Verkürzte Eucharistiefeier
Ein persönliches Dilemma

Münster-Wolbeck -

Der Wortgottesdienst, den die kfd-Frauen St. Nikolaus im Rahmen der Streikaktion „Maria 2.0“ am Sonntag (12. Mai) auf dem Kirchplatz vor der St. Nikolaus-Kirche abhalten werden, hat Pfarrer Jörg Hagemann vor ein Problem gestellt.

Freitag, 10.05.2019, 21:00 Uhr
Pfarrer Jörg Hagemann wünscht sich eine theologische Resonanz auf die Streik-Aktion Maria 2.0. Foto: isa

Der Wortgottesdienst, den die kfd-Frauen St. Nikolaus im Rahmen der Streikaktion „Maria 2.0“ am Sonntag (12. Mai) auf dem Kirchplatz vor der St.-Nikolaus-Kirche abhalten werden, hat Pfarrer Jörg Hagemann vor ein Problem gestellt.

„Mein persönliches Dilemma besteht in meiner Aufgabe, die sonntägliche Eucharistie mit der Pfarrei zu feiern und meiner klaren Position für die Anliegen und Forderungen der Aktion Maria 2.0“, sagt Hagemann, der auch Stadtdechant ist. Er werde deshalb als Person Jörg Hagemann am Wortgottes der Frauen und Männer vor der St.-Nikolaus-Kirche teilnehmen. „Ich werde dort sicher nicht plötzlich den Schlusssegen sprechen“, betont er. Im Anschluss werde er die Eucharistie in schlichter Form in der Kirche feiern. Es werde aber kein Wortgottesdienst sein. Er wisse von Kollegen, die ganz normal die Messe feierten, andere ließen die Kirchtüren offenstehen.

Die unumgängliche Wartezeit für diejenigen, die von einem pünktlichen Beginn der Eucharistiefeier um 11.30 ausgegangen waren, werde Thorsten Schwarte mit Orgelmusik überbrücken.

Nein, die kfd-Frauen hätten nichts dagegen gehabt, dass er an dem Wortgottesdienst teilnehme. Es habe auch keine Zusammenarbeit mit der kfd gegeben. „Es ist ganz wesentlich, dass die Frauen die Sache eigenständig machen“, sagt er. Er habe schon relativ früh von der Aktion der engagierten Frauen von der Kirchengemeinde Heilig Kreuz Münster gehört, sagt er, insbesondere über die sozialen Netze im Internet sei da sehr viel gelaufen.

„Für mich war von Anfang an klar, dass ich diese Aktion unterstützen werde“, erklärt Hagemann, die ihren Schwerpunkt im Bistum Münster hat, die aber mittlerweile über Deutschlands Grenzen hinaus auf große Resonanz gestoßen ist. Ein Erfolg, der abzusehen war? Dass Unmut und Verärgerung bei vielen katholischen Frauen über die überholten, hierarchischen Strukturen herrsche, sei seit langem bekannt.

Und natürlich sei auch die Unmöglichkeit, Pfarrer zu werden, schon lange von den Frauen angegriffen worden, was er aus theologischer Sicht nachvollziehen könne. „Wenn eine Frau wahrnimmt, dass sie sich von Gott berufen fühlt und dies nicht umsetzen kann, wie jeder Mann es könnte, dann ist es unausweichlich, dass sie mit Unverständnis reagiert“, erläutert Hagemann seine Sichtweise.

Für ihn ist es auch keine Frage, dass er auf der Seite der Frauen steht, wenn es um die zahlreichen, skandalösen Missbrauchsfälle geht und deren bisheriger unzulänglichen gerichtlichen Aufarbeitung.

„Ich wünsche mir, dass die Aktion eine theologische Resonanz hat“, sagt Hagemann. Nicht nur in Bezug auf die hierarischen Strukturen.

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