Vor 150 Jahren ist der Landschaftsmaler Alexander Michelis aus Münster gestorben
Westfalen fürs deutsche Wohnzimmer

Münster -

Unruhige Zeiten. Politische Träume blühen und werden zertreten. Auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte beunruhigende Unübersichtlichkeit für empfindsame Seelen. Und als eine solche muss man sich wohl Alexander Michelis vorstellen. Vielleicht wurde er auch deshalb Künstler. Der Maler wurde am 25. Dezember 1823 (vor 195 Jahren) in Münster geboren und starb vor 150 Jahren, am 23. Januar 1868, als Kunstprofessor in Weimar. Der Münsteraner war dort Nachfolger berühmter Maler wie Arnold Böcklin und Franz von Lenbach.

Freitag, 21.12.2018, 23:13 Uhr aktualisiert: 25.12.2018, 14:48 Uhr
Die Jahreszahl 1849 gibt dieser Stimmung eine Deutung: Im Juni jenen Jahres war die Revolution der Demokraten von 1848 gescheitert. Der empfindsame Landschaftsmaler Alexander Michelis nutzt Elemente seiner münsterländischen Heimat, um Tristesse auszudrücken. Und Trotz: Neben der verdorrten Eiche wuchert ein neuer Busch. Foto: LWL-Landesmuseum

Heute ist Michelis nur wenigen bekannt. Dabei schwärmten seine Zeitgenossen überschwänglich von der Malkunst des Münsteraners: „Schon seine ersten Bilder zeigten eine Meisterschaft der Naturauffassung, wie sie nur den Erwählten eigen ist“, hieß es in der „Allgemeinen Deutschen Biographie“ von 1885 und weiter: „Alle seine Landschaftsbilder zeichnen sich durch schlagende Wahrheit wie durch poetische Empfindung und Composition aus. Gleich treu wußte er den Frieden des Abends, das Leben des Morgens und die Ruhe des Mittags wiederzugeben, immer aus dem lauteren Quell reinen Empfindens schöpfend. Besonders glücklich war er in der Darstellung seiner westfälischen Heimath, deren Charakter er im bunten Wechsel und in einer Weise offenbarte, daß sich darin die Dichtung der Annette Droste-Hülshoff zu spiegeln scheint.“ 1854 befindet ein Wolfgang Müller über Michelis, er sei „nicht allein der Geburt, sondern auch dem feinen künstlerischen Charakter nach ein echter Sohn der rothen Erde“. Er sei „ein Künstler, der aus der schönsten und tiefsten Empfindung schöpft“.

Der Historienmaler Moritz Blanckarts (1839-1883) vermerkt in einem Nachruf: Alexander Michelis „gehört zu den besten Baummalern, die den deutschen Wald mit all seinen Eigenthümlichkeiten gründlich kennen und studirt haben, welche leider immer mehr aussterben, da sich der Geschmack der Menge solchen Bildern gegenüber am theilnahmslosesten verhält“. Seit 1862 vermählt, hinterließ er eine junge Witwe (Schwester der Dichterin Amara George) und drei Kinder.

1845 war Alexander Michelis mit seinem ersten Gemälde „Westfälische Landschaft“ an die Öffentlichkeit getreten. Viele sollten folgen. Nicht immer topographisch korrekt, wie im Stadtmuseums zu sehen ist. Das Bild „Nienberge im Winter“ zeigt die Kirche St. Sebastian. Bedenkt man, dass der Kirchturm im Westen und der Chor im Osten liegen, würde das Licht, wie es Michelis gemalt hat, von Norden einfallen. Dort ist die Sonne bekanntlich nie zu sehen. Aber darum ging es Michelis nicht, sondern um die Stimmung, die eine Landschaft vermittelt. So gelangte Westfalen als Naturidylle, als Stimmungsbild in die deutschen Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts und später in die Museen.

Alexander Michelis stammt aus einer interessanten Familie. Sein Vater Franz (1764-1835) war Infanterie-Leutnant der fürstbischöflichen Armee, wurde wohl als Erzeuger eines unehelichen Kindes entlassen und schlug sich als Zeichenlehrer durch. 1819 übernahm er die Leitung der Zeichenschule für Handwerker. Seine künstlerischen Künste wurden gerühmt, seine pädagogischen bemängelt. Er lebte konfessionell in einer sogenannten Misch-Ehe. Von seinen zehn (oder neun) Kindern wurden die Töchter wie die Mutter protestantisch und die Söhne (alle gingen auf das Paulinum) wie der Vater katholisch. Eduard (1813-1855) und Friedrich (1815-1876) wurden Priester und sorgten im Kampf der deutschen Katholiken mit Preußen und dem Papst für Furore. Friedrich Michelis (zeitweise Pfarrer von St. Ludgerus in Albachten) erhob am 27. Juli 1870 wegen des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit sogar offene Anklage gegen Papst Pius IX. – und wurde exkommuniziert. Eduard geriet in Konfrontation mit dem preußischen Staat, wurde 1837 festgesetzt und bis 1841 ohne Gerichtliches Verfahren in Gewahrsam gehalten.

Franz und der wohl jüngste Bruder Alexander wurden Maler. Alexander malte Landschaften – konfessionsübergreifend romantisch.

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