„Studienförderung Passo Fundo“
Hilfe für begabte junge Menschen

Münster-Roxel -

Der in Roxel gegründete und ansässige Verein „Studienförderung Passo Fundo“ ermöglicht begabten jungen Leuten in Brasilien und Afrika ein Hochschulstudium. Seit der Vereinsgründung im Jahr 1988 wurden bereits rund 350 Studenten betreut.

Donnerstag, 18.04.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 16:30 Uhr
Aus den Niederlanden, England, Malawi und Deutschland kamen die Mitglieder des in Roxel beheimateten Vereins „Studienförderung Passo Fundo“, um sich im Pfarrheim St. Pantaleon zu treffen. Foto: n

Zur Schule zu gehen und anschließend nach Neigung und Fähigkeit einen Beruf zu erlernen, das ist nicht überall selbstverständlich. In Brasilien schon gar nicht: Bei geschätzten über sieben Millionen Straßenkindern in diesem Land kann man von drei Millionen arbeitenden Kindern ausgehen. Zwei Millionen sind Prostituierte unter 15 Jahren – wie auf der Homepage des Vereins „Kinderhilfe Passo Fundo“ zu lesen ist. Er hat enge Verbindungen zur „Studienförderung Passo Fundo“, die in Roxel beheimatet ist.

Passo Fundo ist eine Stadt im Süden Brasiliens, ungefähr so groß wie Kassel. Der dort lebende deutsche Pfarrer Ulf Brodowski ist befreundet mit dem Brasilianer Osvino, dem späteren Bischof Dom Osvino Both. Mit ihm gründete er 1981 einen Verein mit dem Namen der Stadt „Passo Fundo“, um Straßenkindern zu helfen. Es wurden in Deutschland Sponsoren gesucht, die Patenschaften übernahmen und Geld gaben für Kinderkrippen, Jugendzentren und später auch für medizinische Hilfe.

Was aber machen die jungen Menschen, wenn sie die Schule beendet haben? Ihre Familien leben in Favelas, Armenviertel voller notdürftig zusammengezimmerter Hütten mit für hiesige Verhältnisse kaum vorstellbaren hygienischen Bedingungen – ein Leben, das man wohl als Überlebenskampf bezeichnen muss. Hier kommt das Roxeler Mediziner-Ehepaar Wittkowski ins Spiel. Es ist mit dem deutschen Pfarrer befreundet und überlegte schon im Jahr 1988 gemeinsam, wie begabte junge Brasilianer im Anschluss an ihre Schulzeit weiter gefördert werden können.

„Studiengebühren sind in Brasilien immens hoch, und die ,Upper Class‘ ist ziemlich korrupt“, erklärt Prof. Dr. Werner Wittkowski, der von 1985 bis 2005 Direktor des Bereichs Ana­tomie / Neuro­anatomie an der Uni Münster war. „Ein Einzelner kann das nicht stemmen, deshalb gründeten wir einen Verein.“ Seit der Gründung 1988 sind zirka 350 junge Menschen von der „Studienförderung Passo Fundo“ betreut worden. Allerdings wird von ihnen mehr als fleißiges Lernen erwartet.

„Die Stipendiaten sollen sich nicht dem Geldgeber gegenüber verpflichtet fühlen, sondern ihrem Land“, erklärt Wittkowski. „Die Rückzahlungen an den Verein könnten zwar mehr sein, aber wichtiger ist uns das Generationenprinzip. Wer gefördert wird, der sollte das auch weitergeben. Wir suchen diejenigen aus, die schon während des Studiums eigene soziale Projekte anschieben und sich in der Gesellschaft engagieren. Eine konfessionelle Bindung gibt es nicht. Aber an der katholischen Kirche kommt man in Südamerika nicht vorbei“, erklärt der ehemalige Jesuitenschüler lächelnd.

Nach und nach wurde die „Studienförderung Passo Fundo“ auch auf andere Städte ausgeweitet. Derzeit gibt es in Südamerika 45 Stipendiaten. Seit 2014 bietet der Ve rein auch Unterstützung in Afrika, für 20 Stipendiaten in Blantyre (Malawi) und für 15 in Nairobi (Kenia). Dabei kooperiert die Studienförderung mit bestehenden Infrastrukturen des in England ansässigen gemeinnützigen „Nchima Trusts“ und der „St. Aloysius Secondary School“ in Nairobi. Dort gibt es besonders viele Aids-Waisen.

Verpflichtend für die Teilnehmer sind im Anschluss an die praxisorientierte Ausbildung ein Sozialdienst und das Bestreben, sich nach Möglichkeit weiter zu qualifizieren, statt eine besser bezahlte Stelle im Ausland zu suchen.

Mit 16 Kooperationspartnern der „Studienförderung Passo Fundo“ trafen sich jetzt die Roxeler Gründer im Pfarrheim. „Eigentlich müssen die Stipendiaten für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen“, erklärt Dr. Cornelia Wittkowski. „Aber Naturkatastrophen und auch politische Bedingungen können so schwierig sein, dass das kaum möglich ist. Wir müssen daher neue Regelungen finden. Außerdem ist es sehr schön, sich in vertrautem Kreis einmal in Münster zu treffen!“

Für ihr außergewöhnliches Engagement sind die Wittkowskis im Oktober vergangenen Jahres mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.  

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