Pfarrer Hans-Werner Dierkes verlässt die Gemeinde Liebfrauen-Überwasser
Ein Abschied und ein Anfang

MÜNSTER-WEST -

Er hat in fast 21 Jahren eine der größten Gemeinden des Bistums mit geformt. Jetzt stellt er sich neuen Herausforderungen.

Freitag, 21.06.2019, 21:30 Uhr
Pfarrer Hans-Werner Dierkes verabschiedet sich im Gottesdienst am Sonntag (23. Juni) in St. Michael von der Gemeinde, die er fast 21. Jahre lang betreute. Er wirkt künftig in St. Joseph. Foto: jans

Die Umzugskartons lauern schon. Noch stehen sie zusammengefaltet im Pfarrhaus von St. Michael. Aber bald wird Pfarrer Dr. Hans-Werner Dierkes sie vollpacken. Nach fast 21 Jahren verlässt er eine Gemeinde, die sich in der Zeit seines Wirkens vor Ort komplett gewandelt hat.

„Da kommt Wehmut auf“, sagt der Seelsorger, der mit einer Entscheidung über seine Nachfolge erst in einigen Monaten rechnet. Schließlich haben sich schon viele Menschen in Gievenbeck von ihm verabschiedet. Auf einem Schränkchen steht ein Korb mit Leckereien, den ihm Kita-Kinder packten. Vielleicht als Wegzehrung? Dann haben sie es gut gemeint, denn richtig weit weg zieht der Seelsorger nicht: Nach den Sommerferien wird er als „Pastor mit dem Titel Pfarrer“ in der Gemeinde St. Joseph im Süden Münsters wirken.

Dieser Umzug ist ein weiterer Schritt auf Dierkes Lebensweg, der vor 62 Jahren in Telgte begann. Der heutige Seelsorger machte 1975 am Pius-Kolleg in Coesfeld Abitur und studierte dann Theologie in Münster sowie Würzburg. 1980 wurde Dierkes Diakon in Haltern. Zum Priester wurde er 1982 in Münster geweiht. Bis 1986 wirkte er als Seelsorger in Neuenkirchen. Es folgten jeweils sechs Jahre als Kaplan in Dorsten und als Pfarrverwalter in Nottuln-Darup. Als „Alleinseelsorger“ führte er dort auch das Pfarrbüro.

„Guter Start“

An seiner nächsten Wirkungsstelle änderte sich das: Als Pfarrer in der Gievenbecker Gemeinde St. Michael hatte er ab 1998 ein Pfarrteam um sich. „Es war ein guter Start“, so Dierkes. Im Jahr 2000 promovierte er mit einer Arbeit über Wallfahrten nach Lourdes.

2007 fusionierte St. Michael mit der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser, sieben Jahre später gab es einen zweiten Zusammenschluss mit St. Sebastian in Nienberge und St. Theresia in Sentrup. Mit 21 000 Gläubigen ist Liebfrauen-Überwasser heute die sechstgrößte Pfarrei im Bistum. Dierkes arbeitet jetzt in einem 20-köpfigen Team und hat als Leitender Pfarrer die Gesamtverantwortung für die Pfarrei. Als Grundlage für diese Arbeit gibt es für ihn ein Rezept: „Man muss natürlich bereit sein, Verantwortung zu teilen.“

Beständige Frage

„Es war für uns eine sehr kreative Zeit“, sagt Dierkes über seine Jahre im stetig wachsenden Gievenbeck. Beständige Frage sei gewesen, wie gläubige Neubürger ins Gemeindeleben integriert werden konnten. Darum übernahm die Gemeinde die Trägerschaft für die erste Kita im Auenviertel, und darum waren Dierkes und sein Team dort oft mit dem „Kirchenmobil“ vor Ort.

Mit Blick auf die Gemeindezusammenlegungen atmet der Pfarrer tief durch und findet deutliche Worte: „Die Fusionen waren unumgänglich, aber oft traurig für die Beteiligten.“ Die „Heimat Gemeinde“ befinde sich für viele Gläubige auf dem Prüfstand. Um diese geistliche Heimat zu erhalten, so Dierkes weiter, blieben alle Gottesdienstorte, Pfarrheime und Pfarrbüros in der langsam zusammenwachsenden Groß-Gemeinde erhalten.

Stetiger Wandel

Dierkes Maxime in all den Jahren des stetigen Wandels blieb ein Satz von Alfred Delp, eines Jesuiten und von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers: „Die Welt ist Gottes so voll“. Es gelte, so Dierkes, die Gegenwart Gottes bei den Menschen zu entdecken.

Dafür möchte der Geistliche nun wieder mehr Zeit haben. „Ich mache jetzt für mich den Schnitt“, betont Dierkes. Der Bischof entpflichtete ihn als leitenden Pfarrer. „Ich möchte noch einige Jahre als Seelsorger tätig sein“, wünscht er sich. Daher werden jetzt bald die Umzugskartons gepackt. Statt eines Pfarrhauses wartet dann eine Wohnung im Südviertel auf ihn.

Vorher möchte er aber noch gerne auf eine große Pilgerreise gehen: von Münster über Lourdes nach Santiago de Compostela. Per Pedelec.

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Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Dierkes findet am Sonntag (23. Juni) um 10 Uhr in St. Michael statt. Bei einem Empfang im Pfarrheim haben die Gemeindemitglieder danach Gelegenheit, sich persönlich zu verabschieden.

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