Jazzkonzert beim Westfälischen Kunstverein „Myanmar meets Europe“
Musik scheinbar ohne Anfang und Ende

Münster -

Manchmal scheinen Kulturen ein und desselben Jahrhunderts durch Jahrtausende getrennt. Als der Saxofonist Jan Klare das Konzert „Myanmar meets Europe“ im Auditorium des LWL-Museums für Kunst und Kultur eröffnete, sprach er über den Kulturaustausch, den er mit dem Bassisten Tim Isfort auf dessen Initiative hin mit dem südostasiatischen Myanmar unternommen hatte. Der konzertante Untertitel „A New Way of Unison“ (Eine neue Art des Unisono) zielte dabei laut Klare auf eine musikalische Technik, nach der Melodien von den Instrumentalisten gespielt und gleichzeitig interpretiert werden. Tatsächlich stützt sich das reiche Repertoire myanmarischer Musiker auf ihre klassische Vokalmusik, Liederhandschriften, Zeremonien-, aber auch Lehrlieder, Gesänge zu Festlichkeiten, höfische Lieder wie Klage- und Liebeslieder. Eine gewisse Stereotypie der Melodien und Vorschriften für die Instrumentalbegleitung sind für diese Musik typisch.

Sonntag, 03.03.2019, 16:22 Uhr
Saxofonist Jan Klare, Htun Oo mit der birmanischen Oboe, Tim Isfort am Kontrabass und Ne Myo Aung (Klavier) ließen traditionelle Musik aus Myanmar und europäische Jazzklänge verschmelzen. Foto: Günter Moseler

Der Reiz des Konzerts bestand gerade in der Klangkreuzung in der Kombination der von Htun Oo hochvirtuos gespielten „birmanischen Oboe“ (hnè – hnai - nay) und dem Saxofon, das Klare sich in Artikulation und Phrasierung der Oboe annähern ließ. Dabei behauptete der nasale, leicht dudelsackähnlich gefärbte Klang der Oboe instrumentale Lufthoheit und schien im Labyrinth komplexer Rhythmik an Ritus und religiöse Zeremonien zu erinnern. Der musikalische Gestus blieb expressiv und verhinderte spielend den Eindruck exhibitionistischer Virtuosität. Ne Myo Aung zelebrierte am Klavier exotische Mischklänge, die in ihrer gläsernen Textur dem Klang des Gongkreises „kyì-waìng“ ähnelten, ein melodiefähiges Schlaginstrument des klassischen Hsaìng-waìng-Ensembles. Aung sang auch traditionelle Lieder – deren Inhalte, ebenso wie einige Liedertitel, man gerne erfahren hätte.

Tim Isforts Kontrabass fädelte sich mit elegantem Laissez-faire ins melismatische Zwiegespräch des Ensembles ebenso ein wie in abschüssige Drive-Sentenzen, wobei variierte Klopfmotive am Bass-Korpus den Effekt myanmarischer Schlaginstrumente imitierten und manchmal Basstöne wie große Seifenblasen vorbeischwebten.

Strophisch strukturierte Phasen, Zwischenspiele, das Fehlen konkreter Entwicklung, das Rasende wie abrupte Schlüsse verwiesen auf asiatische Ursprünge. Eine wie ins Offene treibende Musik, die eigentlich keinen Anfang und kein Ende kennt. Die westlichen Kollegen hielten sich zurück – ein bemerkenswerter Fall musikalischer Solidarität gegenüber einer Musik, die doch fremd war und voll berauschtem Eigensinn. Herzlicher Beifall.

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