit des 17-jährigen Schülers am Goethe-Gymnasium. Mit seinem Projekt hat er beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" in Leverkusen den zweiten Preis in der Kategorie Mathematik/Informatik erreicht.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Erik Holzhäuser (links) und Georg Trede vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Münster haben Straßenlaternen mit Sensor entwickelt, die nur dann leuchten, wenn jemand auf der Straße ist. Sonderpreis Umwelt und einem Forschungspraktikum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Christoph Dumstorf und Lars Zeggelaar vom Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium haben für ihren Beitrag Gewässer in den Rieselfeldern untersucht und herausgefunden, dass sie Mikroplastik enthalten. Darauf aufbauen ließe sich nun die Untersuchung, wo die Stoffe herkommen. Für ihren Nachweis bekamen sie einen Sonderpreis.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Carolin Wegmann (17) vom Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium in Telgte. Unter der Überschrift „Kognition durch Koordination?“ ist sie der Frage auf den Grund gegangen, wie sich mit Bewegung das Kurzzeitgedächtnis von Alzheimer-Patienten verbessern lässt – Platz zwei in der Kategorie Biologie.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ngân-Hà Stella Lê hat „Die Einflüsse einer veränderten Magnesium- und Kaliumionenkonzentration im Gehirnliquor auf das Feldpotential im CA1-Bereich des Hippocampus mit Bezug auf die Epilepsie und Migräne“ untersucht. Dritter Plaz in der Kategorie Biologie.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Christian Sadowski (links) und Jan-Hendrik Pielke vom Berufskolleg Rheine haben das "ERA - Emergency Radio Assistant" entwickelt. Es soll es Einsatzkräften ermöglichen, Autoradios in der Umgebung anzusteuern. Dazu haben sie einen Blaulichtbalken mit einer mobilen Radioeinheit ausgerüstet. So können beispielsweise Polizisten im Stau durch die Autoradios um sie herum zu den Fahrern sprechen und beispielsweise um die Bildung einer Rettungsgasse bitten. Dafür gab es einen Sonderpreis.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Hannah Boß vom Gymnasium Augustinianum ist mit ihrer Arbeit „Toroidale Planeten – eine Möglichkeit?“ ist sie der Frage nachgegangen, ob es theoretisch Donut-förmige Planeten geben könnte. Ihre Antwort: Im Prinzip ja – aber sie sind sehr unwahrscheinlich. Der Lohn: Platz zwei in der Kategorie Physik.

    Foto: Gunnar A. Pier

Die Funktionsweise der Idee von Jan-Hendrik Pielke und Christian Sadowski vom Berufskolleg Rheine leuchtet jedoch gleich ein: Sie haben ein Blaulicht so umgerüstet, dass man mit ihm Autoradios in der Umgebung ansteuern kann. So könnte im Stau plötzlich statt Musik die Aufforderung zur Bildung einer Rettungsgasse aus den Boxen tönen. Die Feuerwehr in Rheine ist bereits Feuer und Flamme.

Einen Feuerwehrhelm mit Sensoren und Wärmebildkamera entwickelten Schüler aus Borken.

Einen Feuerwehrhelm mit Sensoren und Wärmebildkamera entwickelten Schüler aus Borken. Foto: Gunnar A. Pier

Vielversprechende Ansätze 

Gewissermaßen aus einer Bierlaune heraus entstanden ist die Erfindung von Beke Pierick, Timon Gronotte und Vicky Bietenbeck (Berufskolleg Borken): Sie haben einen Feuerwehrhelm mit Wärmebildkamera, Sensoren und Head-up-Display aufgemotzt, damit Einsatzkräfte sich auch in verrauchten Räumen orientieren können. Auf die Idee kamen sie, weil ihr Kumpel Aron Haselhoff einen Doppelkopf-Abend für einen Feuerwehreinsatz verlassen musste und anschließend von den Problemen berichtete.

Wie sich mit gezielt eingesetzter Bewegung das Kurzzeitgedächtnis von Alzheimer-Patienten verbessern lässt, wollte Carolin Wegmann aus Telgte wissen. Sie fand vielversprechende Ansätze und will weiter daran arbeiten: „Ich glaube daran, dass es etwas bewirkt!“

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