Initiative errichtet in Mauritz-Ost Demenzparcours
Tischdecken wird zum Problem

Münster -

Erna Müller weiß noch, dass sie mit ihrem Sohn zu einem schönen Ort gefahren ist. „Es war dort fast immer viel Wind und ein bisschen kühl. Da gab es Sand und viel Wasser“, weiß sie. Aber sie weiß nicht mehr, dass dieser Ort der Strand am Meer war. Sie leidet an Demenz.

Samstag, 21.09.2019, 19:00 Uhr
Sebastian Philipper zeigte Beate Lause (M.) und Ulrike Bätz, wie ein Spiegelkasten zum Thema „Straßenverkehr“ funktionierte. Spielzeugautos sollten über gezeichnete Wege zu Stadtsymbolen geführt werden, mit Blick in einen Spiegel auf der Rückwand des Kastens. Foto: klm

Erna Müller ist eine erdachte Person, aber das Beispiel ihres Gedächtnisverlustes könnte echt sein. Anhand von Texten über den Alltag der Frau und eines Parcours versuchte das „Demenznetz Mauritz-Ost“ am Freitag, Besuchern die Symptome des Leistungsabbaus zu veranschaulichen. Anlass war der Welt-Alzheimer-Tag am heutigen Samstag.

„Es geht um die Lebenserfahrung, die man macht. Wie es sich anfühlt, mit Demenz zu leben und wie sich Symptome bei Betroffenen bemerkbar machen“, erklärte Sebastian Philipper für das Demenznetz im Nachbarschaftstreff „Alte Apotheke“. 13 Stationen konnten dort sowie bei der Tagespflege „Procura“, in der Margareten-Apotheke und auf dem kleinen Wochenmarkt am Hegerskamp ausprobiert werden.

Alltagsaufgaben im Parcours

Wie viele Schritte braucht es, um den Frühstückstisch zu decken? Auf 42 Bildkarten wurde der Ablauf dargestellt – Schublade öffnen, Besteck herausholen, zum Kühlschrank gehen etwa. Aber wie funktioniert die Reihenfolge? „Das sind viele kleine Schritte. Tester, die nicht an Demenz leiden, unterschätzen durchaus, wie komplex solch ein Ablauf für Betroffene geworden ist“, so Philipper.

Alltagsaufgaben konnten im Parcours aus dieser Perspektive mit Karten oder mit Spiegel-Boxen ausprobiert werden. Zum Beispiel versuchte Besucherin Ulrike Bätz (68), in einer solchen Box eine Murmel auf einen Löffel zu bringen, von dort in einen Medizinbecher und diesen dann auf einen Teller. Dabei sah sie, was sie tat, durch einen Spiegel – also seitenverkehrt. Es ging um Tätigkeiten im Haushalt.

„Es hat nicht gut geklappt; und das hat mich unruhig gemacht“, erzählte sie. „Wenn man die Dinge im Alltag nicht so schafft, wie man das möchte und das selbst bemerkt, ist das für den Betroffenen frustrierend“, sagte Besucherin Beate Lause (67).

„So eine Situation ist bloß eine. Für den Demenzkranken schließt sich gleich die nächste schwierige Situation an“, so Bätz. „Uns geht es nicht darum, sich selbst auf Symptome zu testen, betonte Philipper, „sondern Verständnis für demenzkranke Menschen zu haben.“

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