„Erdmöbel“ in der Epiphaniaskirche
Ein wahrlich frohes Fest

Münster -

Seit zwölf Jahren genehmigt sich die Band Erdmöbel regelmäßig eine Prise aus dem musikalischen Giftschrank. Was sonst von den Musikern nur mit der Kneifzange angefasst wird, darf aus saisonalem Anlass mitspielen: Glockenspiele, die in abfallenden Tonfolgen erklingen, Hörner und all die übrigen typischen Zutaten von Weihnachtsliedern.

Sonntag, 09.12.2018, 16:36 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 17:21 Uhr
Die Band Erdmöbel spielte ihre „Jahresendlieder“ in der Epiphaniaskirche.

Mit der Zeit entstand ein facettenreiches Programm aus „Jahresendliedern“, das das in Münster gegründete, längst in Köln ansässige Pop-Quartett auf Einladung der Epiphaniaskirche erstmals auch in der alten Heimat präsentierte. Erdmöbels Balance aus manchmal ironischen Schilderungen und romantischer Schwelgerei verfing sogleich beim Publikum. Die Stücke von Markus Berges , Ekki Maas, Wolfgang Proppe und Christian Wübben klingen erfahrungssatt, aber nie billig zynisch. Sie thematisieren simultan was an Weihnachten nervt und was daran wunderbar ist. „Sie nannten ihn Putte“, ihre jüngste Schöpfung, ergreift Partei für alle, die noch zum Staunen fähig sind. Mitunter sind dies Kinder. Von solchen stammt auch der Tanz zum Titel „Goldener Stern“, den Maas mit schelmischem „es macht Spaß“ auszuprobieren empfiehlt. Tatsächlich entlädt sich, kaum dass der sehnsuchtsvolle Refrain erklingt, schier ansteckende Freude und Ausgelassenheit, als Dutzende Erwachsene, die Hände über dem Kopf zur Spitze geformt, sich neben den Kirchenbänken als menschliche Weihnachtspyramiden drehen. Als das flotte „Ding Ding Dong (Jesus weint schon)“ angespielt wird, setzt sich gar eine singende Polonaise in Bewegung, in die sich die Musiker einreihen.

Und im Duett mit Hanna Fearns, deren fesselnde Americana-Songs den Abend eröffneten, rehabilitieren Erdmöbel ein als Soundtrack zum Kommerz ausgebeutetes Genre. Bei ihrer Version von Wham!s „Last Christmas“ tönt „Weihnachten ist mir doch egal. Ich bin 3 Karat, Kaugummiautomat“ stimmungs- und würdevoll durch eine Kirche, die an diesem Abend wahrlich als ein Haus voller glücklicher Menschen gelten darf. Witzig, ergreifend, toll. Auch Pfarrer Frank Winkelmeyer lächelt.

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