Vogelfreunde vermissen Schwärme
Kraniche meiden das Münsterland

Münster-Coerde -

Weite Felder, ein kleines Wäldchen und der rote Glanz der untergehenden Abendsonne – fast ist das Landschaftsbild perfekt. Lediglich ein paar Vögel am Horizont fehlen für die makellose Abendidylle in den Rieselfeldern.

Sonntag, 05.11.2017, 21:06 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 05.11.2017, 17:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 05.11.2017, 21:06 Uhr
Die Kraniche treten ihre Reise in den Süden im Vergleich zu anderen Zugvögeln erst spät an. Solange Felder und Gewässer noch ausreichend Futter bieten, bleiben viele Tiere in Deutschland. Foto: dpa

Dass sich Vogelfreunde – anders als in den Jahren zuvor – in den Rieselfeldern derzeit kaum an den gen Süden ziehenden Kranichen am Himmel erfreuen können, ist kein Zufall. Ungünstige Wetterverhältnisse sorgen dafür, dass mehrere Tausend Kraniche ihre Zugroute in Richtung Ostwestfalen verlagern und das Münsterland meiden.

Hans-Uwe Schütz, Sprecher der Biologischen Station in den Rieselfeldern, erklärt, mit welchem Problem die Kraniche zu kämpfen haben: „Es fehlt der Rückenwind. Starke Regenfälle und Winde in nordöstlicher Richtung machen den Flug in den Süden zu kräfteraubend für die Kraniche.“

Kraniche in „einem echten Dilemma“

Etwa 45.000 Tiere befinden sich derzeit noch in der Diepholzer Moorniederung, die einige Kilometer nördlich des Teutoburger Waldes liegt. Dort rasten die Kraniche bevor sie ihre Reise in Richtung Frankreich oder die Region Extremadura im Südwesten Spaniens starten. „Die Kraniche befinden sich in einem echten Dilemma“, erläutert Schütz. „Durch die recht milde Witterung gibt es im Moment noch genug Futter, etwa auf den frisch geernteten Maisfeldern oder die letzten Insekten. Gleichzeitig bleibt allerdings die Angst vor Frost und Schnee, wenn die Kraniche die Region zu spät verlassen.“

Wer den Kranichzug live erleben will, muss auf die passende Witterung warten.

Wer den Kranichzug live erleben will, muss auf die passende Witterung warten. Foto: dpa

Einige Tiere nehmen deswegen eher ungünstige Bedingungen in Kauf und fliegen trotz Winden in Richtung Osten schon los. „Die aktuelle Witterung führt dazu, dass sich die Route der Kraniche auf den Raum Bielefeld verlegt. Sobald es trocken ist, fliegen kleinere Schwärme los. Das kann auch bei Nacht passieren“, sagt Schütz.

Enttäuschung in den Rieselfeldern

Für die Ornithologen und Vogelfans der Rieselfelder bedeutet das eine Enttäuschung. Eine größere Anzahl von Kranichen wurde im Münsterland zuletzt am 19. Oktober gesichtet. Etwas mehr als 1400 Tiere waren an diesem Tag unterwegs – eine verschwindend geringe Zahl, wenn man etwa den Vergleichswert aus Hessen mit 37.000 Kranichen an diesem Tag betrachtet.

„Manchmal ziehen die letzten Kraniche erst im Januar“, erklärt Schütz. „Kraniche sind die Zugvögel, die als letztes verschwinden und als erstes zurückkommen. Es gab sogar schon den Fall, dass die in den Süden ziehenden Kraniche den Rückkehrern aus dem Norden entgegengekommen sind.“

Seltene Tiere und Pflanzen in NRW

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  • Der Raufußkauz gilt als gefährdete Art, die in Nordrhein-Westfalen ausschließlich in den Mittelgebirgsregionen vorkommt. Schwerpunktmäßig verbreitet ist die Eulenart noch im Sauer- und Siegerland. Bedroht ist der Raufußkauz durch einen Mangel an geeignetem Lebensraum. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Der Raufußkauz gilt als gefährdete Art, die in Nordrhein-Westfalen ausschließlich in den Mittelgebirgsregionen vorkommt. Schwerpunktmäßig verbreitet ist die Eulenart noch im Sauer- und Siegerland. Bedroht ist der Raufußkauz durch einen Mangel an geeignetem Lebensraum. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Marcin Bielechi
  • Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Europas. Männchen werden 30 bis 75 mm und Weibchen bis zu 40 mm groß. Er kann bis zu acht Jahre alt werden, verbringt jedoch den größten Teil seines Lebens als Larve. Kernvorkommen liegen im Weserbergland – unter anderem im Kreis Lippe –, im Kreis Wesel, im Münsterland, im Bergischen Land sowie am Nordrand der Eifel und im Köln-Bonner Raum.

