Wilsberg
Alle mal stillhalten: Thomas Kost ist Standfotograf

Münster -

Beim Film rufen sie gerne „Und Action!“ Aber wenn Thomas Kost kommt, müssen alle mal stillhalten. Dann friert selbst Leonard Lansink sein trotteliges „Wilsberg“-Gesicht ein und wartet, bis Kost sein Bild im Kasten hat. Thomas Kost ist Standfotograf: Er macht die Fotos, die hinterher in Pro grammzeitschriften und auch in unserer Zeitung für den Film werben.

Dienstag, 31.10.2017, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 31.10.2017, 11:00 Uhr
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) bläst den Staub vom Tresen im Antiquariat, Thomas Kost hält die Szene im Bild fest: Der 50-Jährige ist Standfotograf beim Fernsehen. Foto: Gunnar A. Pier

Ein Tag im Oktober am Antiquariat Solder im Schatten der münsterischen Überwasserkirche. Dass hier gerade Szenen für den nächsten „ Wilsberg“-TV-Krimi gedreht werden, erkennen die Passanten nicht nur daran, dass das Namensschild über der Eingangstür ausgewechselt wurde: Auf dem Bürgersteig stehen Scheinwerfer und Mo­nitore und wartende Filmschaffende mit dicken Jacken. Zwischen ihnen: Thomas Kost.

Wenn Medien neue Filme ankündigen, brauchen sie dafür Fotos. Und die werden keineswegs mal eben vom Fernseher abfotografiert oder aus dem Film herauskopiert. Die Qualität würde nicht genügen. Deshalb sind Fotografen am Set, die das fotografieren, was auch im Film zu sehen sein wird.

Szene-Bilder von Wilsberg-Dreharbeiten

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  • Junggesellenabschied in der Folge „In Treu und Glauben“ (2016) mit (v.l.) Trauzeuge Wilsberg (Leonard Lansink), Junggeselle Ekki (Oliver Korittke), Overbeck (Roland Jankowsky) und Ekkis Chef Grabowski (Vittorio Alfieri).

    Junggesellenabschied in der Folge „In Treu und Glauben“ (2016) mit (v.l.) Trauzeuge Wilsberg (Leonard Lansink), Junggeselle Ekki (Oliver Korittke), Overbeck (Roland Jankowsky) und Ekkis Chef Grabowski (Vittorio Alfieri).

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Szene aus der Folge „Gegen den Strom" (2013) mit Overbeck (Roland Jankowsky, hinten l.) Anna Springer (Rita Russek) Ekki (Oliver Korittke) Wilsberg (Leonard Lansink).

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Szenenfoto aus "Gefahr in Verzug" (2010): Overbeck (Roland Jankowsky) gibt der Reporterin des Lokalfernsehens (Nazan Gökdemir) ein Interview.

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Folge „Hengstparade (2013): Ekki (Oliver Korittke) bandelt mit der attraktiven Leonie (Julia Kelz) bei einem Fortbildungsseminar zum Thema "Sexismus im Büroalltag" an.

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Folge „Hengstparade (2013) mit Nikola Füsting (Susanna Simon, r.) will Wilsberg (Leonard Lansink, 2.v.l.), Ekki (Oliver Korittke) und Alex (Ina Paule Klink) von ihrem Gestüt jagen.

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Folge „Die Bielefeld-Verschwörung“ (2012) in alter Besetzung mit Manni (Heinrich Schafmeister, r.), Wilsberg (Leonard Lansink, M.) und Ekki (Oliver Korittke), die einen Verdächtigen während einer Beerdigung beschatten.

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Folge „Treuetest“ (2013): Alex (Ina Paule Klink) stellt Wilsberg (Leonard Lansink, Mi.) ihrem neuen Freund Jan Faber (Roman Knizka) vor.

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Szenenfoto aus dem Film "Gefahr in Verzug" (2010): Einige Szenen wurden am Newsdesk der Westfälischen Nachrichten gedreht. Der zwielichtige Journalist Ingo Peters (Thomas Dannemann, r.) leugnet die Bekannschaft mit einer Ermordeten. Wilsberg (Leonard Lansink, l.) wird Zeuge seiner Verhaftung.

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Aus der Folge „Bauch, Beine, Po“ (2015): Georg Wilsberg (Leonard Lansink) mit Dr. Dorith Magunsky (Rebecca Immanuel).

