Fabelhaft aufgekratzt: „Das weiße Album“ der Beatles
Blackbird trifft den weißen Schwan

Münster -

Das Zimmermädchen ist ganz wild. Die junge Frau mit dem kecken Pagenkopf (furios: Andrea Spicher) wirbelt wie ein Derwisch durch die Gänge und Räume des Hotels und lässt keine Zweifel an ihren Wünschen: „Komm, zieh dich aus, wir tun es hier!“ Mehrmals sucht sie an diesem Abend Sex und will schließlich sogar die ganze Küchenbrigade vernaschen.

Sonntag, 11.02.2018, 15:02 Uhr

Im „Grand Apple Hotel“ wechseln (v. l.) Sandra Bezler, Garry Fischmann, Natalja Joselewitsch und Andrea Spicher munter die Rollen.
Im „Grand Apple Hotel“ wechseln (v. l.) Sandra Bezler, Garry Fischmann, Natalja Joselewitsch und Andrea Spicher munter die Rollen. Foto: Oliver Berg

Paul McCartneys „Why Don’t We Do It in the Road“ ist eigentlich nur eine kurze Episode auf dem „Weißen Album“ der Beatles , wird aber im gleichnamigen Theaterabend zum wiederkehrenden Motiv der fabelhaft aufgekratzten Aufführung. Mit sieben Schauspielern und einer vierköpfigen Band hat Regisseur Michael Letmathe die Songs des Doppelalbums in eine lockere Handlung gepackt, die der bewährten „Menschen im Hotel“-Dramaturgie folgt. Klar, dass es dabei vielfach um Liebe und Verlangen geht, vor allem unter den Angestellten. Einer will, dass seine Prudence endlich aufwacht, einer schwärmt von seiner „Zuckermaus“ (im Original „Honey Pie“), und das zweite Zimmermädchen ist traurig, „weil du mich nie wirklich liebst“.

„While My Guitar Gently Weeps“ heißt dieses Lied im Original und zeigt, wie lustvoll-kreativ der Dramatiker Roland Schimmelpfennig bei seiner Übertragung der Beatles-Texte zu Werke ging: Hat er sich in diesem Fall lieber am Sprachklang als am Inhalt orientiert, so schuf er bei Songs wie „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ oder „Martha My ­Dear“, das zu „Martin, mein Freund“ (Natalja Joselewitsch) wurde, eigenständige Übersetzungen.

Natürlich kommen auch Hotelgäste vor. Ein Straßenmusiker etwa, der sich an die Bar des von Bernhard Niechotz liebevoll gestalteten „Grand Apple Hotels“ setzt und „Mother Nature’s Son“ anstimmt. Ein schwarzer Killer mit leicht unkoordinierten Bewegungsabläufen – Ilja Harjes präsentiert hier eine grandiose Pantomime. Und die Tänzerin, die „Yer Blues“ singt („Ich bin einsam“, eine starke Szene von Sandra Bezler), erinnert nicht zufällig an die weiße Heldin des Films „Black Swan“: Regisseur und Ausstatter lassen nach der Pause einige Gestalten der jüngeren popkulturellen Geschichte auftreten. Denn es geht in dieser Aufführung bis auf kleine Anspielungen kaum um die 68er Zeit oder die Geschichte der Beatles. Deren heterogenste Schallplatte ist eher Ausgangspunkt und Soundtrack des Abends. Strenge Fans würden gewiss auch manche Gesangsleistung des toll spielenden Ensembles kritisieren (das Männerquartett wird von Garry Fischmann, Christian Bo Salle und Paul Maximilian Schulze komplettiert), während die Musiker um Fabian Kuss makellos sind. Richtig gut klingen „While My Guitar ...“ und „Blackbird“, das hier als ideales Gegenstück auf den weißen Schwan folgt.

Michael Letmathe übernimmt den Rahmen des weißen Albums, geht darin aber frei mit der Reihenfolge um und lässt ein paar Songs aus (schade um John Lennons „Julia“). Und er traut sich an die Klangcollage „Revolution 9“, die er konsequent als Nachtmahr mit schon bekannten Gestalten inszeniert und ins Gutenachtlied münden lässt. Für den großen Applaus gab’s dann natürlich noch mal McCartneys Stimmungshit „Ob-La-Di ...“

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Nächste Termine: 13. und 28. Februar, 3. März im Kleinen Haus  | www.theater-muenster.com

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