    Foto: A9999 Andreas Malten/Senckenberg
  • Der Wanderfalke ist das schnellste Lebewesen der Erde. Im Sturzflug erreicht er spektakuläre Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometer pro Stunde. Zum Vergleich: Formel 1-Wagen erreichen Höchstgeschwindigkeiten von gut 340 Kilometer pro Stunde. Vorkommen: Bochum, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim/Ruhr Oberhausen und Kreis Recklinghausen.

    Foto: Bernhard Volmer
  • Der Weißstorch ist ein wahrer Weltenbummler: Er überwintert im tropischen Afrika und kehrt jedes Jahr im April aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück, um zu brüten und Junge zur Welt zu bringen. Vor allem im Kreis Minden-Lübbecke kann man den bis zu 110 cm großen Schreitvogel durch feuchte Wiesen und Weiden schreiten sehen.

    Foto: Walter Weigelt
  • Noch in den 80er Jahren kamen Feldhamster auf dem Gebiet der ehemaligen DDR so häufig vor, dass ihr Fang staatlich organisiert werden musste. Heute hingegen ist der Nager in der gesamten EU eine streng geschützte Art. Aktuell ist nur noch eine einzige Feldhamsterpopulation im Zülpicher Raum im Kreis Euskirchen bekannt. Der Gesamtbestand liegt bei unter 50 Tieren.

    Foto: Uwe Anspach
  • Der Uhu ist die größte europäische Eulenart. Er kann seinen Kopf bis zu 270 Grad drehen. Vom Menschen ausgerottet, ist der Uhu heutzutage vor allem in den Mittelgebirgsregionen Nordrhein-Westfalens wieder weit verbreitet, so zum Beispiel schwerpunktmäßig im Teutoburger Wald, im Sauerland sowie in der Eifel.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Weil die Menschen früher glaubten, der Schwarzstorch bringe Unglück, und wegen seines edel-schimmernden Gefieders, wurde er mancherorts fast ausgerottet. In Nordrhein-Westfalen tritt der Schwarzstorch seit 1978 wieder als Brutvogel auf. Sein Vorkommen beschränkt sich auf die Mittelgebirgsregionen des Weserberglandes, des Siegerlandes, des Bergischen Landes und der Eifel.

    Foto: Frm
  • Weil er sich auf Nahrungssuche durch den Sand kaut, heißt dieser kleine Fisch Steinbeißer. Die aktuell bekannten Vorkommen sind lückenhaft über NRW verteilt. Der Schwerpunkt liegt jedoch in den Bächen der Münsterländer Bucht und im Wesereinzugsgebiet.

    Foto: Bezirksregierung
  • Das Leberblümchen wurde im Mittelalter zur Heilung von Leberleiden eingesetzt und blüht nur eine Woche. In NRW kommt die Pflanzenart neben dem Teutoburger Wald noch in den Kalkgebieten von Weser und Diemel, im östlichen Hochsauerland sowie in den Beckumer Bergen vor. Es gilt als „besonders geschützt“ und darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

    Foto: Marion Nickig
  • Der Feuersalamander darf heutzutage weder eingefangen noch verletzt oder gar getötet werden. Das sahen die Menschen im Mittelalter noch ganz anders: Sie glaubten, der Feuersalamander besäße die Gabe, Brände zu löschen. Also warf man ihn ins Feuer, wenn es irgendwo brannte. Neben dem Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es größere Vorkommen des schwarz-gelben Lurches vor allem im Weserbergland, der Eifel und dem Niederrhein.