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Ein Gepsräch zwischen Georg Wilsberg (Leonard Lansink, l.) Sonja Conrad (Jasmin Lord) und Ekki (Oliver Korittke) in der Folge „90-60-90“.

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Ertappt in der Folge „Essen auf Rädern" (2013 - v.l.): Marvin Berg (Vladimir Burlakov), Alex (Ina Paule Klink), Ekki (Oliver Korittke), Georg Wilsberg (Leonard Lansink) und Overbeck (Roland Jankowsky).

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Folge „Nackt im Netz“ (2014): Alex (Ina Paule Klink) hat ein pikantes Problem, bei der Unterredung mit Wilsberg (Leonard Lansink, Mi.) will sie Ekki (Oliver Korittke) nicht dabei haben.

    Foto: Thomas Kost (ZDF)
  • Folge „Misswahl“ (2007): Wilsberg (Leonard Lansink) mit den Teilnehmerinnen der Misswahl, flankiert von den Gegenspielerinnen Margo (r. Katja Rosin) und Rebecca (l. Vijessna Ferkic).

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Folge "Tote Hose"(2011): In dieser Szene bedankt sich Overbeck (Roland Jankowsky, li.) kleinlaut bei Wilsberg (Leonard Lansink).

    Foto: ZDF / Thomas Kost
  • Krisensitzung in der Folge „Filmriss“ (2008): Steuerprüfer Ekki Talkötter (Oliver Korittke, l.) sitzt in U-Haft. Er soll im Vollrausch eine Prostituierte umgebracht haben. Detektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink, M.) und Ekkis Anwalt Markus Faber (Philipp Moog) überlegen, was zu tun ist.

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Szenenfoto aus „Gefahr in Verzug" (2010) mit Alex (Ina Paule Klink) und Wilsberg (Leonard Lansink).

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Gruppenbild aus „Gefahr in Verzug" (2010 ) mit (v.l.) Ekki Talkötter (Oliver Korittke), Georg Wilsberg (Leonard Lansink), Anna Springer (Rita Russek) und Alex Holtkamp (Ina Paule Klink).

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Overbeck (Roland Jankowsky) ist in „Gefahr in Verzug" (2010) ganz in seinem Element: Er will Johanna Landau (Finja Martens), die Tochter seines obersten Chefs, mit seinem Wissen beeindrucken.

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Wilsberg (Leonard Lansink) konfrontiert einen Zeugen in „Gefahr in Verzug" (2010) mit seinen Ermittlungsergebnissen.

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Szene aus „Mundtot" (2014) mit Ekki (Oliver Korittke, l.), Anna Springer (Rita Russek, M.) und Overbeck (Roland Jankowsky).

    Foto: Thomas Kost / ZDF
  • Folge „Mord und Beton“ (2016): Georg Wilsberg (Leonard Lansink) unter falscher Identität als finanzstarker Investor.

    Foto: Thomas Kost/ZDF
  • In der Folge „Mundtot“ (2014) nimmt Overbeck (Roland Jankowsky, 2.v.l.) Ekki (Oliver Korittke) fest.

    Foto: Thomas Kost / ZDF

Als Regisseur Martin Enlen sein Okay gibt, lässt Aufnahmeleiter Colin Bennett kurz den Verkehr anhalten. „Wir drehen“, schallt es aus den Funkgeräten. Für gut eine Minute herrscht gespannte Ruhe an der Straßenecke, denn im kleinen Antiquariat läuft die Aufnahme. Wilsberg spricht mit zwei weiteren Figuren.

Fotografieren, was der Regisseur sich gedacht hat

Nur ganz wenige Beteiligte drängen sich drinnen – alle anderen verfolgen draußen am Monitor live, was drinnen geschieht.

Schnelles Foto im „Wilsberg“-Antiquariat: Standbild-Fotograf Thomas Kost zwängt sich in die Nische, in der eben noch die Filmkamera stand, und fotografiert die Szene mit Leonard Lansink und zwei weiteren Darsteller. Das Bild erscheint später vielleicht in Fernsehzeitschriften – oder unserer Zeitung. Warten auf dem Bürgersteig: Auf einem kleinen Monitor verfolgt Kost, was gerade im Antiquariat gedreht wird.

