Falsche Enkel und andere Tricks
Vemehrt betrügerische Telefonanrufe

Münster-Wolbeck -

„Oma, du musst mir helfen!“, fleht die Stimme am Telefon. „Ich habe einen Schrank gekauft und zu wenig Geld dabei.“ Die Wolbecker Seniorin überlegt nicht lange. Sie will den Enkel in der peinlichen Situation nicht im Stich lassen und zieht den Mantel an, um 500 Euro von der Sparkasse abzuheben. „In diesem Moment kam zufällig der Sohn vorbei, der Trick flog auf“, berichtet Claudia Borgmann. Sie ist Leiterin des Bereichs „Service-Wohnen“ des Wolbecker Achatius-Hauses und weiß von mehreren solcher Fälle zu berichten.

Dienstag, 09.01.2018, 16:01 Uhr

Betrüger geben sich immer häufiger als Polizeibeamte aus. Am Telefon bieten sie Senioren an, Wertsachen abzuholen und „sicher“ zu verwahren. Die echte Polizei warnt eindringlich vor diesen Tricks. Foto: Stratenschulte/dpa

Insgesamt 35 Wohnungen stehen älteren Menschen auf dem Gelände der Alexianer-Einrichtung zur Verfügung. Die Senioren leben dort selbstständig, können jedoch bei Bedarf die Angebote des Alten und Pflegeheims nutzen. „Und der Kontakt untereinander ist sehr gut“, freut sich Claudia Borgmann. Seit einigen Monaten habe man ihr vermehrt von mysteriösen Anrufen berichtet. „Vor allem mit dem Enkel- aber auch mit dem Polizeitrick sollten Senioren um ihr Erspartes gebracht werden“, berichtet sie.

"Ich hatte angeblich ein Auto gewonnen"

Daher regte sie eine Informationsveranstaltung der Polizei Münster an. Zu dem von den Alexianern veranstalteten Nachmittag erschienen am Montag fast 50 Interessierte im Versammlungsraum des Achatius-Hauses. Von mehreren eigenen Erfahrungen wussten die Zuhörer zu berichten: „Ich hatte angeblich ein Auto gewonnen und sollte vorher einige hundert Euro für die Überführung bezahlen“, nannte eine Seniorin ein Beispiel.

Cordula Mayer ist bei der Kriminalpolizei Münster für Prävention, speziell den Bereich „Betrug gegen Senioren“ zuständig. Sie ging in ihrem Vortrag besonders auf den Enkeltrick ein. Das Perfide daran sei der psychologische Druck, merkte sie an: „Niemand ist gern eine schlechte Großmutter oder ein schlechter Großvater.“ Dieser Druck überlagere oft auch aufkommende Skrupel. Auch sei wissenschaftlich erwiesen, dass das „Bauchgefühl“, das vor falschen Entscheidungen warne, im Alter nachlasse. Die Lösung: Immer bei den Enkeln oder deren Familien zurückrufen und nachfragen.

„Auflegen und die echte Polizei verständigen!“

Vermehrt komme zurzeit ein Telefon-Trick zum Einsatz, bei dem ein Anrufer sich als Polizist ausgebe, berichtete die Referentin. Zum „eigenen Schutz“ sollten die Senioren Geld und andere Wertsachen zur Aufbewahrung an die – falschen – Beamten aushändigen. Um Seriosität vorzugaukeln, erscheine bei derartigen Anrufen oft die Notrufnummer 110 im Display. „Die Polizei ruft niemals von dieser Nummer aus an“, so Cordula Mayer. Ihr Tipp: „Auflegen und die echte Polizei verständigen!“ Wichtig sei, das verdächtige Telefonat in jedem Fall selbst durch Hörer-Auflegen zu beenden.

Telefonbucheinträge ändern oder löschen lassen

„Alte“ Vornamen und kurze Telefonnummern im Telefonbuch lockten Trickbetrüger an, so die Referentin. Eine Möglichkeit sei, die Nummer zu ändern und die Adresse oder den ganzen Eintrag aus dem Telefonbuch löschen zu lassen. Ihr dringender Appell zum Schluss: „Geben Sie die heutigen Informationen weiter!“

Auch Claudia Borgmann rät, Verwandten und Bekannten alles zu erzählen, was merkwürdig erscheint. „Wir sind eine gute Hausgemeinschaft, bei uns herrscht Vertrauen, wir sprechen miteinander.“ So sei schon manches böse Erwachen verhindert worden.

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Tipps der Polizei

Rund um die Themen Trickbetrug und Diebstahl gab Cordula Mayer eine Reihe von Tipps:

► Niemals Fremde in die Wohnung lassen, auch nicht wenn sie um einen Gefallen bitten.

► Bei (angemeldeten) Handwerkerbesuchen Vertraute dazuholen.

► Handtaschen locken Täter an, möglichst nicht benutzen.

► Wertsachen nahe am Körper, etwa im Brustbeutel, aufbewahren.

► Nur das Nötigste mitnehmen, in Münster reicht eine Ausweis-Kopie ohne Adressen-Angabe.

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