„Messias“ im Pumpenhaus geht in seine dritte Dekade
Bohrende Einsamkeit in Coerde

Münster -

Seit 30 Jahren versuchen sich Maria und Josef einen Reim auf die Vorsehung zu machen: „Ker’, ich weiß doch auch nich’, wat der Erzengel mit uns vorhat!“ Und ebenso lange hangeln sich Pitt Hartmann als eitler Theaterleiter Theo und Benedikt Roling als sein schauspielerischer Adlatus Bernhard durch Patrick Barlows Stück-im-Stück.

Montag, 17.12.2018, 21:32 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 17:40 Uhr
Bewährte Chaos-Truppe seit drei Dekaden (v.l.): Pitt Hartmann, Benedikt Roling und Gabriele von Groote in der Premiere ihres „Messias“ im Pumpenhaus. Foto: Wolfgang A. Müller

Normalerweise sind Krippenspiele gute Gelegenheiten, möglichst vielen auch schauspielerisch weniger Begabten in einem Theaterensemble eine kleine Rolle (als Esel, Ochse, staunender Hirte) zuzuschustern. Dass Personalmangel aber zu deutlich witzigeren Ergebnissen führt, belegt „Der Messias“, den das Transittheater im Pumpenhaus erneut ins Kinderbett legte.

Seit 30 Jahren versuchen sich dort Maria und Josef einen Reim auf die Vorsehung zu machen: „Ker’, ich weiß doch auch nich’, wat der Erzengel mit uns vorhat!“ Und ebenso lange hangeln sich Pitt Hartmann als eitler Theaterleiter Theo und Benedikt Roling als sein schauspielerischer Adlatus Bernhard durch Patrick Barlows Stück-im-Stück. Ihr Bemühen, das erste Kapitel der „Größten Geschichte aller Zeiten“ auf die Bühne zu verfrachten, muss ohne hollywoodsche Monumentalität auskommen. Doch das kompensieren sie durch reichlich Mentalität, aberwitzige Irrwege einschlagende Improvisationen und übergroße Theatralik.

Da hängt Bernhard (eben noch einen römischen Legionär spielend und flugs das Jackett über den Kopf gezogen) als 14-jährige Syrerin Maria Mädchenträumen nach, um sich gleich darauf als gefiederter Erzengel seinen Marschbefehl beim stoffbärtigen Gottvater abzuholen. Den wiederum markiert natürlich Theo, als Chef, aber auch den schlichten Zollstockfalter Josef oder einen sächselnden Hirten. Für Massenszenen wird das Publikum eingespannt. Als endlich „Die Timm“ erscheint, eine Operndiva (Gabriele von Groote), die das Stück mit besinnlichen Glanz ausstatten soll, ist das schräge Herren-Duo mit dem Ausfechten seiner persönlichen Sträuße beschäftigt: esoterischer Sinnsuche in einem Dasein als Schmierenkomödiant und der „bohrenden Einsamkeit in einem Zimmer in Münster-Coerde“.

Die Akteure, seit ehedem und trotz vorangegangener gesundheitlicher Krisen stets in derselben Besetzung, starteten das Kult-Stück nicht nur durch die mächtigen Engels-Schwingen geradewegs beflügelt fulminant in die Saison. Und die immer noch fabelhaft funktionierende Staffage mit Disco-Kugel, Spielzeughäuschen und Lichterschlangen möbeln viele zeitgenössische Anspielungen und aktuelle satirische Seitenhiebe frisch auf: „Mein Gott, Seehofer als Herodes. Das ist doch wirklich geschmacklos.“

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Karten: www.pumpenhaus.de

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