Lange Orgelnacht von St. Lamberti
Eine Nacht mit zwei Giganten

Münster -

Über neun Tonnen Musik treffen auf die Königin der Instrumente. St. Lamberti lädt zur Nacht der Giganten.

Mittwoch, 24.08.2016, 06:08 Uhr

Christoph Schulz und Tomasz Nowak (v.l.) an der Brand- oder Ratsglocke. Sie wird im Konzert nicht die „Krönung“ eines münsterischen Oberbürgermeisters beläuten, sondern die des Zaren in Modest Mussorgskis „Boris Godunow“.
Christoph Schulz und Tomasz Nowak (v.l.) an der Brand- oder Ratsglocke. Sie wird im Konzert nicht die „Krönung“ eines münsterischen Oberbürgermeisters beläuten, sondern die des Zaren in Modest Mussorgskis „Boris Godunow“. Foto: Gerhard H. Kock

Im Glockenturm von St. Lamberti haben Frauen die Mehrheit: die große und die kleine Katharina, drei Mal Maria und einmal Edith . Dementsprechend sind Nils , Clemens und Lambertus zwar in der Minderheit. Aber „Lambertus“ ist mit 2,3 Tonnen das Schwergewicht im Geläut. Zusammen mit der Brand- oder Ratsglocke werden die neun Giganten auf eine Dame treffen: die Königin der Instrumente.

In der „3. Orgelnacht “ von St. Lamberti, die am Samstag im Rahmen der Internationalen Lamberti-Orgelwochen stattfindet, erklingen zwei Giganten der Instrumente miteinander. Und die Zuhörer müssen sich nicht einmal die scheinbar unendlich vielen Stufen zum Glockenstuhl hinaufdrehen, sondern können es sich in den Bänken bequem machen.

Christoph Schulz von „Musicom“ hat es möglich gemacht, dass die Münsteraner die Glocken-Persönlichkeiten ihrer Stadt- und Marktkirche direkt vor Augen und nah am Ohr haben können. Schulz fertigte in der Enge des Glockenstuhls Film- und Ton-Aufnahmen der neun Glocken an. Während des Eröffnungskonzerts um 20 Uhr werden alle Glocken einzeln zu sehen und zu hören sein: Lambertus von 1493 (2300 Kilogramm), die Große Katharina von 1617 (1750 kg), Maria von 1493 (1000 kg), Maria Droste zu Vischering von 2008 (1000 kg), die Kleine Katharina von 1497 (450 kg), die Glocke „Nils Stensen und Edith Stein“ von 2008 (450 kg), Clemens August Graf von Galen von 2008 (350 kg), Schwester Maria Euthymia von 2008 und nicht zuletzt die Brandglocke von 1594 (1500 kg) – „die Schreckliche genannt“, weil sie Bürger bei Gefahr ruft.

Nowak greift Ton oder Charakter der jeweiligen Glocken auf und strickt ein Orgel-Programm drum herum. Aus dem „Buxheimer Orgelbuch“ gibt es Zeitgenössisches für die Glocken aus dem 15. Jahrhundert. Zum „Parsifal“-Motiv der münsterischen Glocken passt die Abendmahlszene aus Wagners Bühnenweihfestspiel in einer Orgelbearbeitung. Nowak selbst hat Mussorgskis Krönungsszene aus „Boris Godunow“ für Orgel bearbeitet. Zu den Marien-Glocken gibt es Impressionen über marianische Themen.

Ab 21 Uhr wird der Kammerchor von St. Lamberti (Leitung: Alexander Toepper) möglicherweise dem Titel von Mendelssohn Bartholdy gerecht: „Sechs Lieder im Freien zu singen“ werden vor der Kirche zu hören sein sowie geistliche Gesänge von Franck und weltliche Gesänge von Brahms.

Ab 21.45 Uhr ist eine Live-Orgelimprovisation von Nowak zum „Glöckner von Notre-Dame (1923) zu hören. Mehr Glocken geht kaum.

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Die dritte Orgelnacht von St. Lamberti findet am Samstag (27. August) von 20 bis circa 23.30 Uhr statt. Die drei Teile können auch jeweils einzeln besucht werden.

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