Fotograf des Wandels
Bevor damals die Bagger kamen

MÜNSTER-KINDERHAUS -

Willi Zumbrock lichtete den städtischen Wandel in Kinderhaus ab, aber er hielt auch das alte Ortsbild fest.

Samstag, 14.09.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 14.09.2019, 05:50 Uhr
Wie gemalt wirkt dieser Kotten, den Willi Zumbrock vermutlich in den 60er-Jahren in Kinderhaus aufnahm. Foto: Willi Zumbrock/ Archiv Stoffers

Ist das wirklich ein Foto? Oder hat der berühmte Maler Otto Modersohn hier gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine weitere westfälische Idylle festgehalten? Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein auf diesem Bild eines Kottens in grüner Landschaft. Der Kinderhauser Maurerpolier und Hobby-Fotograf Willi Zumbrock hat es aufgenommen – vermutlich in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

Heute gehört das Foto zu jenen Bildern, die Zumbrocks Sohn Klaus dem Kinderhauser Heimatforscher Henning Stoffers für dessen Archiv überließ. Wie bei vielen der Zumbrock-Fotos weiß Stoffers auch bei diesem nicht, wo im sich damals rasant verändernden Stadtteil es eigentlich gemacht wurde. Auf einem im Dezember 1961 in einer Zeitung veröffentlichten Foto vom Modell des künftigen Kinderhauser Ortsbildes bezeichnete Zumbrock zwar mit Kugelschreiber viele Gebäude namentlich. Leider finden sich diese Namen in der Benennung seiner Bilder aber nicht wieder. Stoffers hofft auf Hilfe aus der Leserschaft unserer Zeitung. Über den Mann, der den Wandel fotografisch dokumentierte, weiß Stoffers aber viel.

In einem ausführlichen Brief schildert Sohn Klaus dem Heimatforscher, warum der 1913 geborene Willi Zumbrock seine Kamera oft mit zur Arbeit nahm. Der Vater wollte für die Nachwelt dokumentieren, wie es auf „seinen“ Baustellen aussah, so Klaus Zumbrock. Dafür benutzte der Polier „ab und zu seine alte und zuverlässige Ikonta 521/2 (für Schwarzweiß auf Rollfilm) und die etwas modernere Bilora-Bella (Kleinbild, 24 mal 36)“. „Fotografieren war bereits ein Vorkriegshobby vom Vater“, betont der Sohn weiter, „und das Hantieren mit den Kameras, mit Rollfilm und später dann mit dem Diafilm war nicht gerade billig und brauchte Fingerfertigkeit und technisches Verständnis“.

Clemenskirche

So entstanden die Fotos der Neubauten in Kinderhaus oder vom Ausbau der Germania-Brauerei in Münster. Auch beim Wiederaufbau von Münsters Clemenskirche wirkte der Polier mit. 1957 ritzte er seinen Namen in die Kuppel, Sohn Klaus fand die Signatur 2011 wieder.

Der 1987 verstorbene Willi Zumbrock lichtete aber auch ab, wie Kinderhaus aussah, bevor die Bagger kamen. Damit schuf er Dokumente der Zeitgeschichte – und hielt zudem charmant-zeitlose Augenblicke fest. Zum Beispiel, als er den eingangs erwähnten Kotten fotografierte. Oder als er vor vielen Jahren an einem schönen Sommertag in der Kinderbach-Aue auf den Auslöser drückte: Die Sonne scheint auf die grüne Lunge des Stadtteils, hinter Schilf und Bach grüßt das Türmchen von St. Josef. Eine junge Frau radelt eilig aus dem Bild. Wohin sie wohl will?  

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