„Du bist ich. Töte mich“ im neuen Atheater
Multilinguale Revolte

Münster -

Wenn man unbedingt das Ziel erreichen möchte, dann hat man eine Chance – sonst nicht. Die Chancen für die Premiere von „Du bist ich. Töte mich“ standen denkbar ungünstig . . .

Dienstag, 25.06.2019, 13:52 Uhr aktualisiert: 25.06.2019, 19:02 Uhr
Maria Bayarri Perez und Andrej Lazarev spielten trotz widriger Umstände die Premiere von „Du bist ich. Töte mich“. Foto: Ulrich Coppel

Wenn man unbedingt das Ziel erreichen möchte, dann hat man eine Chance. Sonst nicht. Die Chancen für die Premiere von „Du bist ich. Töte mich“ standen denkbar ungünstig. Mit der ursprünglich eingeplanten Cellistin nebst Gitarrist ließ sich kein gemeinsamer Termin finden. Und dann verletzte sich kurz vor der Premiere auch noch Tänzerin Maria Bayarri Perez während der Aufführung eines anderen Stücks im Theater Münster .

Doch Andrej Lazarev (Schauspieler und Regisseur zugleich) war die Inszenierung der Gedichte der rumänischstämmigen Autorin Rodica Draghincescu derart wichtig, dass so ziemlich alles improvisiert werden musste. Und es gelang. In der Hitze des ausverkauften kleinen Atheathers an der Steinfurter Straße erzeugten Lazarev und die trotz Verletzung – zur Musik von einer CD – tanzende Maria Bayarri Perez bei der Premiere beklemmende Intimität und Verstörung.

Allzu leicht hätte die Inszenierung der avantgardistischen Gedichte grenzenlos pathetisch wirken können. Doch Lazarev formte aus der „philosophischen Revolte“, wie Rezensent Karlhans Frank den im Jahr 2018 erschienenen Gedichtzyklus „Du bist ich. Töte mich“ nannte, eine multilinguale Revolte aus gesprochener Lyrik, Körpersprache, Tanz und Musik. Deutlich spürte man seine innere Verbundenheit zur heute in Frankreich lebenden Draghinc­es­cu. Ihr gemeinsames Schicksal: die Migration. Lazarev ist Russe und emigrierte aus seiner kasachischen Heimat nach Deutschland. Seit Jahren führen er und Draghincescu intensive Konversationen. Entwurzelung, Zerrissenheit, sich zurecht finden in einer anderen Sprache und Umwelt: Das sind die Themen, die sie verbinden. Maria Bayarri Perez spiegelte Lazarevs Worte in zarten Bewegungen: „Du bist ich.“ Dazu gab es Musik von Bach und Piazzolla.

„Der zweite Aufführungstermin am 30. Juni ist wegen Perez Verletzung noch nicht sicher.“ Das sagte Lazarev in der anschließenden Diskussion: „Aber im Herbst planen wir weitere Aufführungen, dann auch mit der Cellistin und dem Gitarristen.“ Aktuell werden außerdem Bilder und Zeichnungen von Karina Wiebe im Atheater ausgestellt.

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Infos: 0152 / 53 77 41 78

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