Erhaltenswerte Enge oder freie Fassade?
Breite Debatte übers Zollhaus

Münster-Wolbeck -

Vordergründig ist es nur ein Konflikt zwischen einem Bauherrn und der städtischen Denkmalbehörde. Darf das Zollhaus frei stehen oder muss der geplante benachbarte Neubau die alte Enge wiederherstellen? Die breite Debatte zeigt – es geht um mehr.

Freitag, 05.01.2018, 07:01 Uhr

Eine Kreidezeichnungen von 1899 zeigt das Wolbecker Zollhaus (ganz links) als Solitärgebäude – nach dem Abriss des Nachbargebäudes steht das Gebäude erstmals wieder frei.
Eine Kreidezeichnungen von 1899 zeigt das Wolbecker Zollhaus (ganz links) als Solitärgebäude – nach dem Abriss des Nachbargebäudes steht das Gebäude erstmals wieder frei. Foto: Heimatverein Wolbeck

Es ist eben nicht irgendeine Adresse. Es geht um den Eingang zum Wigbold. Gegenüber des Hauses, das heute eine Versicherungsagentur und früher ein Zollamt beherbergte, steht der historische Drostenhof. Wolbecks Wahrzeichen. Die Straße Am Steintor spielt auch eine große Rolle bei den Plänen, den Ortskern neu zu gestalten.

In einem Brief an die Redaktion bestätigt der Historiker Dr. Wilfried Ehbrecht , dass das historische Zollhaus auf dem Urkataster von 1829 alleinstehend verortet wird. „Ein Blick auf die Karte zeigt die Lage des Tores (1831 abgebrochen) und den Befestigungsgraben. Südlich davon – also außerhalb – befinden sich der ehemalige Jüdische Friedhof und das allein stehende Zollhaus.“ Vermutlich wurde an dieser Stelle eine Akzise, also ein Binnenzoll, erhoben.

In den Akten des Heimatvereins Wolbeck finden sich weitere Hinweise: Eine alte Kreidezeichnung von Ferdinand Zumbusch aus dem Jahr 1899 zeigt das Zollhaus ebenfalls als frei stehendes Gebäude. Doch darum geht es der Denkmalschutzbehörde gar nicht – sie argumentiert nicht mit der Situation von einst, sondern dem heutigen Gesamtensemble. Wenn man so will: der gewachsenen Seele Wolbecks.

„Wir wollen nicht einen Zustand von damals wiederherstellen, sondern den typischen Charakter des Ortes erhalten“, argumentiert der Denkmalpfleger Marcus Brokmann . Dazu gehöre nun mal auch die Enge am Ortseingang und die Baulinie, wie sie erst in den vergangenen 150 bis 200 Jahren entstanden ist.

Viele pflichten dem bei, zum Beispiel Prof. Dr. Hein Hoebink vom Bürgerforum Wolbeck. In einem Leserbrief appellierte er, „das Besondere des Wolbecker Ortskerns zu bewahren.“

Stellvertretend für die Gegenrede ist die Bezirksvertreterin der Piraten. Birgit Hemecker kämpft seit Jahren alleine auf weiter Flur gegen den Eschstraßen-Ausbau. Sie findet: Die Zurücksetzung des geplanten Neubaus „würde zur Attraktivierung der Ortseingangssituation erheblich beitragen“. Als Zugabe entstünde mehr Platz für den geplanten kleinen Kreisverkehr im Kreuzungsbereich. Nicht ausschließen möchte sie, dass „durch diese künstliche Verengung des Ortseingangs“ eine Situation geschaffen werden soll, die der Rechtfertigung eines Esch-Zubringer dient.

Die Denkmalbehörde beruft sich auf die Erhaltungssatzung für das Wigbold. „Wir haben letztlich rein nach den Rechtsgrundlagen entschieden“, erläutert Brokmann. Aus Sicht des Amtes ist die Debatte daher abgeschlossen: „Wir haben die Genehmigung erteilt an alter Stelle zu bauen.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5400806?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
Ein Zoo-Künstler unter Geiern
Prof. Ulrich Martini unter Geiern: Mit den lebensgroßen Nachbildungen der Aasfresser hat der frühere Fachhochschul-Dozent den Eingangsbereich zum Geier-Restaurant an der Großvogelvoliere des Allwetterzoos originell gestaltet.
Nachrichten-Ticker