Erste Produktion der „Bühnenreifen“
Wo Gehstöcke zu Paddeln werden

Münster -

Die mondäne Dame schiebt den schwarzen Hut zurecht, zupft an der rosafarbenen Stola, glitzernd wie ein indischer Sari, schlüpft in die hochhackigen Schuhe. Sie sieht gut aus, der große Spiegel bestätigt es. Aber darf sie in ihrem Alter eine so auffallende Garderobe tragen? Skeptisch wiegt sie sich hin und her und ist schließlich überzeugt: „Es ist alten Weibern nicht verboten, auf Bäume zu klettern!“

Mittwoch, 24.10.2018, 18:24 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 21.10.2018, 16:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 24.10.2018, 18:24 Uhr
„Kleine Fluchten“ aus dem Seniorenheim: Diese drei Akteurinnen zeigen, wie es geht. Foto: heh

Das Solo „Altweibersommer“ um Schönheit und Lebensfreude ist nur eine der vielen pointierten Nummern der Theaterrevue „Still leben?“. In drei ausverkauften Vorstellungen haben „Die Bühnenreifen“ ihre ganz individuellen Geschichten um das Älterwerden jetzt erstmals auf der Bühne des Theaterpädagogischen Zen-trums präsentiert. Für weitere Aufführung, darüber freut sich Regisseurin Anne Fritzen, wurden sie bereits nach Emsdetten eingeladen.

Die „Bühnenreifen“ (Marlene Hake, Veronika Landwehr, Jutta Nahamowitz, Doris Pier, Ursel Schwarzhans, Martina Spiekermann, Hanne Sternemann, Britta Strauss, Regina Tudzynski und Walburg Weining) haben die Revue selbst entwickelt. Kurze Texte von Kurt Tucholsky, Luise Rinser, Fred Endrikat und Robert Gernhardt in eigener Inszenierung sowie selbstentwickelte Szenen, in denen die Worte gut gewählt sind und jede Geste durchdacht ist, gibt es. Weiße Pappkartons, ein Spiegel und Kunstblumen, die einer Szene im Seniorenheim („Die Schluppenbluse“) über Demenz und Lebensfreude die Atmosphäre liefern, reichen als Requisiten aus. Musik wird zugespielt. Die Kostüme sind klischeehaft gewählt: Sie reichen von der sportlichen Frau in enger schwarzer Jeans bis hin zur „Oma“ in blickdichten Nylonstrumpfhosen plus Gehstock.

Schwarz ist der Humor auch in jener Szene, in der drei Seniorenheimbewohnerinnen eine Bank in eine Jolle verwandeln („Kleine Fluchten“) und sich zum Lied „Ein Schiff wird kommen“ vorstellen, mit ihren Gehstöcken hinauszupaddeln – bis zum Abendessen. Da müssen alle wieder da sein.

Lebensfreude, Humor und Sarkasmus zeichnen die „bühnenreife“ Truppe aus, deren älteste Akteurin 85 Jahre jung ist. Der unterhaltsame, manchmal traurig-melancholische Theaterabend bekam viel Beifall.

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