Schnelles Foto im „Wilsberg“-Antiquariat: Standbild-Fotograf Thomas Kost zwängt sich in die Nische, in der eben noch die Filmkamera stand, und fotografiert die Szene mit Leonard Lansink und zwei weiteren Darsteller. Das Bild erscheint später vielleicht in Fernsehzeitschriften – oder unserer Zeitung. Warten auf dem Bürgersteig: Auf einem kleinen Monitor verfolgt Kost, was gerade im Antiquariat gedreht wird. Foto: Gunnar A. Pier

Als der „Take“ im Kasten ist, meldet Thomas Kost: Die Szene eignet sich für ein Fo­to. Also räumen Kameramann und Kollegen den kleinen Raum, Kost zwängt sich in die Ecke, in der gerade die Filmkamera stand, und fotografiert die Szene.

„Mein kreativer Beitrag hält sich in Grenzen“, gesteht der 50-Jährige. Grundsätzlich soll er ja das fotografieren, was sich der Regisseur ausgedacht hat.

Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten

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  • Thomas Kost, der Set-Fotograf bei Wilsberg-Dreharbeiten, im Kreise der Kollegen.

    Thomas Kost, der Set-Fotograf bei Wilsberg-Dreharbeiten, im Kreise der Kollegen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Oktober 2017 war das Drehteam mit dem Standbild-Fotografen Thomas Kost wieder in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gedreht - und natürlich auch fotografiert - wurde im stadtbekannten Antiquariat in der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gedreht wurde parallel für die beiden Wilsberg-Folgen "Mörderische Rendite" und "Müll ist immer".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Es folgen weitere Impressionen vom Set und dem Einsatz des Fotografen....

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit Set-Fotograf Thomas Kost bei Wilsberg-Dreharbeiten Foto: Gunnar A. Pier

Und doch ist es mehr als Knipserei. Denn die Aufgabe des Set-Fotografen ist es, die bewegte Szene in ein stehendes Bild zu übersetzen. Im Fernsehen sind die Darsteller mal zusammen, mal abwechselnd zu sehen. Sie wenden sich einander zu, drehen sich weg, schauen sich an, dann runter und zur Seite. Für das Foto muss all das, was eine vielleicht eine Minute dauernde Szene ausmacht, in einem Bild eingefangen werden. Deshalb inszeniert Kost nach. „Das sind ja Schauspieler, die können das einfach abrufen.“

Fotos wichtig für den Erfolg

Da ist es gut, wenn man Erfahrung hat. Und die hat Thomas Kost. Der Kölner hat schon alleine über 50 „Wils berg“-Filme fotografiert, wird außerdem oft für „Tatort“- Drehs gebucht. Meistens braucht er für ein Bild nur eine halbe Minute. „Ich ar­beite sehr schnell“, sagt er.

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Das verdankt er seiner früheren Arbeit als Reportage-Fotograf. Schon kurz nach dem Abi packte ihn die Fotografie, nach der Wende reiste er so oft es ging in den Osten und dokumentierte die neue Welt. Dann studierte er Fotodesign, arbeitete für Magazine, Zeitungen und Foto-Agenturen.

Durch Zufall kam er zur Set-Fotografie – und blieb. „Es ist viel einfacher als früher“, sagt er. Ihm helfen ein gewisses Standing, die Tatsache, dass er die meisten Kollegen lange kennt – und die Gewissheit: Die Schauspieler wissen, wie wichtig seine Fotos für den Erfolg der Produktion sind.

„Schön ist, wenn ein Bild eine Geschichte erzählt“, erklärt er seinen Anspruch. Wenn man sieht: Da geschieht etwas zwischen den abgebildeten Personen. Denn dann sieht man auch auf einem Foto das: „Action“.

„Wilsberg“-Dreh in Münster

Die Samstagskrimis um den münsterischen Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink) sind ein Quotengarant für das ZDF. Deshalb läuft die Serie bereits seit vielen Jahren. Derzeit dreht das Team zeitgleich die Folgen „Mörderische Rendite“ und „Müll ist immer“, die im kommenden Jahr zu sehen sein sollen.

Anders als beim „Tatort“ werden tatsächlich die meisten Szenen in Münster gedreht. So gibt es das Antiquariat, vor dem und in dem viele Szenen spielen, tatsächlich. Doch es heißt nicht Wilsberg, sondern Solder.

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