Schützen über die Zukunft
„Alles bleibt beim Alten“ geht nicht

Münster-Nienberge -

Viele Nienberger konnten es kaum glauben, als jüngst die Rede davon war, dass die St.-Sebastian-Schützenbruderschaft sich auflösen wolle. Deren Ende ist vorerst abgewendet, doch wie geht es weiter mit dem Schützenwesen im Stadtteil?

Donnerstag, 28.12.2017, 18:12 Uhr

Gemeinsam geht es in die Zukunft (v.l.): Karl-Heinz Suttrup (Vorsitzender von „Frohsinn Schonebeck“), Ludger Häger (Vorsitzender der St.-Augustinus-Schützen), Hubert Möllmann (Vorsitzender der St.-Jacobi-Schützenbruderschaft), Dennis Schmitz (Vorsitzender der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft), Franz-Josef Suttrup (Vorsitzender der St.-Aloysius-Schützenbruderschaft) und Andreas Riemann (zweiter Vorsitzender der St.-Jacobi-Schützenbruderschaft).
Gemeinsam geht es in die Zukunft (v.l.): Karl-Heinz Suttrup (Vorsitzender von „Frohsinn Schonebeck“), Ludger Häger (Vorsitzender der St.-Augustinus-Schützen), Hubert Möllmann (Vorsitzender der St.-Jacobi-Schützenbruderschaft), Dennis Schmitz (Vorsitzender der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft), Franz-Josef Suttrup (Vorsitzender der St.-Aloysius-Schützenbruderschaft) und Andreas Riemann (zweiter Vorsitzender der St.-Jacobi-Schützenbruderschaft). Foto: sn

Die Vorsitzenden der fünf Nienberger Schützenvereine trafen sich auf Initiative dieser Zeitung im Gemeinschaftsraum Häger, um zu diskutieren, wie es weiter gehen soll.

„Alles bleibt beim Alten“, das könne nicht gehen, meint Ludger Häger, Vorsitzender der Augustiner in Häger. Und doch, es ergibt sich ein differenziertes Bild, wenn man die einzelnen Schützenvereine betrachtet. In Häger ist die Lage stabil. „Wir gucken, welche Veranstaltungen wir gemeinsam machen können“, sagt Franz-Josef Suttrup , der Vorsitzende der St.-Aloysius-Schützenbruderschaft.

Beispiel Maigang: Was lange kaum vorstellbar war, ist nun schon fast zur Tradition geworden: Aloysianer und Augustiner marschieren gemeinsam in den Wonnemonat. Das war nicht immer selbstverständlich. Es liege auch daran, wie ein Verein geführt werde, so Franz-Josef Suttrup. „Man muss die Mitglieder mitnehmen“, erläutert Ludger Häger. Die Zeiten, in denen nur einer bestimme, wo es langgehe, seien vorbei.

Beispiel Frohsinn Schonebeck. Eigentlich gab es den Schützenverein schon gar nicht mehr. 1968 enden alle Aufzeichnungen. Dann kam die Idee zur Neugründung. 2005 war das. Seitdem kann „Frohsinn Schonebeck“ kontinuierlich steigende Mitgliederzahlen verzeichnen. Es seien nicht nur Nienberger, die eintreten würden, erklärt Vorsitzender Karl-Heinz Suttrup . Das Programm ist einfach: „Alle zwei Jahre feiern wir Schützenfest.“ Auch die Mitgliederversammlung gibt es nur alle zwei Jahre. Aber: „Die Schonebecker kennen sich untereinander.“

Überhaupt: Die Offiziellen der Schützenvereine sehen einen gewaltigen Unterschied zwischen Nienberge-Dorf und den ländlichen Gebieten. „Auf dem Land kennt man sich noch, auch wenn man drei Kilometer auseinanderwohnt. Im Dorf kennt man schon den Nachbarn nicht mehr“, sagt Andreas Riemann, zweiter Vorsitzender der St.-Jacobi-Schützenbruderschaft. Auch Auswirkungen auf das Schützenwesen gibt es. Auf dem Land würden alle mitmachen, im Dorf dagegen bekomme man zu hören: „Ich mach´ mich doch nicht lächerlich und geh´ zum Antreten“, so Karl-Heinz Suttrup.

Viele würden wegziehen aus Nienberge, vor allem junge Leute, erklärt Dennis Schmitz, der neue Vorsitzende der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft. So würde der Nachwuchs fehlen. Es kommen ganz praktische Dinge hinzu: Etwa, wenn Nachbarn sich über Ruhestörung beschwerten, sobald das Schützenfest etwas länger gefeiert würde. Auch die Ein-Euro-Party der Sebastianer sei diesem Umstand zum Opfer gefallen, meint Schmitz.

Doch: Das Schützenwesen lebt, besonders in Nienberge. „Wenn man den jungen Leuten das vorlebt, dann kommt auch der Nachwuchs“, so Ludger Häger. Hubert Möllmann, der Vorsitzende der St.-Jacobi-Schützenbruderschaft, will das „Schützenfest als Event“ organisiert sehen. „Wir brauchen Zugpferde“, sagt Karl-Heinz Suttrup. Leute, die sich engagieren.

Der große, gemeinsam geäußerte Wunsch aller Vorsitzenden: Nienberge müsse sich entwickeln. Etwa durch Neubaugebiete und Perspektiven für junge Leute. Da wiederum sei die Politik gefragt.

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