Orgelmusik im Dom
Zwischen Virtuosität und Sensibilität

Münster -

In der Orgelkonzertreihe zur Osterzeit war am Samstagabend der Berliner Domorganist Andreas Sieling im Paulus-Dom zu Gast. Den Schwerpunkt bildete französische Orgelmusik des 19./20. Jahrhunderts. Mit seinem dramaturgisch hervorragend konzipierten Programm konnte er sowohl seine Virtuosität als auch sein tiefes musikalisches Verständnis demonstrieren.

Sonntag, 26.05.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 27.05.2019, 18:05 Uhr
Andreas Sieling Foto: Stutzinger

Umrahmt wurde das Programm von verschriftlichten Improvisationen Charles Tournemires: Groß angelegte Werke über die gregorianischen Melodien des „Te Deum“ und der Ostersequenz „Victimae paschali laudes“.

Die stürmische Kühnheit des Komponisten, die Dramatik des Sujets und die Lust an der Farbigkeit des Orgelklanges – all dies vereinte Sieling zu ausgezeichneter Orgelkunst. Die Improvisationen wirkten wie im Moment geborener Wille des Musikers. Beeindruckend.

Im Zentrum des Konzerts César Francks letztes vollendetes Orgelwerk: der Choral a-moll von 1890. Die von Choralbearbeitungen Johann Sebastian Bachs beeinflusste Komposition kulminiert in einer glanzvollen und höchst dramatischen Apotheose. Vollgriffig und mit Sensibilität für dynamische Differenzierungen überzeugte Andreas Sieling auch hier. Zwiebelschalen gleich hatte der Organist Francks Choral durch zärtlich intime und zugleich verspielte Berceusen Louis Viernes und des legendären Orgelimprovisators Pierre Cochereau umrahmt.

Auch die nächste „Schale“ bildeten verwandte Werke: von Karl Straube im Sinne der spätromantischen Klanglichkeit bearbeitete Passacaglia-Vertonungen von Kerll und Muffat. In den sensibel registrierten Variationsreihen über gleichbleibende Bassverläufe zeigte der Gastorganist an der Klais-Orgel, welch kluge agogische Qualitäten er besitzt. Diese „kleinen“ Bearbeitungen gerieten zum Ereignis. Mit anhaltendem Applaus bedankte sich das offensichtlich begeisterte Publikum.

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