Sportabzeichen in Roxel
Fachfrau in Sachen Sportabzeichen

Münster-Roxel -

Ingrid Kleinschmidt leitet seit dem Jahr 2000 den Roxeler Stützpunkt des Sportabzeichens. Unterstützt wird sie dabei von Johannes Schulze Everding.

Montag, 13.08.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.08.2018, 19:00 Uhr
Ingrid Kleinschmidt und Johannes Schulze Everding sind seit neun Jahren in Roxel das Stützpunktleiter-Team für die Abnahme des Sportabzeichens. Foto: ann

Wenn das Sportabzeichen in Roxel ein Gesicht hätte, dann wäre es das von Ingrid Kleinschmidt (80). Kaum zu überblicken ist die Zahl der Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren, die sie angefeuert hat, wenn die letzte Runde gelaufen, der entscheidende Zentimeter im Hoch- oder Weitsprung erreicht oder zum ultimativen Ballwurf oder Kugelstoß ausgeholt werden musste. Seit 2009 steht ihr Johannes Schulze Everding zur Seite.

Eigentlich verdankt Ingrid Kleinschmidt ihr sportliches Hobby ihrem jüngsten Sohn. Als der etwa zwölf Jahre alt war, entdeckte er sein Interesse an der Leichtathletik. Da ist sie einfach mit ihm auf den Sportplatz gegangen. Damals betreute der Stützpunktleiter Rudolf Dietrich die Sportabzeichen-Abnahme. „Das war eine nette Atmosphäre“, erinnert sie sich. „Es machte mir echt Spaß, und ich wurde mit der Zeit immer besser.“ 41 mal hat sie insgesamt ihr Sportabzeichen gemacht.

Rudolf Dietrich ermunterte sie, den Übungsleiterschein zu machen. Als er aus Altersgründen seinen Posten aufgab, trat die ehemalige Lehrerin und dreifache Mutter an seine Stelle. Seit dem Jahr 2000 leitet sie den Stützpunkt. „Dabei war meine Familie eigentlich nicht besonders sportlich“, erinnert sie sich. Geboren 1938 in Halle an der Saale, wuchs sie in einem Frauenhaushalt mit Mutter, Großmutter und der älteren Schwester auf. Ihr Vater starb früh, sie hat ihn bewusst nicht erlebt. Das Geld war knapp, so nahm sie gern das in der DDR kostenfreie Angebot an, Leichtathletik zu betreiben. „Bis ich 17 war, dann musste ich fürs Abi lernen“, sagt sie.

In Leipzig begann sie danach, Physik zu studieren. Eine Notlösung, wie sie es nennt. „Naturwissenschaft – da ging es um klare Fakten ohne das ganze Beiwerk von Sozialismus und Kommunismus. Das gefiel mir daran so gut.“ 1958, nach drei Semestern stand der Entschluss fest: Sie wechselte zum Bedauern ihrer Familie in den Westen. In Münster studierte sie weiter und hatte Glück: Ihre bisherigen Vorlesungen und Praktika wurden anerkannt, was bei einem geisteswissenschaftlichen Studium nicht der Fall gewesen wäre. Und weil das Abitur schon eineinhalb Jahre zurücklag, wurde auch das hier anerkannt, was bei „frischen“ Abiturienten aus der DDR nicht üblich war.

Die Volljährigkeit, die sie mit 20 in der DDR bereits besaß, wurde ihr hier, wo 21 Jahre vorgegeben waren, nicht aberkannt. Dennoch fühlte sie sich hier zunächst fremd und auch nicht sonderlich wohl. „Mein Berufsziel war es, in die Elektrobranche zu gehen und vielleicht mal ein Kraftwerk zu leiten“, erinnert sie sich. „Dafür wurde ich in Münster ausgelacht. Keine Frau bekäme hier einen solchen Posten.“

So wählte sie sich ein realistischeres Ziel: Lehrerin. Sie unterrichtete Mathe, Physik und Chemie an mehreren Realschulen, zuletzt im Kreuzviertel. Dem Sport blieb die Roxelerin immer treu. Einmal errang sie mit ihren Enkelkindern, die sie in den Ferien besuchten, sogar eine Familienurkunde.

Ihre Aufgabe auf dem Sportplatz liebt sie. „Ich wünsche mir mehr dauerhaftes und nicht nur projektbezogenes Engagement bei ehrenamtlichen Tätigkeiten“, sagt sie. „Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden. Man sollte dankbar sein, wenn man Aufgaben übernehmen kann.“

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5973801?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F
Empörung im Netz über Maaßens Beförderung
«Noch zwei Fehltritte und Maaßen ist Bundeskanzler»: Empörung im Netz über Maaßens Beförderung
Nachrichten-Ticker