Jean-Claude Séférian mit „Adieu Charles – Hommage à Aznavour“ im Theater
Westfälisches Stampfen für mehr Chansons

Münster -

Beinahe hätte das Publikum im Kleinen Haus des Theaters alleine singen müssen – Jean-Claude Séférian bekannte: Seine Stimme habe noch am Morgen Pro­bleme gemacht. Dann habe er sich den Rat eines Mitarbeiters hinter der Bühne zu eigen gemacht: „Immer positiv denken“; es funktionierte. Es wurde ein Glanzlicht des französischen Chansons, sein Abend im Gedenken an Charles Aznavour mit Christiane Rieger-Séférian und Jan Klare.

Freitag, 28.12.2018, 18:20 Uhr
Im Kleinen Haus (v.l.): Christiane Rieger-Séférian, Jean-Claude Séférian und Jan Klare Foto: Andreas Hasenkamp

Schon die Eröffnung verriet befreienden Elan nach tagelanger Sorge: „Les Comédiens“ lädt zu den Musikern, Künstlern, Zauberern ein. Aznavour ist musikalisch vielseitig, das frühe Werk „Pour faire une jam“ zeugt davon. Als Conférencier leitete Séférian durch die Lebensphasen Aznavours. „Je m’voyais déjà“ spiegelt die hochfliegenden Pläne und Hoffnungen der Jugend, denen Ernüchterung folgt – bis deren Verarbeitung in eben jenem Lied Frankreich ein erstes Mal begeistert. Hilfreich ist, dass Rieger-Séférian einen Text auch auf Deutsch darbietet, etwa Grönemeyers Übersetzung zu „Mes emmerdes“. Das erschließt leichter die lebensweise Poesie mit ihrer Schlusspointe. Am wenigsten bedarf der Übersetzung „Tu t’laisses aller“ – hier tritt Rieger-Séférian im Bademantel und mit Lockenwicklern an den Flügel und ihr Mann schauspielert dazu.

Aznavour sei unter seinen Idolen das größte, so Séférian, und gern erzählt er, dass er seine Liebe auch in „Paris au mois d’août“ fand. „La Bohème“, „La Mamma“, „Hier encore“, „Mourir d’aimer“ – das Trio bietet reichlich vom Schönsten.

Immer wieder bieten die Arrangements der Chansons den Solisten Gelegenheit zu begeistern, ob Christiane Rieger-Séférians behändes, dynamisches Tastenspiel oder Jan Klares Impressionen an Klarinette oder Saxofon. Erst recht begeistert, wie Flügel und Blasinstrument kongenial zusammenklingen.

Je später der Abend, desto mehr darf das Publikum mitmachen: Dessen „Nathalie“ würdigt Séférian mit „Ihr habt wunderbar gesungen“. Zugabe um Zugabe locken die Zuschauer am Donnerstagabend mit Applaus und westfälischem Stampfen aus dem Aznavour-Trio.

2019 führt ein neues Programm die Séférians durch die Republik: nach München, in die Elbphilharmonie und ins Boulevard-Theater Münster.

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