Manfred Niehoff durfte Vulgata mit ins Deutsche übertragen
„Ein Ereignis ersten Ranges“

Münster -

Der Vorgang kann durchaus an die Wirkung der Luther-Übersetzung des Neuen Testaments vor rund 500 Jahren erinnern

Freitag, 21.12.2018, 20:12 Uhr aktualisiert: 28.12.2018, 18:20 Uhr
Manfred Niehoff mit einer kleinen Ausgabe der Vulgata, an deren Übersetzung er mitwirken durfte. Foto: Obermeyer

Der Vorgang kann durchaus an die Wirkung der Luther-Übersetzung des Neuen Testaments vor rund 500 Jahren erinnern: In einer groß angelegten Aktion wurde die lateinische Vulgata, die Grundurkunde der katholischen Kirche , in eine zeitgenössische deutsche Übertragung gebracht, womit auch dem Namen Volksbibel Rechnung getragen wird. Beteiligt an dieser Mammutaufgabe war Manfred Niehoff , früher stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums Paulinum mit den Fächern Latein, Griechisch und Französisch, der kürzlich in Berlin zur Präsentation des ersten Bandes durch den Verlag De Gruyter geladen war.

Der Berliner Verlag De Gruyter bringt die Vulgata Lateinisch-Deutsch in seiner renommierten zweisprachigen Reihe Tusculum heraus, das Projekt ist ausgelegt auf fünf Bände mit zusammen fast 5000 Seiten. Die Ausgabe richtet sich an Wissenschaftler, die Latein nicht mehr so fließend beherrschen, als dass sie es ihrer Arbeit zugrunde legen könnten. Und diese Zahl wächst. Diese Vulgata wurde vom Kirchenvater Hieronymus (Ende des 4. Jahrhunderts) in die damals allgemein verständliche lateinische Sprache gesetzt.

Die Auswahl der Übersetzer wurde sehr gewissenhaft vorgenommen. Interessenten mussten eine Probe-Übersetzung liefern, die entsprechend kommentiert wurde. Und auch die Übersetzungsvorschläge wurden von ausgewiesenen Experten korrigiert und begutachtet. Die Vorschläge wurden oft mehrfach zwischen Übersetzern und Gutachtern hin und her gewechselt. Angestrebt war eine lesbare und allgemein verständliche deutsche Prosa, die so nah wie möglich am lateinischen Urtext bleibt. Theologische Verschönerungen oder auch Einflüsse von Luther-Deutsch waren verpönt.

Initiator waren der Alttestamentler Professor Dr. Michael Fieger von der theologischen Hochschule Chur und der dortige Vulgata-Verein. Manfred Niehoff kam in Kontakt mit diesem Projekt über die münstersche Katholisch-Theologische Fakultät, in der er seit Jahren Lateinkurse erteilt. Mit Fieger hat er auch einen Vertrag, in dem ursprünglich keinerlei Honorar vorgesehen war. Jetzt gibt es immerhin eine Aufwandsentschädigung.

An diesem Großprojekt sind mehr als 40 Übersetzer beteiligt, Manfred Niehoff hat das Buch Levitikus (Drittes Buch Mose) übersetzt, woran er etwa anderthalb Jahre gearbeitet hat. Das ist bereits im ersten Band erschienen. Außerdem hat er an der Vorrede des Hieronymus zu Jesaja und den Jesaja-Kapiteln 1 bis 11 gearbeitet. Fachleute beurteilen dieses Projekt als „Meilenstein für die Bibelforschung“ oder auch als „kulturelles und theologisches Ereignis ersten Ranges“, so Joachim Hake, Direktor der Katholischen Akademie in Berlin.

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