Vater-Sohn-Gespann hat noch jede Dampfmaschine wieder flott gemacht
Die Liebe zur Feuermaschine

Münster-Wolbeck -

Den Geschmack zu treffen, ist ja oft genug Glücksache. Manches Weihnachtsgeschenk verstaubt in einer Ecke, statt Freude zu bereiten. Nicht so die Dampfmaschine, die Karl-Heinz Schapmann vor Jahren unter dem Weihnachtsbaum fand. „Die lief, glaube ich, die ganzen Feiertage durch“, erinnert sich Sohnemann Sven Schapmann und lacht. „Nicht immer zur Freude der Verwandten, übrigens.“

Sonntag, 24.12.2017, 12:12 Uhr

Die Garteneisenbahn funktioniert ganz genauso wie eine große Lok – das Vater-Sohn-Gespann (v.l.) Karl-Heinz und Sven Schapmann transportieren sie ins Hiltruper Museum.
Die Garteneisenbahn funktioniert ganz genauso wie eine große Lok – das Vater-Sohn-Gespann (v.l.) Karl-Heinz und Sven Schapmann transportieren sie ins Hiltruper Museum. Foto: mlü

Die Feuermaschine entfachte eine gewaltige Leidenschaft – beim Vater und beim Sohn. Das schaffen Dampfmaschinen bei ihnen bis heute.

In jeder freien Minute wird an den zahllosen Maschinen der mittlerweile atemberaubend umfangreichen Sammlung gebastelt. Es gibt vermutlich keine kaputte Dampfmaschine, die die beiden nicht wieder hinbekommen würden. Wenn es sein muss, führt sie die Suche nach einem passenden Ersatzteil auch mal in eine Schiffswerft. „Nur die hatten eine Drehbank, die lang genug war, um das fehlende Teil zu fertigen“, erinnert sich Sven Schapmann .

Viele Teile werden heute nicht mehr produziert und vor allem nicht mehr für den privaten Sektor. „Wenn ich bei einer Firma anrufe und sage, ich hätte gerne zehn Rohre aus Kesselstahl, dann fragen die mich, ob ich nicht zwei Nullen vergessen hätte.“ Fotos von den aktuellen Projekten sind dann oft Türöffner. „Der Ton macht die Musik“, ist sich Sven Schapmann sicher.

Immer häufiger wird aber alles von Grund auf selbst gemacht. Zugleich haben die Schapmanns ein Netzwerk aus befreundeten Handwerkern und Firmen aufgebaut. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Mit einem modernen 3D-Drucker erstellt Sven Schapmann die Vorlagen für ein fehlendes Ersatzteil. Das gedruckte Plastikteil geht dann an einen befreundeten Metallgießer, der einen Abdruck davon nimmt und schließlich im Sandgießverfahren das ersehnte Metallteil herstellt.

„Das ist viel Ausprobieren“, sagt Sven Schapmann über die Arbeitsprozesse. „Letztlich sind keine zwei Maschinen identisch, nicht einmal innerhalb einer Baureihe.“ Anders als zum Beispiel bei modernen Autos ist die Dampfmaschinentechnik jedoch komplett zugänglich für Bastler. „Letztens wollte ich einen kaputten Blinker an meinen Auto reparieren – ging nicht. Die Schrauben waren so konstruiert, dass nur der Hersteller da ran kann“, ist Sven Schapmann genervt.

Eigentlich kommt der 34-Jährige aus der Informatik. „Ich kann ungefähr 18 Programmiersprachen.“ Wo ist da der Bezug zum Dampfmaschinen-Hobby? Es gibt keinen. „Das war ganz bewusst, als Ausgleich.“ Man macht sich dreckig, die Maschinen lassen sich nicht mit einem Smartphone steuern und brauchen viel Geduld.

Woran arbeiten die beiden aktuell? „Das laufende Projekt heißt: Die Werkstatt aufräumen!“

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