    Foto: David Ebener
  • Die Europäische Wildkatze wird fälschlicherweise oft als Vorfahre aller heimischen Hauskatzen bezeichnet. Aber schon beim Aussehen gibt es Unterschiede: Die Wildkatze hat ein gelblichgrau bis bräunlich gefärbtes Rückenfell, das mit einem undeutlichen schwarzen Tigermuster gezeichnet ist. Sie ist eine hochmobile Art, deren Bestände sich in großen Waldgebieten wie dem Rothaargebirge, dem Egge-Gebirge oder der Eifel erholt haben.

    Foto: A3587 Ronald Wittek
  • Sein dichtes Fell war ein begehrter Pelz, sein Fleisch galt als ”Fisch” und durfte somit auch in der Fastenzeit gegessen werden: Zur Hoch-Zeit der Otterjagd erlegten Jäger noch vor dem Ersten Weltkrieg allein in Westfalen mehr als 10.000 Exemplare pro Jahr. Der Fischotter galt in NRW offiziell als ausgestorben oder verschollen. Seit 2009 gibt es eine Population aus wenigen Tieren mit Reproduktionsnachweis im Kreis Coesfeld.

    Foto: Patrick Pleul
  • Mit einer Körpergröße von 53 bis 58 Zentimetern ist der Große Brachvogel die größte in Mitteleuropa brütende Watvogelart. Ob sich der Große Brachvogel weiter im Bestand erholen wird, ist noch nicht vorhersagbar, denn er ist vom Klimawandel besonders betroffen. Verbreitungsschwerpunkte sind das Münsterland und Ostwestfalen.

    Foto: Thomas Starkmann
  • Wer in Aachen genau hinschaut, kann sie mit viel Glück - es gibt nur etwa 75 Exemplare - an Mauern, Felswänden oder Holzbalken entlangklettern sehen: die Mauereidechse, die ihrem ausgeprägten Klettervermögen auch ihren Namen verdankt. In NRW kommt die Mauereidechse natürlicherweise nur in der Eifel, dem Siebengebirge sowie im Einzugsbereich des Rheins bis Höhe Bonn vor.

    Foto: A3471 Boris Roessler
  • Mit seinem exotischen Aussehen macht der Eisvogel seinem Beinamen „fliegender Edelstein“ alle Ehre. Leverkusen und Umgebung bilden wichtige Lebensräume für den Eisvogel. Dort brütet er bevorzugt an vegetationsfreien Steilwänden aus Lehm oder Sand in selbst gegrabenen Brutröhren.  

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Sie kann vergiften – aber auch heilen. Früher wurde die Herbstzeitlose als Mittel gegen die Pest um den Hals getragen – ohne Erfolg. Heute werden ihre Wirkstoffe zielführender in der Therapie von Gicht angewendet. Nur essen sollte man die Pflanze nicht, weil ihre Wirkstoffe höchst giftig sind. Die Herbstzeitlose ist heute laut Roter Liste eine äußerst gefährdete Pflanze. Dem Krokus sehr ähnlich kommt das Liliengewächs in der Urdenbacher Kämpe in Düsseldorf vor.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Die Ringelnatter hat ein beeindruckendes Repertoire an Abwehrmechanismen. Trifft sie auf einen Feind bläht sie sich auf, faucht, setzt Scheinbisse ein und sondert ein übel riechendes Sekret ab. Hilft das alles nichts, legt sie sich auf den Rücken, zeigt ihre Zähne und stellt sich tot. Auf gar keinen Fall sollte man das ungefährliche Tier töten. Nach dem Bundesartenschutzgesetz ist die Ringelnatter nämlich besonders geschützt. Die Ringelnatter kommt verstärkt nur noch in den Mittelgebirgen unseres Landes vor, zum Beispiel im Bonner Kottenforst.

    Foto: Annika Keil
  • Im antiken Griechenland galt sein Gesang als Unglücksbringer und als Vorbote eines nahen Todes. Wer den Gesang jedoch heute hört, kann wohl eher von einem Glücksfall sprechen. Denn das Rufen des Raufußkauzes ertönt nur noch äußerst selten - schwerpunktmäßig im Sauer- und Siegerland.

    Foto: Axel Roll
  • Sein leuchtend rotes Kopfhaar erinnert aufgestellt an einen Irokesen. Leider kann man den agilen und quirligen Mittelspecht nur noch selten beobachten. Der Kreis Warendorf ist einer der bevorzugten Lebensräume des Mittelspechts.

