Unfallprävention an den Kitas Lauheide und Regenbogen
Keine Angst vorm Rettungswagen

Münster-Wolbeck -

Oh nein! Der Kita-Erzieher ist vom Baum gefallen. Die Vorschulkinder der Kita Regenbogen und Lauheide sollen einen Rettungswagen rufen. Zum Glück ist das nur eine Übung – doch als ein echter Rettungswagen anrollt, zucken einige Kinder dennoch kurz zusammen.

Dienstag, 07.05.2019, 19:34 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 19:40 Uhr
Mit der halbautomatischen Krankenliege können Patienten ohne Mühe in den Rettungswagen geschoben werden – besonders praktisch bei schwereren Patienten. Das Vorschulkind Paula hatte jedoch auch eine Menge Freude daran. Foto: mlü

„Ich glaube, ich habe sogar eine Träne gesehen“, sagt Rettungssanitäter Ralf Krüger . Seine wichtigste Botschaft ist an diesem Dienstagmorgen: „Ihr müsst keine Angst vor uns haben! Wir tun euch nicht weh.“ Er kennt das schon. „Wir haben aus gutem Grund in jedem Rettungswagen einen in Plastikfolie eingeschweißten Teddybären, den wir auspacken können, wenn wir ein Kind transportieren müssen.“ Und wo er schon dabei ist, holt er besagten Teddy aus dem Rettungswagen und gibt ihn anschließend den Kita-Kindern.

Später darf jeder einmal die Krankenliege ausprobieren. Sie ist elektrisch und klappt sich automatisch ein und aus, damit die Rettungssanitäter nicht mehr so schwer heben müssen, wenn sie einen Patienten in den Rettungswagen bugsieren. Eine ganz neue Technik, der Rettungswagen fährt deswegen noch keine regulären Einsätze. „Der ganze Stolz des ASB“, sagt Dr. Timm Schmidt-Mertens .

Der Oberarzt in der Unfallchirurgie am Clemenshospital hat die Aktion an den benachbarten Kitas Lauheide und Regenbogen organisiert. „Die Kinder lernen das Absetzen eines Notrufs und das richtige Verhalten nach einem Unfall.“ Und wie soll das noch besser im Kinderkopf verankert werden, als mit einem Besuch des Rettungswagens?

Ihm geht es aber auch um die Unfallprävention. Denn ein alter Spruch in der Notaufnahme laute: „Die besten Heilungschancen hat der Unfall, der verhindert werden konnte.“ Er habe selber vier Kinder, deswegen liegt ihm das Thema am Herzen.

In der Zwischenzeit haben die Kinder das Pulsmessgerät im Rettungswagen entdeckt. Rettungssanitäter Ralf Krüger (von seinen Kollegen „Freddy“ gerufen) zeigt, wie es funktioniert. In einer Schublade finden die Kinder eine Brechtüte, manche kennen das schon aus dem Flugzeug. „Wir transportieren sehr häufig Betrunkene ins Krankenhaus“, erklärt Ralf „Freddy“ Krüger geduldig.

Die teils heftigen Folgen von zu viel Alkohol – darum geht es heute aber noch nicht. Speziell dazu gibt es jedoch ein anderen Präventionsprogramm, das ebenfalls von Schmidt-Mertens betreut wird. „Da geht es dann um Konsequenzen.“ Jugendliche besuchen für einen Tag eine Unfallklinik und erleben, wie Schwerverletzte nach einem durch Alkohol verursachten Verkehrsunfall versorgt werden. Schocktherapie, wenn man so will.

Also genau das Gegenteil, von dem, was die Vorschulkinder heute mitnehmen sollen. „Ich habe heute noch etwas Bammel, wenn ich einen Polizisten in Uniform sehen, das ist einfach Erziehung. Unsere Kinder sollen keine Berührungsängste haben“, betont Lisa Schlierkamp, die Leiterin der Kita Lauheide. Zum Schluss dürfen die Kinder noch (mit Fingern in den Ohren) die Sirene hören. Berührungsängste mit dem Notruf? Wie weggeblasen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6595241?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
„Es ist klar geworden, dass wir unser Ahndungsverhalten überdenken müssen“
Landrat entsetzt über Bilder aus Mastställen: „Es ist klar geworden, dass wir unser Ahndungsverhalten überdenken müssen“
Nachrichten-Ticker