Coppenrath & Wiese - ein appetitlicher Happen zum Verkauf
Cowi-Arbeitsplätze und Standort sollen gesichert werden

Mettingen - (UPDATE 19:15 Uhr). Die Familie Coppenrath hat entschieden. Sie will das Traditionsunternehmen Coppenrath & Wiese in Mettingen und Osnabrück verkaufen. Wie es heißt, spielen Sicherheit der Arbeitsplätze und des Standorts bei der Käuferwahl eine wichtige Rolle.

Mittwoch, 25.06.2014, 10:06 Uhr

Mettingen . Spekulationen gab es schon Anfang des Monats Mai. Jetzt, Ende Juni, werden Tatsachen daraus: Coppenrath & Wiese, europaweit der größte Hersteller von Tiefkühl-Torten und -Backwaren, wird verkauft.

Welcher Konzern das kerngesunde Familien-Unternehmen übernehmen wird, steht noch nicht fest. „Wir werden mit einem kleinen Kreis ausgesuchter Investoren Verhandlungen führen“, sagt Cowi-Geschäftsführer Andreas Wallmeier (51) im Gespräch mit unserer Zeitung. Namen nennt er nicht. Preise auch nicht.

Aber: Es ist ein großes Geschäft. Es geht um 400 Millionen-Euro Jahresumsatz.

Die endgültige Entscheidung ist am Montag dieser Woche bei einer Gesellschafterversammlung in Osnabrück gefallen: Brigitte Coppenrath, Witwe des 2013 gestorbenen Gründers Aloys Coppenrath, und die drei Kinder Rolf und Jens Coppenrath sowie Tochter Anne Ramm, tagten hinter verschlossenen Türen. Offenbar konnte dabei keine Lösung gefunden werden für den von Anne Ramm gewünschten Ausstieg aus dem Familienunternehmen.

Konsequenz: „Die vier Gesellschafter haben sich einstimmig auf einen Verkauf geeinigt“, sagt Andreas Wallmeier.Bei den nun anstehenden Verhandlungen über die Veräußerung „wird es auf Wunsch der Gesellschafter von zentraler Bedeutung sein, eine Absicherung der Mitarbeiter zu erreichen und die positive Firmenkultur zu erhalten“, blickt Wallmeier in die Zukunft.

Traditionell pflegen die Cowi-Mitarbeiter, Betriebsrat , Chefetage, Eigentümer und Gewerkschaft ein gedeihliches und konstruktives Miteinander im Unternehmen.Ob das so bleibt, wird vom Käufer abhängen.

Die großen Lebensmittel-Konzerne Oetker und Nestlé waren bereits als interessierte Kandidaten genannt worden. „Nur keine Heuschrecke“, Karl-Heinz Hukriede , Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates bei Coppenrath & Wiese, macht keinen Hehl daraus, dass ein reiner Finanzinvestor nicht willkommen ist bei den über 2200 Mitarbeitern (1900 am Produktions-Standort in Mettingen, 350 am Logistik-Standort in Osnabrück-Atter).

Die Absicherung der Arbeitsplätze und der beiden Standorte ist für den Betriebsrat das Hauptziel beim Firmen-Verkauf.Der soll jetzt schnell über die Bühne gebracht werden: Geschäftsführer Wallmeier betont, dass eine „Hängepartie“ nicht gewünscht ist: „Die Transaktion soll kurzfristig abgeschlossen werden.“

Welche Auswirkungen der Verkauf von Coppenrath  & Wiese hat, ist völlig offen: Jüngst erst wurde darüber nachgedacht, dem stetigen Wachstum des Unternehmens Rechnung zu tragen und die 100 000 Quadratmeter großen Produktionsflächen um 20 000 Quadratmeter zu erweitern. Ob diese Pläne Bestand haben, wird der neue Eigentümer entscheiden.

Marktinsider spekulieren seit längerem, dass der Bielefelder Konkurrent Dr. Oetker oder der Lebensmittelkonzern Nestlé zum denkbaren Kreis der Käufer gehören. In den beiden Unternehmenszentralen gaben sich die Sprecher allerdings bedeckt. „Marktgerüchte kommentieren wir nicht“, hieß es am Mittwoch aus den Pressestellen übereinstimmend. Zumindest der Oetker-Konzern denkt aber dank voller Kassen und geringer Schulden durchaus an Zukäufe, hatte Finanzchef Albert Christmann noch vergangene Woche bei der Bilanz-Pk erklärt.

Ein attraktiver Übernahmekandidat wäre das Familienunternehmen aus der Nachbarstadt Osnabrück allemal, zumal die Tiefkühlbranche ständig wächst: Im vergangenen Jahr legten die Hersteller um 3,3 Prozent auf einen Gesamtumsatz von 12,4 Milliarden Euro zu, sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstituts, Sabine Eichner.

Der Prokopf-Verbrauch an Tiefkühlware lag im Vorjahr bei 41,6 Kilo, auch hier geht die Tendenz weiter nach oben.

Muss man sich bei Cowi Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen? Betriebsratschef Hukriede sagt: „Nein!“ Ebenso deutlich ist Antwort Nummer zwei: Muss man sich Sorgen machen um die Standorte Mettingen und Osnabrück-Atter? „Noch mal Nein“, sagt der Betriebsratschef.

Und er zählt auf, worum es bei den Verkaufs-Verhandlungen noch gehen wird: Haustarif, Betriebsrat, Betriebsvereinbarungen und die betriebliche Altersversorgung erhalten. „Und die Geschäftsführung soll ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen können“, fordert Betriebsrat Hukriede. Sie können eben gut miteinander bei Cowi. Es ist wohl – auch – das Geheimnis des Erfolges.

Übrigens: Noch im Monat Mai dieses Jahres war ein Verkauf von Cowi in das Reich der Sage verwiesen worden. Cowi sollte ein reines Familien-Unternehmen bleiben, so hieß es auch noch bei der jüngsten Betriebsversammlung im März 2014. Das hat sich nun innerhalb weniger Wochen um 180 Grad gedreht: 

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