Stephan Us lädt 2019 zum Festivalreigen „Pssssst!“ um Stille und Schweigen ein
Nichts ist so schwierig

Münster -

Hyper, Hektik, Hysterie, mehr Stress als derzeit gab es nie. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Mensch von heute kaum noch Stille aushält. Die Zeitung „Die Zeit“ fragte vor einem Monat in ihrem Dossier: „Wie viel Stille ertragen wir?“ Stephan Us lässt es drauf ankommen. Der münsterische Künstler organisiert für das Jahr 2019 den Festival-Reigen um Stille und Schweigen: „Pssssst!“.

Montag, 14.01.2019, 21:52 Uhr aktualisiert: 14.01.2019, 22:00 Uhr
Stephan Us beschäftigt sich als Künstler seit 20 Jahren mit dem „Nichts“ – hier die „Nichts“-Fahne auf der das „I“ (englisch für „Ich“) fehlt. Dieses Jahr widmet sich der Münsteraner der Stille und fordert zum Mitmachen auf. Foto: Gerhard H. Kock

Der Sozialpsychologe Timothy Wilson (Virginia) zahlte Geld dafür, dass sich Probanden 15 Minuten auf einen Stuhl in einem leeren Raum setzten. Es gab darin einen Knopf, mit dem man sich einen Elektroschock verpassen konnte. Zwei Drittel der Männer (ein Viertel der Frauen) setzte sich lieber unter Strom, als die Stille auszuhalten . . . Auf der anderen Seite schaffte es der „A a a a a Very Good Song“ von Samir Mezrahi bis auf den 35. Platz der iTunes-Charts, die darüber Auskunft geben, welche Songs sich auf der Musikplattform am besten verkaufen: der „Song“ besteht aus zehn Minuten Stille.

„Stille“ ist in einer lärmenden Welt ein Thema. Und das will Stephan Us, der sich als Künstler seit 20 Jahren mit dem „Nichts“ beschäftigt, in den nächsten zwölf Monaten mit Vorträgen, Theater und Performances erhellen. Das Festival wird am Mittwoch ab 12 Uhr mit der „Nothing“-Performance in Höhe Geomuseum/Skulptur-Projekt „study garden“ (Jesuitengang) eröffnet. Der 16. Januar ist nicht nur der „Internationale Tag des Nichts“, sondern (wirklich zufällig) zugleich der 53. Geburtstag des Künstlers . . .

Es gehe nicht um „die Romantisierung von Stille“, so Us. Eher um die Erkundung und das Erlebnis von deren Vielfalt. Er appelliert, dass sich Interessierte mit Texten, Ideen, Austausch beteiligen und mitwirken, dass „aus einer individuellen Erfahrung von Stille eine kollektive wird“.

Einige Veranstaltungen stehen bereits fest: So wird Rob Sweere sein weltweites „silent sky project“ anbieten: Menschen liegt auf einem Platz auf dem Rücken und schauen eine halbe Stunde lang in den Himmel. Das „Sabine Seume Ensemble“ führt sein Tanztheater „Stille“ für Kinder ab fünf Jahren auf. Und nicht zuletzt wird Stephan US in seiner beichtstuhlartigen Rotunde „united silence“ zum Erlauschen von Atempausen einladen. Bei „Lulu banal“ sollen an einer 20 Meter langen Tafel 100 Menschen miteinander schweigend ein Mahl einnehmen.

Am 17. März findet in Bali der „Nyepi“, der Tag der Stille statt, an dem auf der indonesischen Insel das Internet abgeschaltet wird . . . Das wird Us in Münster aktiv begleiten. Wie auch am 30. April den „Internationalen Tag der Stille“. Weitere Performances und Vorträge sind angefragt.

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Wer sich am Festival beteiligen möchte, kann sich an Stephan Us wenden: us@archiv-des-nichts.de

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