67-jährige Bewohnerin vernommen
Geständnis nach Explosion

Münster -

Nach der Explosion in einem Wohnhaus Am Max-Klemens-Kanal am Mittwochmorgen konnte die 67-jährige Bewohnerin noch am selben Tag im Krankenhaus vernommen werden.

Donnerstag, 19.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.09.2019, 19:06 Uhr
In diesem Wohnhaus hat es am Mittwochmorgen eine Explosion gegeben. Foto: Helmut Etzkorn

Die Spurensuche in der Brandruine ist schwierig. „Das Gebäude ist so stark beschädigt, dass Einsturzgefahr besteht“, betonte Kriminalhauptkommissar Joachim Proll . Er leitet die Mordkommission, die klären soll, wie genau es zur Explosion des Fachwerkhauses an der Straße Am Max-Klemens-Kanal kam (wir berichteten).

Am Mittwochmorgen waren dabei zwei Frauen schwer und drei Polizisten leicht verletzt worden. Inzwischen konnte eine der verletzten Bewohnerinnen im Krankenhaus vernommen werden. Dabei gestand die nach Informationen unserer Zeitung als Personalberaterin arbeitende Frau, dass sie mit ihrer Tochter ganz bewusst eine Explosion im Haus herbeigeführt habe. Beide drehten dazu Gasflaschen auf und entzündeten das Gas.

Zwangsräumung wegen Mietschulden

„In ihrer Vernehmung gab die 67-Jährige an, dass sie gemeinsam mit der 38-Jährigen die Explosion geplant und herbeigeführt habe“, erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt in einer Pressemitteilung. Allerdings sei die Mutter ebenso wie ihre Tochter davon ausgegangen, „dass Unbeteiligte dabei nicht zu Schaden kommen“, so der Oberstaatsanwalt weiter. Die Explosion hatte sich aber gegen 9.30 Uhr ereignet – just in dem Moment, als drei Polizisten und eine Gerichtsvollzieherin vor der Tür standen. Sie wollten eine Zwangsräumung wegen Mietschulden durchführen.

Die 38-jährige Tochter wird weiterhin in einer Spezialklinik behandelt. „Sie ist nicht vernehmungsfähig“, berichtet der Oberstaatsanwalt weiter. Die Staatsanwaltschaft Münster wertet die Tat als versuchten Mord in Tateinheit mit dem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion mit versuchter Todesfolge. Haftbefehle gegen Mutter und Tochter sollten am Donnerstag beantragt werden. Die Ermittlungen dauern an, ein Ende der Untersuchungen ist noch nicht abzusehen.

"Alle geschockt"

Oberstaatsanwalt Botzenhardt verwies gegenüber unserer Zeitung auch darauf, dass die 38-jährige Tochter  noch nicht vernommen werden konnte. Hier habe die ärztliche Versorgung Vorrang.

„Für mich ist das ein tragisches Schicksal“, sagt Dirk Limberg. Der in Münster bekannte Geschäftsmann war bis vor zwei Jahren direkter Nachbar der beiden Frauen. Er zeigte sich gegenüber unserer Zeitung betroffen darüber, dass sich offenbar beim Streit um die Miete für das Haus keine Lösung finden ließ. „Wir sind alle ziemlich geschockt“, sagt Limberg. 


Hinweis:

Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide oder Suizidversuche zurückhaltend berichtet wird. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen. Daher halten wir uns mit Details über den Vorfall zurück.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die  Telefonseelsorge . Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der  Krisenhilfe Münster  (0251-519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren.

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Bisher keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung
 
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