Unruhe an der Roxeler Marienschule
„Fotos nicht über soziale Medien weiterleiten“

Münster-Roxel -

Besorgte Eltern der Marienschule stellten das Foto eines vermeintlichen „Kinderschänders“ ins Internet. Die Polizei sagt, das sei nicht richtig gewesen.

Freitag, 25.01.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 25.01.2019, 21:30 Uhr
Unruhe hat ein unbekannter Mann bei Eltern der Marienschule ausgelöst, der Kinder angesprochen haben soll.   Foto: eb

Wiederholt hat es in jüngster Zeit Vorfälle gegeben, bei denen Mädchen und Jungen an Schulen und Kindergärten von unbekannten Männern angesprochen wurden. Dass das besorgte Eltern auf den Plan ruft und Ängste aufkommen lässt, ist kaum verwunderlich. Und es dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass Eltern der Roxeler Marienschule das Foto eines als „Kinderschänder“ verdächtigten Mannes ins Internet stellten.

Was war passiert? Auf dem Heimweg sollen zwei Schulkinder am Mittwoch unabhängig voneinander an der Havixbecker Straße von einem fremden ausländischen Mann angesprochen worden sein, der ein Mobiltelefon dabei hatte. Die Grundschüler entzogen sich dem Gespräch, berichteten aber ihren Eltern von dem Vorfall. Diese wiederum eilten zum Ort des Geschehens. Sie versuchten, den nach wie vor anwesenden Mann zur Rede zu stellen. Doch es kam kein Gespräch zustande, woraufhin ihn die Eltern fotografierten und das Konterfei des Mannes mit entsprechender Kommentierung ins Netz stellten.

Noch nie Schnee gesehen

Das sei „ein absolutes No-Go!“, sagt Andreas Bode . Der Pressesprecher der Polizei Münster hat keinerlei Verständnis für das Vorgehen der Eltern. Sie hätten den falschen Weg gewählt. Der fotografierte Mann, bei dem es sich um einen 30-jährigen Asylbewerber handele, sei aus polizeilicher Sicht stigmatisiert worden. Richtig wäre es gewesen, wenn die besorgten Eltern unverzüglich die Polizei verständigt hätten: „Die Notfallnummer 110 wählen, und wir sind sofort da“, unterstreicht Bode.

Marienschulleiterin Kerstin Ahlers sah sich aufgrund des Vorfalls bereits veranlasst, am Donnerstag einen Elternbrief zu verfassen. Darin stellt auch sie klar, dass das Vorgehen der besorgten Eltern falsch war: „Nach Rücksprache mit der Polizei möchte ich Sie eindringlich bitten, sich bei solchen Fällen bei der Polizei zu melden. Fotos der Personen sollten auf keinen Fall über soziale Medien weitergeleitet werden.“

Nach Auskunft des Polizeisprechers wurden die Grundschüler von einem Asylbewerber angesprochen, der erst seit kurzer Zeit im Lande und der deutschen Sprache bislang nicht mächtig ist. Er soll auf der Straße zuerst erfolglos Erwachsene und später dann auch die Kinder kontaktiert haben. Hintergrund sei gewesen, so Bode weiter, dass der Mann noch nie in seinem Leben Schnee gesehen habe. Deshalb habe er jemanden bitten wollen, ein Foto von ihm nebst Schnee darauf zu machen.

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