Internationaler Frauentag
„Am Anfang war die Frau“

Münster-Wolbeck -

Staunen und Neugier auf mehr wird die russische Autorin Tatjana Kuschtewskaja beim KulturKreis Wolbeck hinterlassen haben, als der sich am Internationalen Frauentag ausnahmsweise an einem Freitag traf, in einem Saal des Restaurants Sültemeyer.

Samstag, 09.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 17:38 Uhr
Tatjana Kuschtewskaja, die im KulturKreis eine Auswahl aus ihren zahlreichen Frauenbiografien vorstellte, mit einem von ihrer Tochter gemalten Portrait der Petersburgerin Mariana Werefkin. Foto: na

Staunen und Neugier auf mehr wird Tatjana Kuschtewskaja beim KulturKreis Wolbeck hinterlassen haben, als der sich am Internationalen Frauentag ausnahmsweise an einem Freitag traf, in einem Saal des Restaurants Sültemeyer.

Die aus Russland kommende Kuschtewskaja hat mit selbst recherchierten Frauenbiografien nicht nur ein Buch gefüllt, „Am Anfang war die Frau“, sie weiß auf unnachahmliche Art davon zu erzählen. Das Zimmerchen der in der Schweiz lebenden Petersburger Aristokratin liegt versteckt. Mit Kuschtewskaja gehen die Gäste des Kulturkreises die Treppe herauf, hinein, wo an die Wand gemalt eine Ikone zu sehen ist: Gemalt von Mariana Werefkin, lange Mäzenin von Alexej von Jawlensky, dem Expressionisten aus dem Umfeld der Künstlergemeinschaft „Der blaue Reiter“, sitzengelassen, ihm dennoch verbunden, spät zu ihrer eigenen, hochklassigen Malerei zurückgekehrt. Sie gilt als „russischer Rembrandt“.

Sofia Tolstoja vollbrachte „heroische Liebesdienste“, als sie die dickleibigen Werke ihres Gatten siebenmal mit der Hand abstieg, schildert Kuschtewskaja. Tolstoja war Übersetzerin und Herausgeberin, schenkte ihrem Mann 13 Kinder und fand dabei „noch Zeit und Kraft für ihre eigene Schriftstellerei“.

„Ich fühle mich wie ein Detektiv“, sagt Kuschtewskaja, die insgesamt 23 Bücher geschrieben hat, über Reisen und Frauen-Biografien, zuletzt über „Geheimnisse schöner Frauen. Berühmte Künstler und ihre Modelle“. Mit Gestik und bewegter Stimme lässt sie die Gäste des Kulturkreises an ihren Recherchen teilhaben.

Frauen-Biografien sind ein Hauptmetier von Kuschtewskaja. Aber sie hat auch eine „Aus der Apotheke meiner Babuschka“ erstellt – als der Wunsch ihrer Mutter und ein Wink des Himmels sie mit der Nase darauf stießen, aus den Notizen ihrer Großmutter auf Kalenderblattrückseiten und Briefumschlägen ein Buch zu bauen, das Vermächtnis einer berühmten Naturheilkundlerin. Auch das schildert Tatjana Kuschtewskaja plastisch anschaulich und sehr bewegend.

An diesem internationalen Frauentag und am Vortag ballten sich in Wolbeck Vorträge über Frauen: Über Maria Droste zu Vischering, Hildegard Knef und die weniger bekannten, aber doch sehr wirkmächtigen Russinnen.

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