Robert Nippoldt zeigt seine Kultshow „Ein rätselhafter Schimmer“ im Theater
Vom Bühnenboden ins Große Haus

Münster -

Zwei Männer mit Schiebermütze, Charlestonhose und Al-Capone-Schuh kämpfen sich durch das Treppenhaus des Stadttheaters. Sie tragen ein sehr langes Bild, das einen „Amüsiertempel“ im Berlin der Zwanziger Jahre zeigt, die Treppen hoch – als Teil der neuen Ausstellung des münsterischen Buchkünstlers und Zeichners Robert Nippoldt.

Samstag, 29.12.2018, 08:46 Uhr aktualisiert: 29.12.2018, 08:48 Uhr
Original und Fälschung: Robert Nippoldt (vorne) mit dem Trio Größenwahn und seinen Konterfeis im Theater Münster (von oben: Pianist Christian Manchen, Sängerin Lotta Stein und Bassist Christoph Kopp). Foto: Peter Sauer

Der 41-Jährige veranstaltet im Theater Münster im Rahmen der Reihe „Weimar – Republik der Moderne“ einen kulturellen Dreiklang als Premiere: Am 29. Mai gibt es eine neue und erweiterte Fassung der poetischen Amüsier-Schau „Ein rätselhafter Schimmer“ mit dem Trio Größenwahn und anschließend eine 1920er-Jahre-Party im Theatertreff in Zusammenarbeit mit den Lindy-Hop-Tänzern und -Lehrern Tobias Karsten, „MonSwing“ (Inka Hauptvogel und Musab Ercakir) aus Münster sowie dem Berliner Schellack-DJ Stephan Wuthe.

Begleitend dazu zeigt Nippoldt im oberen Foyer ausgewählte Zeichnungen und Druckgrafiken in Zusammenarbeit mit der Galerie Nettels, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert: „Neben alten und neuen Serigraphien über das nächtliche Berlin zeige ich erstmals die Storyboard-Skizzen, mit dem ich mein Berlin-Buch geplant und konzipiert habe.“ Die zehn Meter breite Szene „Café Berlin“ hat er neu gezeichnet (sie ist nicht in seinem Buch enthalten). Sie wird das Leitmotiv der Ausstellung. Charaktere aus der Weimarer Republik werden auf lebensgroßen Aufstellern zu sehen sein. „Ich werde auch die Seitenfenster des Theaters in meine Arbeiten miteinbeziehen.“

Und was passiert auf der Bühne? „Wir werden politischer“, fasst Robert Nippoldt die neue Schimmer-Show zusammen: „Wir haben harte Nummern im Programm über das Aufkommen des Nationalsozialismus, wie dieser erst unsichtbar wirkte und dann immer sichtbarer die Demokratie unterwanderte. Dabei arbeite ich zum ersten Mal mit UV-Leuchtfarben.“ Auch die dadaistische „Ursonate“ von Kurt Schwitters und das Zwanziger-Jahre-Interesse an fremden Kulturen wie besonders Ägypten werden neue Programmbestandteile.

Noch 2015 spielte Nippoldt vor rund 70 Zuschauern im Kleinen Bühnenboden, 2019 dann im Theater Münster vor 950 Zuschauern. „Für mich ist das wie Carnegie Hall – erfordert aber auch eine ganz neue Technik.“ Nippoldts wieselschnelle Live-Zeichnungen mit Film-Noir-Licht-und-Schatten-Effekten während des unter die Haut gehenden Gesangs von Lotta Stein und dem mitreißenden Swing-Jazz von Bassist Christoph Kopp und Pianist Christian Manchen werden auf einer extra für das Theater konzipierten Leinwand projiziert: „Die ist fünf mal so groß wie sonst!“ Aus wenigen Lidstrichen gezeichnet und mit Stahlfeder veredelt werden dann nicht nur Marlene Dietrich in Männer-Hosen und Josephine Baker im Bananenrock durchs Bild tanzen, sondern auch Politiker und arme Hinterhof-Malocher. Gepaart mit Gassenhauern geht die Zeitreise 100 Jahre zurück zwischen rauschhaftem Exzess und extremer Armut, Emanzipation und Extremismus, Tag und Nacht, Sein und Schein.

Lampenfieber kennt Robert Nippoldt nicht. Die größte Sorge, die ihn umgibt ist, dass auch die Technik funktioniert. „In Hannover ist mal der Beamer heiß gelaufen und ausgefallen. Ich bin dann mit dem Techniker los gerannt und habe im Lager zum Glück einen Ersatzbeamer gefunden.“ Der Fundus im Stadttheater müsste groß genug sein. Übrigens: Im Theatereintritt ist das Entgelt für die 1920er-Jahre-Party schon inbegriffen, Gäste in 20er-Jahre-Garderobe erhalten auf der Party ein Freigetränk.

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Die Vorstellung ist am 29. Mai 2019 im Großen Haus des Theaters, Neubrückenstraße 63. Karten: ' 5 90 91 00 oder online.

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