Landfahrerplatz in Nienberge wieder bewohnt
Zurück aus dem Osten

Münster-Nienberge -

Die Zelte und Wohnwagen auf dem Landfahrerplatz an der Steinfurter Straße verraten es: Die Camper sind zurück. Bei ihnen handelt es sich hauptsächlich aus Menschen aus Osteuropa, die bis Ende September dort leben. Dann müssen sie ihre Sachen packen und den Platz verlassen.

Freitag, 20.05.2016, 00:05 Uhr

Auf dem Landfahrerplatz haben sich wieder einige Camper niedergelassen. So wie Lazlo, Buriana-Oliver und Julia (kl. Foto v.l.) leben dort rund 30 Menschen.
Auf dem Landfahrerplatz haben sich wieder einige Camper niedergelassen. So wie Lazlo, Buriana-Oliver und Julia (kl. Foto v.l.) leben dort rund 30 Menschen. Foto: kbö

In einer Ecke ist der Grill noch nicht ganz erloschen, Vis-à-vis zeugt eine dampfende Kaffeetasse davon, dass das Frühstück im Freien gar nicht lange zurückliegen kann. Mit den ersten Sonnenstrahlen bevölkern auch wieder einige Camper den Landfahrerplatz an der Steinfurter Straße . Wer lebt dort, wie viele Personen sind es, und warum kommen diese Menschen nach Nienberge ? Diese und andere Fragen beantwortete Sozialamts-Fachstellenleiter Herbert Berkemeier im Gespräch mit Redakteur Kay Böckling .

Herr Berkemeier, wann hat die Stadt den Landfahrerplatz wieder geöffnet?

Berkemeier: Wie in den vergangenen Jahren öffnen wir die Tore Anfang Mai. Zunächst haben wir die nötigen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur geschaffen. Wie man sieht, haben wir Dixi-Klos aufgestellt, dann einen Container für die Müll-Entsorgung plus einem Wohn-Container für Beratungszwecke. Diese können von Familien mit kleinen Kindern auch kurzfristig genutzt werden, wenn die Witterung dies verlangt. Im hinteren Bereich haben wir die Strom- und Wasserversorgung sichergestellt.

Wie lange wird der Landfahrerplatz genutzt?

Berkemeier: Bis circa Ende September. Aber das ist auch ein wenig von den Witterungsverhältnissen abhängig. Aber das ist eigentlich die Deadline, die wir mit den Bewohnern kommunizieren, damit sie auch wissen, dass sie spätestens zu diesem Zeitpunkt den Platz wieder verlassen müssen.

Die Menschen kommen ja zum überwiegenden Teil aus dem osteuropäischen Raum. Wie erfahren sie eigentlich davon, dass der Landfahrerplatz geöffnet ist?

Berkemeier: Die Bewohner-Gruppe die jetzt hier ist – derzeit sind es 30 – ist fast deckungsgleich mit der Gruppe, die im vergangenen Jahr schon hier war. Wir haben festgestellt, dass es innerhalb der Gruppe ein gewisses Netzwerk gibt.

Erhalten die Menschen die dort leben eine finanzielle Unterstützung?

Berkemeier: Nein. Die Menschen, die sich hier aufhalten, sind Touristen für uns. Sie haben aktuell keine Leistungsansprüche. Es handelt sich weder um Hartz-IV-Empfänger noch Asylbewerber. Wie gesagt: Es sind ganz normale Touristen und als solche haben sie keinen Anspruch darauf, beispielsweise mit Wohnraum versorgt zu werden.

Wovon leben diese Menschen?

Berkemeier: Das kann ich nur mutmaßen. Wir wissen, dass einige im Stadtbild regelmäßig präsent sind. Wir wissen aber auch, dass einige von Tür zu Tür gehen, um ihre Dienste zuzubieten, beispielsweise im Garten zu helfen.

Warum campieren diese Menschen in Nienberge?

Berkemeier: Es ist bestimmt eine Alternative für die Menschen zu der noch schlechteren Situation, die sie in der Heimat vorfinden. Das ist zumindest die Aussage der Bewohner.

Sie sprachen eingangs die kleinen Toilettenhäuschen an. Wie aber sieht es aus mit anderen sanitären Einrichtungen? Wo können die Menschen sich beispielsweise duschen?

Berkemeier: Wir haben im vergangenen Jahr insbesondere den Familien mit Kindern die Möglichkeit gegeben, ein Freibad aufzusuchen und haben dafür Freikarten zur Verfügung gestellt. Für die Männer und allein stehenden Frauen gibt es die Möglichkeit, das Haus der Wohnungslosenhilfe an der Bahnhofstraße zu nutzen.

Um dies zu nutzen, muss man aber mobil sein. Gibt es Fahrtkostenzuschüsse?

Berkemeier: Nein, auch hier gilt, dass die Menschen keine Leistungsansprüche haben. Dafür sind die Menschen selbst verantwortlich.

Trotz dieser Selbstverantwortung kümmert sich die Stadt aber um die Bewohner.

Berkemeier: Montags und freitags gibt es seitens der Stadt eine Begehung des Platzes. Dabei wird geschaut, wer hier lebt, ob es besondere Handlungsbedarfe gibt wie etwa Krankheiten, die behandlungsbedürftig sind.

Welche städtischen Ämter sind in diese Betreuung involviert?

Berkemeier: Federführend ist das Ordnungsamt zuständig. Diesem untersteht der Platz. Dann sind es das Sozialamt, das Jugendamt, das Gesundheitsamt und verschiedene Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, die hier gelegentlich präsent sind.

Was passiert im September mit den Menschen, wenn der Platz geschlossen wird?

Berkemeier: Die Menschen wissen, dass dieser Platz in den Wintermonaten aufgegeben werden muss. Wir sind im Gespräch mit den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, um in den Wintermonaten separate Lösungen für Alleinstehende zu finden. Auch in Absprache mit dem Jugendamt sind wir für Familien auf der Suche nach Lösungen.

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