Sarel Debrand-Passard und Moritz Riesenbeck im Wewerka-Pavillon
Testen und Tasten mit Peitsche

Münster -

Die Einzelteile deuten an, worum es in der Ausstellung der Kunstakademie im Wewerka-Pavillon geht. Das Werk ist nicht vollendet, die Entwicklung harrt der Begrenzung. Die setzt spätestens die Finissage Mitte Oktober. Bis dahin zeigen Sarel Debrand-Passard und Moritz Riesenbeck eine Maschine, die den Innenraum der gläsernen Kunst-Vitrine auf höchst ungewöhnliche Art vermisst: mit Peitschenhieben.

Montag, 17.09.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.09.2018, 19:52 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 17.09.2018, 20:00 Uhr
Sarel Debrand-Passard und Moritz Riesenbeck bauen an einer Maschine, die den Wewerka-Pavillon von innen auspeitscht. Foto: Gerhard H. Kock

Eine selbstständig durch den Raum fahrende Pyramide trägt an ihrer Spitze eine Mechanik, die eine Bullenpeitsche schlagartig zum Schlagen bringt – im besten Fall mit Überschallgeschwindigkeit. Denn dann knallt’s. Zugleich soll der vierfach geflochtene Lederriemen Spuren an den Scheiben hinterlassen. Das Glas haben die beiden Künstler zu diesem Zweck geputzt. Dementsprechend wird der Pavillon nach vier Wochen Peitschenhieben gezeichnet sein – mit Fett. Vielleicht wird diese Form der „Malerei“ einen Fries bilden oder einen Flickenteppich.

Vieles ist offen in dieser Arbeit. So werden Debrand-Passard und Riesenbeck die Maschine nicht nur technisch, sondern vor allem auch künstlerisch weiterentwickeln. Bewusst haben sie keinen Bauplan erstellt und bei einer Firma in Auftrag gegeben. In Dialogen (zum Beispiel mit einem Programmierer) wurde Gestaltung und Bewegung dieser Arbeit entwickelt, eine Lösung für im Prozess auftretende Probleme gefunden. So ruhen die Ultraschallsensoren auf Isomatten, um unerwünschte Schallimmissionen zu dämmen. Eine ausgetüftelte Mechanik führt die punktuell energische Bewegung aus.

Im Grunde testet die Maschine tastend Grenzen aus. Der Zuschauer kann jeweils dienstags für gut eine Stunde (solange reicht der Akku) davon direkt betroffen sein, wenn die Peitsche auf ihn zuschnellt – geschützt durch die Scheibe, die sonst das Kunstwerk vor dem Publikum schützt. Ob diese Peitsche nun die „Haltung“ eines Dompteurs oder einer Domina, eines Voltigierers oder Flagellanten, eines Kutschers oder Cowboys hat – bleibt der jeweiligen Vorstellungskraft überlassen. Titel der Arbeit jedenfalls ist „Wanna hang out?“. Vielleicht wirkt die brummende Maschine auch wie ein Stier, der in seiner Box herumstreift und sich mit dem Schwanz lästige Fliegen vom Leibe hält . . .

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Die Ausstellung wird am Dienstag (18. September) um 19 Uhr im Wewerka-Pavillon (Aaseitenweg/Torminbrücke) eröffnet. Bis zum 18. Oktober gibt es jeden Dienstag um 19 Uhr Peitscherei im Pavillon.

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