Informationsveranstaltung zum Baugebiet Kirschgarten
In Handorfs Mitte wird es eng

Münster-Handorf -

Großer Andrang bei der Informationsveranstaltung zum neuen Baugebiet am Kirschgarten. Das Stadtplanungsamt nahm viele kritische Hinweise der Anwohner mit. Die Planung soll in Kürze beginnen.

Dienstag, 12.02.2019, 09:00 Uhr
Das Stadtplanungsamt präsentierte den Teilnehmern der Informationsveranstaltung in der Matthias-Claudius-Schule ein „Umgebungsmodell“: Die kahle Fläche in der Mitte des Modells soll in Kürze als Wohngebiet geplant werden. Foto: spe

Sollen im künftigen Baugebiet am Kirschgarten wirklich über 365 Wohneinheiten entstehen? Die Frage wurde bei der Informationsversammlung in der Matthias-Claudius-Schule kontrovers diskutiert. Die stattliche Zahl sei korrekt, wenn man sie „grundsätzlich hochrechnet“, meint Sonja Gierecker vom Stadtplanungsamt. 55 Wohneinheiten pro Hektar: Das ist die Vorgabe der Stadt für die Außenstadtteile – und das Gelände rund um die alten TSV-Sportstätten ist 6,64 Hektar groß.

Die Netto-Wohnfläche des Gebiets sei jedoch mit Sicherheit kleiner. Zum einen werde die Renaturierung des Juffernbachs in Höhe des Bürgerbads nicht wenig Fläche verbrauchen. Zum anderen werden auch ein Spielplatz, ein Regenrückhalte­becken und die Bestands­bebauung einkalkuliert.

Wie viele Häuser und Wohnungen in Handorfs Mitte wirklich neu gebaut werden können, müsse noch ermittelt werden. Das sei die Aufgabe eines privaten Planungsbüros, das demnächst mit der Arbeit beginne, und das in ein paar Monaten erste Ergebnisse vorlegen dürfte. „Es muss ein gutes Konzept werden“, betont Gier­ecker, „da werden wir nicht auf die letzte Wohneinheit schauen.“ Ein Drittel Mehrfamilienhäuser, zwei Drittel Einfamilienhäuser – das sei eine denkbare Mischung.

Das große Interesse an der von Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek moderierten Veranstaltung zeigt, dass die Anlieger des eng umschlossenen Gebiets noch vor Beginn der Planung unbedingt gehört werden möchten. Zahlreiche Hinweise werden ins Protokoll aufgenommen. Das dringendste Problem ist offenbar die Zufahrt: Bitte nicht ausschließlich über den Kirschgarten – das fordern viele Anlieger. Die Straße sei jetzt schon zu eng, und bei Veranstaltungen im Heimathaus werde es sich künftig noch stärker knubbeln. Auch eine Erschließung über die Hobbeltstraße möge deshalb geprüft werden. Mit Fertigstellung der Umgehungsstraße werde sich das Verkehrsproblem in Handorf entspannen, versichert Martina Klimek.

Manche Teilnehmer äußern die Befürchtung, dass Handorf zu einer reinen Schlafstadt werden könnte. Und tatsächlich sind im neuen Baugebiet grundsätzlich weder großflächiger Einzelhandel noch öffentliche Einrichtungen geplant. Über ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt werde allerdings nachgedacht, betont Sonja Gier­ecker; geförderter Wohnungsbau sei ebenso vorgesehen wie ein Flüchtlingsheim, das laut Ratsbeschluss in jedem Neubaugebiet entstehen muss.

Die Grundstücke werden von der Stadt vermarktet – wie und zu welchen Preisen, steht noch nicht fest. Für einige Handorfer ist mit dem neuen Baugebiet die Hoffnung verbunden, künftig auch in der Nachbarschaft bezahlbaren Wohnraum zu finden und nicht ins Umland ziehen zu müssen.

Die Stadt will das Versammlungsprotokoll nun den Planern zur Verfügung stellen. „Wir treffen uns wieder, wenn das Büro seine Planung vorstellt“, verspricht Martina Klimek.

Kommentar zum Baugebiet Kirschgarten: Eng, aber nicht günstiger

Die Nachbarn des künftigen Baugebiets am Kirschgarten sollten sich keine Illusionen machen: Die Zeiten, in denen die Stadt Münster auf einem Hektar Fläche 20 bis 25 Wohneinheiten unterbrachte, sind vorbei. Mehr als das doppelte wird jetzt von vornherein einkalkuliert – das heißt, alle Sorgen um Zufahrtswege und Nahversorgung sind mehr als berechtigt.Es wird enger, nicht günstiger: Der Bodenrichtwert für diesen Bereich liegt derzeit bei 380 bis 390 Euro pro Quadratmeter. Für die zwei kleinen Grundstücke des früheren Feuerwehr-Gerätehauses an der benachbarten Heriburgstraße hat die Stadt unlängst ein Mindestgebot von 460 Euro pro Quadratmeter gefordert – und dem Vernehmen nach deutlich mehr dafür erhalten. Dieser Trend dürfte sich am Kirschgarten fortsetzen.Ob das Baugebiet im Herzen Handorfs ein Erfolg wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Handorfer es sich leisten können, dort zu wohnen. Das sollten Politik und Verwaltung bei aller Planung bedenken.

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Lukas Speckmann

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