„Footlines“ im Pumpenhaus
Partitur Seite für Seite getanzt

Münster -

Die Musik kommt minimalistisch daher. Eine Aneinanderreihung von Mustern, die sich nur wenig verändern. Hier ein etwas straffer oder lockerer gespannter melodiöser Bogen, dort eine leichte Modifikation im rhythmischen Gefüge. „Crippled Symmetry“ nannte der amerikanische Neutöner Morton Feldman seine 1983 entstandene, von handgewebten orientalischen Teppichen inspirierte Komposition. Diesem Werk hat die Choreografin Keren Levi jetzt tänzerische „Fußnoten“ verpasst. Am Wochenende waren sie im Pumpenhaus zu sehen.

Sonntag, 11.02.2018, 17:02 Uhr

Diese drei Tänzerinnen folgen in „Footnotes“ der Spur der Instrumente und setzen diese in Bewegung um.
Diese drei Tänzerinnen folgen in „Footnotes“ der Spur der Instrumente und setzen diese in Bewegung um. Foto: Eti Steinberg

In „Footnotes“ folgen drei Tänzerinnen der Spur der Instrumente und setzen diese in Tanz um. Flöte, Perkussion und Klavier bestimmen den Klangraum und damit auch die Bewegungsmuster, die sich ähnlich wie die Musik beständig zu wiederholen scheinen, in Wirklichkeit aber fortlaufenden Modifikationen unterliegen. Es sind das unmerkliche Verfließen von Zeit und die damit verbundene Veränderung im Raum, die sich hier in einer Art Versuchsaufbau manifestieren. Verstärkt wird der quasi wissenschaftliche Eindruck durch die Ansage der Partitur-Seiten, auf denen sich die Tänzerinnen gerade befinden.

Der zweite Teil der 90-minütigen Aufführung ist ein Tanz der Pixel. Die Tänzerinnen treten jetzt als Videos auf und zerfließen auf den Wänden im Bühnenhintergrund zu immer gröberen Auflösungen bis hin zur völligen Anonymisierung durch einzelne Lichtquadrate. Der dritte Teil bringt das Türhüter-Gleichnis aus Kafkas „Prozess“ ins Spiel, dessen Text hier mit einer „Frau vom Land“ dezent feminisiert wurde. Den Abschluss bildet ein Dialog von Samuel Beckett, dem am Ende die Musik ausgeht, sodass sich die letzte Tänzerin bei ihren Drehungen lastender Stille ausgesetzt sieht.

Keren Levi ist mit ihren „Footnotes“ zu „Crippled Symmetry“ ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz, Text und Video gelungen. Freilich ist das keine leichte Unterhaltung. Die Aufführung wegen ihres unverkennbar analytischen Ansatzes verkopft zu nennen, würde der Sache aber nicht gerecht. Denn sie besitzt eine starke ästhetische Ausstrahlung, der man sich schwer entziehen kann, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat.

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