Clueso im Skaters Palace
Heim- und Fernweh im „Handgepäck“

Münster -

All das, was in 20 Jahren Musikbusiness irgendwie auf der Strecke geblieben ist, brachte Clueso am Dienstagabend in Münster mit auf die Bühne. Im „Handgepäck“ hatte der erfolgreiche Sänger aber auch einen Gastauftritt, für den die Musik im Skaters Palace eine Weile stumm blieb.

Mittwoch, 14.11.2018, 07:40 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 14.11.2018, 07:35 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 14.11.2018, 07:40 Uhr
Clueso stellte am Dienstagabend sein neues Album im Skaters Palace vor. Foto: Oliver Werner

Ganz authentisch direkt vom Hotelzimmer oder Flughafen auf die Bühne im Club – Clueso alias Thomas Hübner bleibt sich selbst mit seinem neuen Album „Handgepäck“ treu und bewies beim Konzert im restlos ausverkauften Skaters Palace in Münster einmal mehr, dass er mehr zu bieten hat als einfältige Singer-Songwriter-Sounds. Bewundernswerte Melancholie, die den Zuhörer mit auf die Reise nimmt, gepaart mit Optimismus und Spontaneität, wie man es von Clueso kennt.

Der unverwechselbare Clueso-Sound ist geblieben, aber die Inszenierung ist authentischer. Wo vorher viel Wirbel und eine pompöse Bühnenshow waren, ist nun einfach Clueso. Mit seiner Gitarre unterm Arm natürlich. Denn Clueso macht wieder sein eigenes Ding.

Alte Klassiker aufpoliert

Unaufgeregt, aber unglaublich einfallsreich ist „Handgepäck“ all das, was in 20 Jahren Musikbusiness als einer der erfolgreichsten deutschen Musiker irgendwie auf der Strecke geblieben ist. Eben all die Songs, die Clueso jahrelang im Handgepäck hatte, aber nie gespielt hat – oder eben doch. Denn für die neue Tour hat der Singer-Songwriter auch seine alten Klassiker wieder aus der Kiste gekramt und neu aufpoliert.

Was Clueso und seine in jeglicher Hinsicht überragende Band, allen voran mit Schlagzeuger und Gitarrist Tim Neuhaus, auf die Bühne bringen ist einzigartig und etwas ganz Neues. Die Texte raffiniert, ausgeklügelt und poetisch; die Musik mit einer Liebe zum Detail, wie man sie in keinem Studio der Welt aufnehmen kann.

Clueso-Konzert im Skaters Palace

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Musik aus für Lesung

„Digitale Sachen sind da, um sie zu vergessen; Analoges, um sich daran zu erinnern“ ist das Motto, das Clueso zu Beginn des Abends verkündet. Und live ist eben live. Bei Clueso ist kein Konzert wie das andere, und erst recht klingt keine Show genauso wie die Platte im CD-Player. Beim zweiten Tour-Konzert in Münster setzte die Musik dank einer spontanen Idee gar gänzlich aus. Bestseller-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre war zu Gast und las mit viel Witz und Charme aus seiner Neuerscheinung „Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen“.

Nichts Aufgebauschtes

Letztlich muss man „Handgepäck“ als Cluesos künstlerisches Gesamtwerk betrachten. Es ist eine kohärente Playlist aus Songs, die im Laufe vieler Jahre entstanden sind, und dennoch wie dafür gemacht zusammenpassen. Aber Thomas Hübner ist eben immer er selbst geblieben. 08/15-Radiohits passen nicht zu seinem Stil. Mit „Handgepäck“ ist er sich einfach treu geblieben und setzt auf wirkungsvolle Essenz statt aufgebauschten Billig-Pop, gespickt mit Texten, bei denen es sich lohnt, noch ein zweites Mal hinzuhören.

Ob es noch einen zweiten Koffer mit Handgepäck in Cluesos Gedankenwelt gibt? Dass sein neues Album offiziell den Titel „Handgepäck I“ trägt, lässt die Fans zumindest darauf hoffen. 

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