Mettis-Quartett überraschte im Rathausfestsaal
Beeindruckendes Miteinander

Münster -

Lange war die Musik aus dem Baltikum in Westeuropa so gut wie unbekannt, was sich nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs langsam änderte. Dennoch: Einigen der Zuhörer am Montag im Rathausfestsaal waren Name und Oeuvre des litauischen Komponisten Mikalojus Čiurlionis noch nicht geläufig. Jetzt aber schon.

Dienstag, 20.02.2018, 18:02 Uhr

Das Mettis-Quartett mit (v.l.) Bernardas Petrauskas, Kostas Tumosa, Rokas Vaitkevicius und Karolis Rudokas
Das Mettis-Quartett mit (v.l.) Bernardas Petrauskas, Kostas Tumosa, Rokas Vaitkevicius und Karolis Rudokas Foto: cws

Lange war die Musik aus dem Baltikum in Westeuropa so gut wie unbekannt, was sich nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs langsam änderte. Dennoch: Einigen der Zuhörer am Montag im Rathausfestsaal waren Name und Oeuvre des litauischen Komponisten Mikalojus Čiurlionis noch nicht geläufig. Jetzt aber schon, denn sein Streichquartett aus dem Jahr 1902 wird seine Wirkung gewiss nicht verfehlt haben. Das ist gute Musik, inspiriert von Schubert und Mendelssohn, im Scherzo-Mittelteil auch mit einem deutlichen Dvořák-Akzent.

Vor allem offenbarten die musizierenden Gäste, das litauische Mettis-Quartett, schon in den ersten Minuten auf dem Podium des Saals ihre ausgezeichneten klanglichen und gestalterischen Fähigkeiten, pflegten eine Kommunikation untereinander, die reibungsloser nicht hätte sein können.

Das spiegelte sich auch in dem äußeren Eindruck, den die vier jungen Herren des Quartetts hinterließen. In Joseph Haydns „Lerchenquartett“ nicht weniger als in dem Viersätzer von Robert Schumann in A-Dur. Ganz ohne Allüren ging es hier zu, dafür mit umso mehr Noblesse, ganz ohne Feuerkopf-Attitüde, stattdessen mit sensibel ausdifferenzierter Dynamik und Agogik. Das Maximum an Ausdruck stand an erster Stelle – und die „sprechende“ Geste der Musik wie etwa im suchenden, umherirrenden Beginn des zweiten Schumann-Satzes.

Auch an Farben hatte das Quartett eine reiche Palette zu bieten. Haydns Reminiszenzen an barocke Texturen wie im Trio des Menuetts klangen völlig anders als jener beseelte Gesang, wie Schumann ihn in seinem Adagio ausbreitet. Das zeugte von einem längst nicht selbstverständlichen ästhetischen Bewusstsein, wie es sich in den letzten sechs Jahren entwickelt hat. So lange nämlich macht sich das Quartett schon gemeinsam auf den Weg, der zielstrebig nach oben führt. Kein Wunder, denn hier passt alles wunderbar zusammen, auch die Klangcharaktere der Instrumente mit ihrem eher dunklen Timbre. Vor allem aber beeindruckt die Selbstverständlichkeit im Miteinander der Vier – bis hin zum rastlos gesprinteten Haydn-Finale. In dem Tempo geht das nur, wenn man’s kann! Großer Applaus, eine Zugabe von Debussy. Und demnächst gern ein Meisterkonzert mit dem Mettis-Quartett.

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