Forscher aus Münster
Mit dem Nebel stimmt was nicht

Münster -

Auch wenn es morgens im Münsterland derzeit anders aussieht: Mit dem Ne­bel stimmt was nicht. Er ist weltweit auf dem Rückzug. Klimaforscher und Meteorologen beobachten das Phänomen schon seit Jahren. Woran es liegt, haben sie bisher aber nicht herausgefunden. Doch ein Wissenschaftler aus Münster ist dem Nebelschwund auf der Spur . . .

Donnerstag, 05.11.2015, 15:11 Uhr

Forscher aus Münster : Mit dem Nebel stimmt was nicht
Nebel im Münsterland ist gar nicht so selten. In anderen Regionen der Erde hat sich die Anzahl der Nebeltage inzwischen halbiert, hat Prof. Klemm ermittelt. Foto: Gunnar A. Pier / Jürgen Peperhowe, Montage: gap

Der münsterische Klimatologe Prof. Otto Klemm gehört zur kleinen Gemeinde von weltweit rund 300 Nebelforschern. Mit seinem Kollegen Prof. Neg-Huei Lin vonder Taiwan National Central University machte er sich in diesem Jahr auf, nach Antworten zu suchen. Was die beiden herausfanden, hört sich zunächst nicht allzu spektakulär an, hat es aber in sich. Verantwortlich dafür, dass sich die wabernden Schwaden rar und dünne machen, „sind vermutlich der Klimawandel und der Rückgang der Luftverschmutzung“.

Die schönsten Nebel-Fotos

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  • 110922-019

    Häufig im Nebel verschwunden: Die golden Gate Bridge in San Francisco.

    Foto: Gunnar A. Pier
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    Foto: Ralf Hoge
  • Foto: Jan Hullmann
  • Nebel am Aasee

    Foto: Jan Hullmann
  • Nebel an der Mecklenbecker Straße

    Foto: Jan Hullmann
  • Nebel am Haus Kump

    Foto: Jan Hullmann
  • Auch das gehört zum Wetterphänomen Nebel: Er ist häufig Ursache für Verkehrsunfälle.

    Foto: dpa
  • Nebel über Hollich

    Foto: Axel Roll
  • Nebel über den münsterischen Rieselfeldern.

    Foto: Oliver Werner
  • Zwei Krähen fliegen bei Horben im Schwarzwald über ein nebelverhangenes Tal.

    Foto: dpa
  • Im Nebel verschwunden: Die Golden Gate Bridge in San Francisco.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die illuminierte Möhnetalsperre im dichten Nebel.

    Foto: dpa
  • Nur die Spitzen vom Hausmannsturm des Schlosses (links) und der katholischen Hofkirche in Dresden ragen aus dichtem Nebel heraus.

    Foto: dpa
  • Nebel in Ehra-Lessien im Landkreis Gifhorn (Niedersachsen).

    Foto: dpa
  • Für Nebel berühmt: London, hier die Toier Bridge.

    Foto: dpa
  • Nebel im Münsterland.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nebel im Münsterland.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nebel im Münsterland.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Wieso Nebel entsteht

In diesem Sommer kam ihm die Erkenntnis, der 56 Jahre alte Professor für Klimatologie an der Uni Münster forschte gerade in Taiwan. „Dort gibt es an einigen Standorten über 300 Nebeltage pro Jahr“, sagt er. Vielleicht hat ihn die Intensität dieses Ereignisses dazu animiert, sich dem Geheimnis des schwindenden Nebels in­tensiver zu widmen. Die Forscher trugen jedenfalls alles zusammen, was sich mit der Nebelhäufigkeit und -in­tensität befasst. Dabei gingen sie zunächst einen Umweg, derart, dass sie zuerst zu verstehen suchten, wieso Nebel entsteht, wo – und wo eben nicht.

Klemm holt aus: „ Nebel sind Wolken mit Bodenkontakt “, sagt er. Vereinfacht gesagt, bildet er sich, wenn sich Luftschichten nahe der Erd oberfläche abkühlen, die Luft feucht und es windstill ist. Dann kondensiert irgendwann der Wasserdampf, weil kalte Luft nun einmal weni ger Wasser aufnehmen kann als warme. Was sich so simpel anhört, ist in der Wirklichkeit ein kompliziertes Ge­flecht verschiedener Mechanismen, die längst noch nicht alle erforscht sind.

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Malerisch: Nebel als Kulisse für einen Spaziergang im Münsterland. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Einfluss wärmerer Luft

Wärmere Luft sorgt dage­gen nicht nur dafür, dass sich Nebel auflöst. Wärmere Luft ist auch dafür verantwortlich, dass er sich nicht so stark ausprägt. Die Forscher fanden heraus, dass eine Erhöhung der Temperatur um 0,1 Grad Celsius die Sichtweite um denselben Be­trag verbessern kann, heißt: Nebel ist dann weniger dicht. Eine Verringerung der Luftschadstoffkonzentration um zehn Prozent hat denselben Effekt. „Wird der Schadstoffausstoß reduziert, nimmt die Konzentration an Feinstaubpartikeln in der Luft ab, an denen das Wasser kondensiert“, erklärt Klemm.

In São Paulo hat sich die Zahl der Nebeltage von rund 145 pro Jahr in den 1950er Jahren auf zirka 70 halbiert. In Los Angeles nahm die Zahl im selben Zeitraum von 200 auf 30 ab. Auch in China ist der Nebel seit den 1990er Jahren auf dem Rückzug.

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Klimatologe Prof. Otto Klemm. Foto: Jürgen Peperhowe

All das hat Folgen, weil der Nebel für einige Ökosysteme wichtig ist. „Es gibt Pflanzenarten und ganze Öko systeme, die von ihm abhängig sind“, sagt der Klimatologe.

Es bleibt nebulös

Auch wenn Klemm dem Nebel ein weiteres Geheimnis entlockt hat: Er bleibt auch weiterhin genauso nebulös, wie er aussieht. Mit einem Spektrometer hat der Forscher unlängst etwas gemessen, das Nebeltropfengrößenverteilung heißt. „Vor ein paar Jahren war so etwas noch gar nicht möglich“, sagt er. Dabei stellte er fest, dass das Phänomen Nebel „viel komplizierter ist, als wir alle dachten.“ Physikalische Prozesse liefen bei der Bildung in anderen Höhen ab als vermutet, die Bedeutung der aufgehenden Sonne sei anders als angenommen. Hoch kompliziert sei das, sagt er. Viel zu komplex, um es auf die Schnelle zu erklären.

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