Poether-Ausstellung aus den 1990er-Jahren wird wieder gezeigt
Couragiertes Leben dokumentiert

Münster-Hiltrup -

„Eine Seligsprechung geht nicht ohne lebendige Erinnerung“, sagte Pfarrer i.R. Ewald Spieker im Pfarrzentrum St. Clemens. Deshalb sei die neue „alte“ Ausstellung über das Leben und Wirken von Kaplan Bernhard Poether auch so wichtig und für jedermann, besonders Schulklassen geöffnet. Über das Konzentrationslager Dachau, in dem Poether am 5. August 1942 seinem Leiden durch die Nationalsozialisten erlag, hat der Historiker Prof. Karl Hüser treffend formuliert: „Das Konzentrationslager Dachau hat in Hiltrup ein konkretes Gesicht. Es heißt Bernhard Poether.“

Freitag, 14.06.2019, 15:36 Uhr aktualisiert: 14.06.2019, 19:00 Uhr
Hans Muschinski, Pfarrer Mike Netzler, Monika Kaiser-Haas, Ewald Spieker und Mitglieder des Arbeitskreises Bernhard Poether eröffneten die Ausstellung im Pfarrzentrum St.-Clemens. Foto: Peter Sauer

Die Ausstellung über das Leben von Kaplan Bernhard Poether wurde zwischen 1995 und 1997 dreimal in Hiltrup gezeigt und verschwand dann in der Versenkung. Rund zehn Jahre wurde nach jenen Unterlagen gesucht, die Elisabeth Egger und Karl Schmidt damals erarbeitet hatten. Anfang 2019 tauchte die Poether-Ausstellung genauso überraschend wieder auf wie sie damals verschwunden war.

Bis Anfang Juli hängt sie nun mit spannenden Briefwechseln und vielen unbekannten Bildern im Pfarrzentrum St. Clemens. Pfarrer i.R. Ewald Spieker eröffnete die Ausstellung am Mittwochnachmittag vor rund 30 Besuchern. „Heute vor 90 Jahren wurde Anne Frank geboren. Wie Bernhard Poether hat sie ihr Leben hingegeben in der Hoffnung, den Nationalsozialismus überwinden zu können.“

Es werden spannende Originaldokumente gezeigt.

Es werden spannende Originaldokumente gezeigt. Foto: Peter Sauer

Spieker gab die Berichte von KZ-Mithäftlingen wieder. Demnach habe Kaplan Poether im KZ nie um seine Freilassung gebetet, sondern darum „das Gottes Wille geschehe“. Spieker erinnerte kurz an Leben und Wirken von Poether, der mit sechs Jahren mit seiner Familie nach Hiltrup kam, und bedankte sich bei dem Arbeitskreis Bernhard Poether, der sich im Herbst 2008 gründete, um die Erinnerung an den am 5. August 1942 an der Folgen seiner Inhaftierung im KZ Dachau verstorbenen Poether wachzuhalten. Pfarrer Spieker dankte auch dem Ehepaar Rita und Hans Muschinski, welche die historischen Dokumente und Fotografien von Familie Egger bekommen haben und für die Ausstellung aufbereitet und gerahmt haben. „Wir haben die Schulen eingeladen, die Ausstellung zu besuchen“, sagte Ewald Spieker, „es wird Führungen geben, die auch andere Besuchergruppen buchen können“.

Monika Kaiser-Haas unterrichte 21 Jahre als Lehrerin an der Ludgerus-Grundschule. In ihrer kleinen Rede zur Eröffnung der Ausstellung betonte sie die auch 2019 wichtige Bedeutung historischer Wissensvermittlung am Beispiel couragierter Menschen wie Kaplan Poether. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie damals mit jeder Schulklasse sowohl die alte wie die neue St.-Clemens-Kirche besucht habe, um die Urne von Bernhard Poether zu sehen. Ein Karton mit weiteren Erinnerungsstücken an Bernhard Poether soll noch ausgewertet werden, ergänzte Kaiser-Haas.

Bernhard Poether.

Bernhard Poether. Foto: Peter Sauer

Auch Pater Alfred Bell kam zur Ausstellungsreöffnung. Der Geistliche beschäftigt sich mit der Seligsprechung von Bernhard Poether, Die Pfarrei St. Clemens hatte im April 2017 die Bitte an Bischof Genn herangetragen, eine Seligsprechung Bernhard Poethers zu prüfen und dazu 1 500 Unterschriften überreicht.

Bell erörterte mit den AK-Mitgliedern das weitere Vorgehen und welche Dokumente und Prozesse noch nötig sind. „Nicht alle im KZ gestorbenen können selig oder heilig gesprochen werden“, sagte Alfred Bell, „aber jeder, der es verdient hat“. Er lobte die sehr engagierte Arbeit des Arbeitskreises. Besonders die Ausstellung zeige, wie sehr Kaplan Poether in der Gemeinde verehrt werde.

Die Ausstellung regt zu Gesprächen an.

Die Ausstellung regt zu Gesprächen an. Foto: Peter Sauer

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