Thomas Schmitz’ Orgelkonzert zur Weihnachtszeit
Mit sensiblem Händchen

Münster -

„Die Welt, die im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht“ – dies ist die Weihnachtsbotschaft, musikalisch in Szene gesetzt von dem französischen Komponisten und Organisten Marcel Dupré. Thomas Schmitz machte bei seinem Orgelkonzert zur Weihnachtszeit am Samstag im Dom daraus ein eindrucksvolles Bild. Duprés „Die Welt in Erwartung des Erlösers“: Hämmernde Akkorde repräsentieren anfangs das Chaos, am Schluss erscheint der Schöpfer in gleißender Sonne. Kathe-dralmusik par excellence!

Sonntag, 06.01.2019, 16:20 Uhr
Münsters Domorganist Thomas Schmitz Foto: cws

Beschaulicher ist Marcel Duprés Krippenszene („Nativité“) mit näselnden Schalmeien der Hirten und den ankommenden Weisen aus dem Morgenland, das „Adeste fideles“ auf den Lippen – und das visionäre „Lumen Christi“ als flüsternder Hinweis auf Ostern .

Im Spannungsfeld zwischen Hell und Dunkel bewegt sich sogar Johann Sebastian Bachs anmutige „Pastorale“. Auch hier erst die wiegenden Schalmeien, dann trübe Wolken in dunklem Moll, bevor überm Stall von Bethlehem die Sterne zu glitzern beginnen – für solche Dramaturgie hat Schmitz ein sensibles Händchen. Kein Wunder, er kennt „seine“ Orgel wie kaum ein Zweiter. Charmante, poesievolle Farben findet er für Marcel Duprés Variationen über jene Melodie, die hierzulande unter dem Titel „Heller Stern in der dunklen Nacht“ bekannt ist, auch für Gaston Litaize und sein zart fließendes „Lied“.

Litaize, eine Generation jünger als Dupré, orientiert sich hier wie dieser an der Spätromantik. Was ihn aber nicht daran hinderte, Ausflüge in Klangwelten eines Olivier Messiaen zu unternehmen. Mit der rhapsodischen „Épiphanie“-Fantasie zum Beispiel, durchzogen vom Halleluja-Vers des Weihnachtstages. Beide Werke finden sich nur selten auf Konzertprogrammen. Man fragt sich: weshalb? Denn es lohnt die Mühe des Studierens. Dankbare Ohren finden beide, das „Lied“ ebenso wie die „Épiphanie“-Meditation.

Mit Johann Sebastian Bachs festlichem Präludium und Fuge C-Dur (BWV 547) war Schmitz in seinen Orgelabend gestartet – wie so oft bei ihm verschmolzen hier majestätische Klanggestaltung, also eine gebotene Statik des „Orgelsounds“, mit lebendiger Artikulation und Phrasierung, mitunter vielleicht etwas zu frei „atmend“, aber immer überzeugend!

Ganz frei war Münsters Domorganist bei seiner finalen Improvisation über „Gottes Stern, leuchte uns“. Sinfonisch, aleatorisch, ein wenig bizarr – auf jeden Fall funkelnd und glitzernd! Groß war der Beifall im sehr gut besetzten Dom.

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