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Tagsüber ist er fast nicht zu entdecken: Das graubraune Gefieder des Ziegenmelkers hebt sich kaum vom Untergrund ab, wenn er regungslos auf Zweigen oder am Boden sitzt. In der Regel hört man ihn nur nachts, wenn sein markantes und lang andauerndes monotones Schnurren erklingt. In NRW kommt der Ziegenmelker nur noch sehr lokal vor, zum Beispiel auf dem ehemaligen Flughafengelände Elmpt im Kreis Viersen, in der Wahner Heide bei Köln oder auf den Truppenübungsplätzen in der Senne.

    Foto: Reinhard Walther
  • Vor 80 Jahren kam er überall in NRW vor und machte insbesondere durch seine nächtlichen Konzerte auf sich aufmerksam. Doch mit zunehmenden Landschaftsveränderungen verstummte der Laubfrosch vielerorts. 1979 wurde er in der Roten Liste der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft, 1986 sogar als „vom Aussterben bedroht“. Heute ist der „Froschkönig“ jedoch auf gutem Wege, wieder auf die Sprünge zu kommen, vor allem im Kreis Unna.

    Foto: Stefan Sauer
  • Seit knapp 500 Jahren spielt die Arnika eine Rolle in der europäischen Medizin: Ihre sonnengelben Blüten werden äußerlich angewendet, zum Beispiel bei Prellungen, rheumatischen Beschwerden oder Entzündungen im Rachenraum. 2001 wurde sie „Arzneipflanze des Jahres“ und war zwischenzeitlich als Arzneipflanze so begehrt, dass die Art kurz vor dem Aussterben stand. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist einer der bevorzugten Lebensräume der Arnika.

    Foto: verschiedene
  • Die Grauammer fühlt sich wohl im offenen Ackerland, wo sie inmitten der Felder brüten und dort auch ihre Nahrung suchen kann. Ehemals kam sie flächendeckend in NRW vor, gab nach dem großräumigen Verlust geeigneter Habitate jedoch weite Bereiche des Landes als Bruträume auf. Heute ist sie nur noch sehr lokal in NRW zu finden, und zwar in den ausgedehnten Bördelandschaften im Raum Zülpich und Jülich sowie in den Vogelschutzgebieten ‚Hellwegbörde’ und ‚Unterer Niederrhein’.

    Foto: Joachim Weiss
  • Der Name ist Programm: Die Gelbbauchunke fällt auf durch ihre hellgelb bis orange gefärbte Bauchseite mit dunkleren Flecken. Sie ist ein kleiner Froschlurch, der eine Länge von nur 3,5 bis 4,5 Zentimeter erreicht und in Nordrhein-Westfalen seine nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Hier kommt die Gelbbauchunke vor allem im Rheinisch-Bergischen-Kreis in den Randlagen der Mittelgebirge vor. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Jochen Lübke

Tipps für Vogelfreunde

Schütz hat deswegen ein paar Tipps, mit denen Vogelfreunde aus dem Münsterland den Kranichzug vielleicht doch noch live erleben können: „Wer Kraniche über das Münsterland ziehen sehen möchte, muss nicht früh aufstehen“, erläutert Schütz. „Die Tiere starten in den Morgenstunden und erreichen unsere Region meistens erst mittags.“ Wichtig sei weiterhin trockenes Wetter mit Winden in südwestlicher Richtung.

Kraniche am Himmel erkennen

Wer den Kranichzug beobachten möchte, sollte genau hinsehen. Denn Kraniche und Wildgänse haben ähnliche Zugrouten und Rastgebiete. Beide Vogelarten fliegen häufig in Keilform, um durch den Windschatten Energie zu sparen. Im Gegensatz zu Wildgänsen legen Kraniche aber öfter Segelphasen ein. Zudem unterscheiden sich die Arten in ihrer Silhouette. Mit einer Spannweite von 180 bis 222 Zentimetern sind Kraniche größer als Wildgänse (circa 175 Zentimeter). Kranichflügel zeichnen sich durch ihre eckige Form und lange, gespreizte Federn an den Spitzen aus. Die langen Beine ragen im Flug über die Schwanzfedern hinaus.  

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