Warum heißt der Weg Seufzerallee?
„Ein Zoo ist hier nie gewesen“

Münster-Wolbeck -

50 Menschen stehen auf dem Parkplatz an der Alverskirchener Straße, am Eingang zum Tiergarten, einige mit Faltblatt, Fernglas und Kamera. Das Interesse an Natur und Kulturgeschichte des besonderen Waldes hat sie angezogen, darüber sollen Udo Wellerdieck vom Nabu und Alfons Gernholt vom Heimatverein Wolbeck informieren.

Montag, 22.04.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 16:56 Uhr
Auch vom Borkenkäfer erzählte Udo Wellerdieck, hier mit Vogel-Koreferentin Annika und mit Tobias Schmidt. Foto: anh

50 Menschen stehen auf dem Parkplatz an der Alverskirchener Straße, am Eingang zum Tiergarten, einige mit Faltblatt, Fernglas und Kamera. Das Interesse an Natur und Kulturgeschichte des besonderen Waldes hat sie angezogen, darüber sollen Udo Wellerdieck vom Nabu und Alfons Gernholt vom Heimatverein Wolbeck informieren. Im Sonnenschein des Karfreitags sagt Gernholt: „Sie sind drei Tage zu spät“.

Vor drei Tagen sei auf der linken Seite der Straße alles in Weiß getaucht gewesen, die Buschwindröschen blühten. Die „Seufzerallee“ entlang tippeln die 50 zum ersten Halt. Der Name gehe wohl darauf zurück, dass Opfer der Pest von 1601 hier begraben wurden, „da, wo die Kühe stehen“. Der „Klappenkolk“ hinderte das Wild daran, diesem 288 Hektar großen Jagdrevier der Fürstbischöfe zu entkommen. Der Wall existiert bis heute. Im Winter, rät Gernholt, solle man sich auf dem Wall Richtung Albersloh wärmende Sonnenstrahlen holen. Das älteste Dokument, das einen „Tiergarten“ erwähne, stamme von 1534. Ein Zoo sei hier nie gewesen, sowenig wie im „Tiergarten“ in Berlin, Revier preußischer Könige. Dann und wann fielen Besucher Münsters aus dem Süden auf das irreführende Wort herein, das seine Wurzel beim Reh hat, dem „deer“. Da könne man nur auf den Allwetter-Zoo verweisen.

Am Feuchtbiotop lenkt Wellerdieck das Ohrenmerk auf Vogelzwitschern. Was es mit dem Trauerschnäpper auf sich hat, verrät Annika Schmidt aus Warendorf. Die Zehnjährige hat eigens einen Aktenordner mitgebracht. Ihre Quiz-Frage darf Wellerdieck stellen: „Dann bist du mein Assistent“. Zuvor hat ihr jüngerer Bruder einen Laufkäfer zwischen 50 Beinpaaren gerettet und in die Naturwaldzelle befördert. Reichlich Totholz liegt hier – Lebensraum für 660 Käferarten, die anderswo schon ausgestorben sind. Vielfalt herrscht vor in der Naturwaldzelle. „Borkenkäfer“, weiß Wellerdieck, „sind im strukturreichen Wald kein Problem.“

Der Tiergarten, er steht seit 1995 zum Teil unter Denkmalschutz, er ist ein Naturschutzpark seit 2003, ein Flora-Fauna-Habitat. Einige Radler ziehen vorbei, auch einige Hunde. Die meisten von ihnen wissen, dass man hier die Zweibeiner an der Leine führen

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6559880?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
„Es ist klar geworden, dass wir unser Ahndungsverhalten überdenken müssen“
Landrat entsetzt über Bilder aus Mastställen: „Es ist klar geworden, dass wir unser Ahndungsverhalten überdenken müssen“
Nachrichten-Ticker